Die Sonnenseite der Überalterung

Schon wegen der Demographie lohnt sich die Gesundheitswirtschaft

shz.de von
05. November 2013, 00:31 Uhr

Die Problem-Lawine, in die die Überalterung unsere Gesellschaft stürzen wird, ist hinreichend beschrieben. Deshalb mutet es erfrischend an, wenn Wirtschaftsminister Reinhard Meyer jetzt daran erinnert, dass es bei all dem Elend wenigstens einen positiven Aspekt gibt. Die Potenziale, die sich für die Gesundheitswirtschaft auftun, sind nichts anderes als die Kehrseite der demografischen Entwicklung. Die Branche wird in Zukunft wie schon in den letzten Jahren überproportional wachsen, weil sie vom immer größeren Anteil älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung lebt. In erster Linie ihnen gilt der medizinische Fortschritt, sie fragen in steigendem Umfang Pflegeleistungen, Rehabilitation und andere Angebote nach, die den Körper möglichst lange funktionstüchtig halten.

Also lässt sich geradezu von einem Pflichtprogramm für die Wirtschaftspolitik sprechen. Zumal konkurrierende Länder nicht schlafen, Schleswig-Holstein aber wegen seiner eingeschränkten Branchen-Vielfalt stärker auf diesen Wirtschaftszweig angewiesen ist als andere. Schon heute liegt die Zahl der dort Beschäftigten beispielsweise um Längen über derjenigen in der maritimen Wirtschaft.

Beifall verdient daher die Entscheidung der Landesregierung, die Gesundheitswirtschaft aus dem Sozial- ins Wirtschaftsressort zu verlagern. Das ist die Grundlage dafür, dass das Thema stärker unter dem Wertschöpfungsaspekt betrachtet wird und nicht allein unter Versorgungsgesichtspunkten. Ihre Marktnischen müssen die einzelnen Unternehmen zwar jeweils für sich finden. Aber das Land kann doch mehr tun, um lose in der Luft hängende Fäden zu verbinden. Etwa, um das für die Zukunft erwartete Zusammenwachsen von Produkten und Dienstleistungen zu moderieren, den Knowhow-Transfer aus der Forschung in die Praxis zu stärken oder um – gerade bei uns – die Schnittmenge mit dem Tourismus auszuschöpfen. Sie wächst nicht zuletzt wegen des Selbstzahler-Trends bei Angeboten fürs körperliche Wohlbefinden. Die Übernachtungszahlen brauchen dringend neue Impulse. Da auch der Fremdenverkehr zum Ressort Meyers gehört, gibt es jetzt keine Ausrede mehr, nicht gebündelt in die Offensive zu gehen.

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