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Bundestagswahl 2013 : Die Macht der Meinungsforscher

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Umfragen in der Woche vor dem Wahlsonntag heizen Kampf um Stimmen an. Und das ZDF bricht mit einer Tradition.

shz.de von
erstellt am 20.Sep.2013 | 00:31 Uhr

In zweieinhalb Tagen flimmern über die Bildschirme in Millionen Wohnzimmern und Gaststätten die Tabellen mit den Hochrechnungen zur Bundestagswahl. Wahlkämpfer und Beobachter landauf, landab fiebern mit wachsender Anspannung der Zeit nach 18 Uhr am Sonntag entgegen. Dann haben sie es nicht mehr mit Umfragen, sondern mit Ergebnissen zu tun. Eines zeichnet sich jetzt schon ab: Mit dem Verlust einer Umfragemehrheit von Schwarz-Gelb in den jüngsten Erhebungen, mit Aufwind für die eurokritische AfD und einem Umfrageabsturz der Grünen könnte es komplizierte Verhältnisse geben.

Last-Minute-Umfragen heizen den Wahlkampf bis zum Schluss an. Den Auftakt für den Umfrage-Schlussspurt machte gestern die „Bild“-Zeitung, für die das Erfurter Meinungsforschungsinstitut Insa-Consulere ermittelt. Die Alternative für Deutschland (AfD) könnte es laut Insa mit 5 Prozent ins Parlament schaffen, die FDP auch, dennoch würde es für Liberale und Union zusammen nicht für eine Regierungsmehrheit reichen. Eine große Koalition könnte näher rücken.

Die AfD im Parlament? Es könnte die Sensation des Abends werden – und ein Schock für viele. Denn die Euroskeptiker mit zahlreichen abtrünnigen Unionsleuten in ihren Reihen gelten vielen vom Mitte-Links-Spektrum als rechts und populistisch. Wer neigt der AfD zu? Insa-Chef Hermann Binkert sagt: „Die größte Gruppe derer, die angeben, AfD wählen zu wollen, sind mit 28 Prozent die Nichtwähler von 2009. Es wird entscheidend sein, ob die am Sonntag tatsächlich zur Wahl gehen.“

Die Demoskopen sorgen diesmal richtig für Aufregung. Bisher gab es bei ARD und ZDF in der letzten Woche vor dem Wahlsonntag keine Umfragen mehr – die Wähler sollten nicht beeinflusst werden. Doch jetzt ist das anders. Noch bis gestern Abend machte die Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF-„Politbarometer“ Befragungen – und präsentierte das Ergebnis anschließend im „Heute Journal“. Dieser Umfrage zufolge kommen Union und FDP zusammen auf 45,5 Prozent und liegen damit knapp vor der Opposition aus SPD, Grünen und Linken, die zusammen 44,5 Prozent erreichen. Die AfD liegt im „Politbarometer“ unverändert bei 4 Prozent.

Das Vorpreschen des ZDF dürfte die ARD künftig unter Druck setzen. Die „Bild am Sonntag“ will erstmals sogar noch am Wahltag eine aktuelle Umfrage bringen. Viele Wähler würden sich schließlich auch erst kurz vor der Stimmabgabe entscheiden.

Wie groß ist die Unsicherheit noch? Einige Trends haben sich in den vergangenen Wochen in den Umfragen verfestigt – dass es für Schwarz-Gelb höchstens sehr knapp reichen könnte, dass es für die SPD etwas Aufwind und für die Grünen reichlich Gegenwind gibt. Aber es gibt eine deutliche Fehlermarge. Um ein bis drei Prozentpunkte können die Demoskopen allein aus statistischen Gründen danebenliegen. Und dann gibt es Millionen Wahlberechtigte, die sagen, sie seien noch unentschlossen.

Wie entscheidend sind die letzten Meter? Feste Parteibindungen nehmen Forschern zufolge heute im Vergleich zur Zeit vor zwei oder drei Jahrzehnten weniger Raum ein. Da die Wahl mit dem nahenden Wahltag immer mehr ins Bewusstsein rückt, könnten die Debatten und Bilder der letzten Tage stärker wirken. Doch schon vergangenes Mal gaben 21,4 Prozent der Wähler per Briefwahl ihre Stimme ab. Die Grünen etwa hoffen darauf, dass viele ihrer Anhänger schon gewählt haben. Dann würde sich die Frage gar nicht erst stellen, ob die Attacken verfangen gegen Spitzenmann Jürgen Trittin wegen eines Kommunalwahlprogramms von 1981 mit einer pädophilen Forderung.

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