Ausländerfeindlichkeit : Die rechte Welle von Cottbus

<p>Viele Cottbuser Bürger machen Flüchtlinge für die wachsende Unruhe in der Stadt verantwortlich.</p>
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Viele Cottbuser Bürger machen Flüchtlinge für die wachsende Unruhe in der Stadt verantwortlich.

Cottbus hat seit Jahren ein Problem mit massiver Ausländerfeindlichkeit. Die rechte Szene gewinnt immer mehr Anhänger.

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25. Januar 2018, 13:28 Uhr

Cottbus | Massive Auseinandersetzungen: In Cottbus spitzt sich die Gewalt zwischen Geflüchteten und Deutschen zu. Seit Jahren ist die Stadt geprägt von rechter Gewalt. Inzwischen ist die Lage so prekär, dass sogar das Land Maßnahmen ergriffen hat.

Die Präsenz von Polizei und Ordnungsamt wurde aufgestockt. Außerdem sollen 30 bis 40 zusätzliche Sozialarbeiter die Flüchtlinge unterstützen, berichtet der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb). Vor der Stadthalle hatte die Stadt bereits ein Alkoholverbot verhängt. Außerdem wurde dort eine Videoüberwachung eingerichtet. Auf dem Vorplatz trifft sich eine explosive Mischung aus Trinkern, dem Drogenmilieu, der rechten Szene, Jugendlichen und Flüchtlingen, berichtet der Tagesspiegel.

Der Brandenburger Innenminister Karl-Heinz Schröter sah nach einer Messerattacke Anlass weitere Zuweisungen von Geflüchteten nach Cottbus zu stoppen. Das verkündete er am vergangenen Freitag nach einem Spitzentreffen. Einen solchen Stopp hatte die Stadt bereits im März 2017 ohne Erfolg beantragt. Cottbus habe im vergangenen Jahr deutlich mehr Flüchtlinge aufgenommen als viele andere Kommunen im Land, so der Oberbürgermeister Holger Kelch von der CDU.

Messerattacke auf 16-Jährigen

Vergangene Woche sollen zwei syrische Jugendliche einen gleichaltrigen Jungen aus Cottbus mit einem Messer angegriffen und im Gesicht verletzt haben. Nur eine Woche zuvor soll ein 14-jähriger Syrer ein Messer gezückt haben, als ein Ehepaar ihm den Weg zu einem Fahrstuhl versperrte.

Die Berliner Zeitung schreibt, dass zwei Syrer dem Innenminister nach der Verkündung des Zuweisungsstopps einen Brief überreicht haben sollen: „Es tut uns leid, dass zwei unserer Landsleute in Cottbus Menschen angegriffen haben. Wir bitten alle um Verzeihung und möchten deutlich machen, dass dieses Verhalten auch bei uns nicht in Ordnung ist.“

Die Gewalttaten einzelner Geflüchteter wirken wie Zunder in der rechten Szene. Diese ist in Cottbus sehr aktiv und erfährt immer mehr Zuspruch. Bei einer Demonstration des rechten Vereins „Zukunft Heimat“ am Wochenende waren rund 1500 Menschen anwesend. Bei den Protesten wurden Journalisten beschimpft und attackiert, berichtet der Tagesspiegel.

In einem Bericht von Spiegel Online erklären Geflüchtete, dass sie wegen der massiven Ausländerfeindlichkeit in Cottbus Angst hätten auf die Straße zu gehen. „Nahezu jeder fünfte rassistische Angriff in Brandenburg wurde 2016 in Cottbus verübt“, heißt es in dem Bericht.  

Demonstrationen und Kundgebungen von rechten Bürgerinitiativen mit der AfD werden zahlreich besucht. In dem Bericht von Spiegel Online erklärt Lothar Judith vom „Cottbuser Aufbruch“, dass die geschätzten 200 „Hardcore Nazis“ in der Stadt sehr viel Wind machen würden. Hinzu kämen die rechten Bündnisse und seit kurzem auch die Identitären, die Hetze gegen Ausländer verbreiten würden. Das würde die Leute mitreißen. Der „Cottbuser Aufbruch“ ist ein Aktionsbündnis, das schon seit vielen Jahren gegen die starke rechtsextreme Szene in der Stadt vorgeht.

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