Kommentar zur Kandidatur von Simone Lange : Die SPD braucht den Gegenwind

Die Flensburger Oberbürgermeisterin Simone Lange (SPD) kandidiert überraschend für den SPD-Vorsitz.
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Die Flensburger Oberbürgermeisterin Simone Lange (SPD) kandidiert überraschend für den SPD-Vorsitz.

Für Simone Lange wäre ein Achtungserfolg drin, meint unsere Autorin Mira Nagar.

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13. Februar 2018, 11:48 Uhr

„Glaubwürdigkeit kommt von Glauben und Würde, nicht von Macht und Erhalt! Mich macht das alles traurig!“ Auf Twitter hat Simone Lange schon mehrfach ihrem Frust über die Bundespolitik ihrer SPD und die GroKo-Verhandlungen Luft gemacht.

 

Damit ist sie nicht allein in der SPD und das weiß sie. Jetzt zieht sie die Konsequenz daraus und kandidiert gegen die eigentlich schon gesetzte Andrea Nahles um den Bundesvorsitz. Auch wenn Nahles am Ende gewählt wird – ein Achtungserfolg für Lange ist wahrscheinlich. Und es wäre nicht nur ein Erfolg für die Flensburgerin selbst. Der Gegenwind aus dem Norden wird auch der Partei nutzen.

Mit der Gegenkandidatur wird die GroKo-Verhandlerin Nahles zumindest nicht alternativlos durchgewinkt. Die Stimme der Gegner einer erneuten Regierungsbildung ist innerhalb der SPD nicht zu überhören und sollte nicht unter den Teppich gekehrt werden. Politik soll schließlich ein Wettbewerb der Meinungen sein und kein strategisches Postengeschacher. Diesen Eindruck aber hat manch ein Wähler längst verloren.

Für die bis dato bundesweit eher unbekannte Flensburger Oberbürgermeisterin ist die Bewerbung allemal ein Erfolg. Als Herausforderin in diesem Match braucht sie nicht zu siegen, um zu gewinnen. Denn ihr Name ist jetzt bundespolitisch auf der Agenda und könnte letztendlich zumindest landespolitisch die SPD weiter prägen. Denn auch in Schleswig-Holstein braucht die Partei nach der Niederlage bei der Landtagswahl eine Frischekur. Zumal auch Ralf Stegner im Norden nach wie vor umstritten ist. Der allerdings sieht „personelle Einzelinteressen“ kritisch.

 

Doch es geht eben um mehr als den Karriereschritt einer Einzelperson. Es ist ein Zeichen dafür, dass irgendwo in diesem starr wirkenden Schlachtschiff namens SPD eine Mannschaft sitzt, die bereit ist, den eingeschlagenen Kurs zu hinterfragen – auch wenn sie ihn nicht ändern wird.

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