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Politik

21. Oktober 2017 | 01:59 Uhr

Die Lust am Fabulieren

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 15.Jan.2014 | 11:48 Uhr

Der alte Haudegen Franz Müntefering (73) hat der mäßig geliebten Parteifreundin A. Nahles aus der Ofenecke erläutert, warum die Rente mit 67 sinnvoller ist als der Ruhestand mit 63 Jahren. Über diese Diskussion kann das ehemalige SPD-Mitglied Günter Grass nur milde lächeln. Er will auch künftig für die Rente der jüngeren Generation tätig bleiben. Allerdings nicht mehr mit Romanen. Für die dicken Bücher habe er nicht mehr die erforderliche Energie, sagte der 86-Jährige.

Nun ist nicht auszuschließen, dass Grass die Lust am Fabulieren auch deshalb verloren hat, weil sein Lieblingsgegner Marcel Reich-Ranicki ausgefallen ist. Man kann aber auch davon ausgehen, dass nicht nur Dachdecker dem Alter Tribut erweisen müssen, sondern – wenngleich deutlich später – auch Literaten. Allerdings mit dem Unterschied, dass die einen mit Verständnis rechnen können, die anderen dagegen nicht oder zumindest deutlich weniger.

Unbegründet sind aber Befürchtungen, das Orakel aus Lübeck werde seine berühmte Olivetti-Schreibmaschine demnächst auf dem örtlichen Flohmarkt anbieten, beziehungsweise die Flasche mit der „letzten Tinte“ in den Ausguss entleeren. Denn anders als sein amerikanischer Kollege Philip Roth (80) will Grass ja nicht auf das Schreiben an sich verzichten. Das hätte gesundheitliche Folgen, so wie jeder Entzug. Der Kollege Max Frisch hat schon vor Jahren in seinen Tagebüchern festgestellt, dass Grass an der unheilbaren Sucht leide, sich zu jeglicher Aktualität äußern zu müssen.

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