„Die persönlichen Schäden bleiben“

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Zum Prozessauftakt beteuert der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff seine Unschuld – und macht den Ermittlern schwere Vorwürfe

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15. November 2013, 00:31 Uhr

636 Tage hat Christian Wulff geschwiegen. Kein Wort zu den Korruptionsvorwürfen. Doch jetzt spricht der ehemalige Bundespräsident –gleich zu Beginn seines mit Spannung erwarteten Prozesses am Landgericht Hannover. „Ich sehne mich nach Ruhe“, sagt Wulff. Der 54-Jährige wirkt erstaunlich sicher und konzentriert, trotz der für ihn ungewohnten Situation im Gerichtssaal 127. Zwischenzeitlich steckt Wulff wie in früheren Plenardebatten gar seine rechte Hand locker in die Hosentasche.

Im Saal ist es gestern Morgen während Wulffs knapp 50-minütigen Monologs mucksmäuschenstill. Nur wenige Huster stören im ersten Prozess gegen ein ehemaliges Staatsoberhaupt der Bundesrepublik Deutschland. In seiner von einem Stapel Karteikarten abgelesenen Rede lässt Wulff keinen Punkt aus. „David Groenewold ist mein Freund“, betont er mehrfach, und er sei froh, dass die Freundschaft bis heute bestehe. Deshalb sei der Vorwurf, er habe 2008 als niedersächsischer Ministerpräsident bei einem Oktoberfestwochenende in München von dem mitangeklagten Filmfinancier einen persönlichen Vorteil angenommen, für den er sich später revanchierte, „empörend und absurd“. Das Gegenteil sei – so Wulff weiter – der Fall. Im Laufe seines politischen Lebens habe er Berufliches und Privates stets streng getrennt. Von den von Groenewold übernommenen Kosten für Hotel, Babysitterin und Bewirtung in München – konkret geht es um eine Summe von rund 720 Euro – habe er nichts gewusst. Wohl aber, dass Groenewold Freunden gegenüber schon immer ein überaus großzügiges Naturell gehabt habe.

Wulff will an diesem Tag aber mehr als bloß seine Unschuld beteuern. Die wohl überlegten Worte wirken wie ein Rundumschlag. Die mehr als 14 Monate andauernden Ermittlungen, die jegliche Intimität, seine Privatsphäre und die seiner Familie ausgehebelt hätten, seien eine schwere Belastung gewesen. Durch die Razzia in Großburgwedel sei sein inzwischen verkauftes Haus entweiht worden, sagt der 54-Jährige. Bei diesem Punkt blickt er Oberstaatsanwalt Clemens Eimterbäumer an. Es sei empörend, dass immer wieder vertrauliche Ermittlungsdetails sinnverzerrt in den Medien aufgetaucht seien. „Die persönlichen Schäden, die meine Familie und ich erlitten haben, werden bleiben. Wahrscheinlich ein Leben lang“, sagt Wulff.

Unterbrochen wird er in seiner Rede nicht. Weder der Vorsitzende Richter Frank Rosenow noch ein anderer Prozessbeteiligter fällt dem 54-Jährigen ins Wort. Einige Beobachter sehen darin einen gewissen verbliebenen Respekt gegenüber dem Mann, der aus eigener Sicht wegen der peniblen Ermittlungen sowie tendenziöser Medienberichte kein Privatleben mehr hat. Auch auf die viel diskutierte Frage, warum er das öffentliche Verfahren nicht durch Geldzahlung umging, gibt Wulff eine Antwort: Es dürfe nicht sein, dass jemand, der sich nichts zuschulden kommen lassen habe, eine Geldsumme zahle, nur um seine Ruhe zu haben. Nach Abschluss der Ermittlungen hatte die Staatsanwaltschaft Wulff angeboten, das Verfahren gegen 20 000 Euro Geldauflage einzustellen. Hinzu komme, dass er ohne einen echten Freispruch ohnehin nie wieder zur Ruhe kommen könne, betont Wulff. „Es darf bei einem Freispruch nichts hängen bleiben“, fordert sein Anwalt Michael Nagel.

Bis es zum Urteil kommt, dürfte es noch einige Monate dauern. Das Gericht hat 21 weitere Verhandlungstage bis Anfang April 2014 angesetzt. Selbst ein Freispruch dürfte Wulff letztlich kaum dabei helfen, seinen angeschlagenen Ruf wiederherzustellen.

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