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Präsidentschaftskandidatur in den USA : „Die Republikaner bringen sich selbst um“ - und Donald Trump mal wieder im Shitstorm

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Donald Trump muss es nun darum gehen, die US-Konservativen zu einen – doch das ist leichter gesagt als getan. Und dann ist da noch sein Taco-Tweet auf Twitter.

shz.de von
erstellt am 06.Mai.2016 | 08:34 Uhr

Washington | Die Wunden des brutalen Vorwahl-Kampfes der Republikaner bluten noch. Dass sie verheilen, ist eine der großen Herausforderungen, die auf Donald Trump warten. Nach dem Ausscheiden des letzten Konkurrenten, John Kasich, geht es für den mutmaßlichen Präsidentschaftskandidaten darum, die US-Konservativen hinter sich zu scharen und auf den Wahlkampf gegen Hillary Clinton einzuschwören.

Einfacher gesagt als getan. So machen die beiden lebenden Ex-Präsidenten der Republikaner, George H.W. Bush und Sohnemann George W., nicht die geringsten Anstalten, den Milliardär zu unterstützen, der Jeb Bush bei den Vorwahlen persönlich gedemütigt hat. Auch die beiden letzten Präsidentschaftsbewerber, Mitt Romney und John McCain, empfinden tiefe Abneigung gegen den blondierten Rechtspopulisten.

Trump ahnt, wie schwer es wird. Schon in der Wahlnacht von Indiana, in der er seine Nominierung mit einem Durchmarsch sicherte, gab sich der Sieger bescheiden wie selten. „Das war ein unglaublicher Tag und Abend und Jahr“, sagte er im Foyer seines Wolkenkratzers im Herzen Manhattans.

Das Wort „unglaublich“ geht in den Stunden danach vielen durch den Kopf. Das gilt für die parteiinternen Gegner des Milliardärs, die „Never-Trump“-Gruppen, die 43 Millionen Dollar verpulverten, um den Rechtspopulisten zu stoppen. Das gilt aber auch für all jene Politikerklärer im Washingtoner Orbit, die vollmundig versprachen, ihre Hüte, Schuhe und sonst was zu verspeisen, wenn Trump Kandidat würde.

Der letzte ernsthafte Gegenspieler des Rechtspopulisten, Ted Cruz, hatte noch in der Wahlnacht das Handtuch geworfen. „Die Wähler haben einen anderen Weg gewählt“, erklärte der ultrakonservative Senator seinen enttäuschten Anhängern. Es sei ein „Pfad in die Dunkelheit“, vermerkte die New York Times in ihrem Leitartikel. Für die Republikanische Partei führe er zu „einem Tag der Abrechnung“. Trump habe die Basis mit dem simplen Versprechen gewonnen, Amerika wieder großartig zu machen. „Dabei bietet er nur fremdenfeindliche, isolationistische und fantastische Ideen an“.

„Ich beobachte wie eine 160 Jahre alte politische Partei Selbstmord begeht“, merkt Henry Olsen vom „Ethics and Public Policy Center“ an. Ihm und anderen „Never-Trump“-Republikanern bleiben zwei Optionen: Sie können die Wahlen im November in Erwartung einer Niederlage aussitzen. Oder sie treten mit einem eigenen, unabhängigen Kandidaten an und sichern damit Hillary Clinton den Wahlsieg.

Einige, wie der langjährige Stratege John McCains, Mark Salter, haben sich bereits entschieden. „Die Republikaner nominieren einen Kerl zum Präsidenten, der den National Enquirer liest und auf diesem Niveau denkt“, verbreitete Salter über den Kurznachrichtendienst Twitter. Dort verkündete er auch „#ImWithHer“ – was frei übersetzt so viel bedeutet wie „ich unterstütze sie“. Das ist die Twitter-Kennung von Clinton-Anhängern. Sie dürfen nun darauf hoffen, dass Hillary im Rennen zwischen zwei Spitzenkandidaten mit historisch hohen Unbeliebtheitswerten (Clinton 56 Prozent, Trump 65 Prozent) die Nase vorn hat.

Nachdenkliche Demokraten, wie die Senatorin aus Massachusetts, Elizabeth Warren, wollen nichts dem Zufall überlassen. „Trump hat seinen Wahlkampf auf Rassismus, Sexismus und Fremdenfeindlichkeit aufgebaut“, sagt sie. „Ich werde bis zum Letzten dafür kämpfen, dass Trumps giftige Ausdünstungen des Hasses und der Unsicherheit nicht das Weiße Haus erreichen.”

Der umstrittene Trump hat sich derweil mal wieder einen Shitstorm eingehandelt. Für ihn längst Routine. Der US-Präsidentschaftsbewerber ist für seine frauenfeindlichen und rassistischen Sprüche bekannt. Hispanics hatte er in der Vergangeheit als Mörder bezeichnet. Sie würden Drogen in die Vereinigten Staaten bringen. Zum Schutz der USA will Trump eine Grenzmauer zu Mexiko errichten lassen. Freitag dann dieser Tweet - mit einer Liebeserklärung an die Hispanics. „Die besten Tacos gibt es im Trump-Tower. Ich liebe Hispanics!"
 

Der Shitstorm im Netz folgte prompt:

Trumps Konkurrentin Hillary Clinton konterte mit einem Post, in dem sie Trumps vergangene Aussagen über Hispanics zeigt. Eine Beispiel: “They’re gonna be deported.”

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