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Nach der Flüchtlingskrise : Die „Königin der Matratzen“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In der Flüchtlingskrise hat das Land Tausende Betten und Möbelstücke gekauft – und versucht jetzt, die unbenutzten Sachen wieder loszuwerden.

Fürs Foto geht es einmal nach ganz oben. „Das wollte ich immer schon mal machen“, sagt Ann-Kathrin Krebs vom Landesamt für Ausländerangelegenheiten. Die 30-Jährige steht ganz oben auf einem Matratzenstapel in einer Halle auf dem Gelände der Landesunterkunft für Flüchtlinge in Boostedt bei Neumünster.

Eigentlich ist Krebs für die Beschaffung zuständig. Doch seit längerem ist sie vor allem bemüht, Sachen wieder loszuwerden, die das Land im Zuge der Flüchtlingswelle im Herbst 2015 und zu Beginn des Jahres 2016 angeschafft hat – vor allem Betten und Matratzen, die sich in Boostedt über 17 Hallen verteilen. „Dazu haben wir auch noch Material in Seeth untergebracht“, sagt Krebs.

Und das ist einiges. Als immer mehr Flüchtlinge nach Schleswig-Holstein kamen und der Platz eng wurde, kaufte die Besondere Aufbau-Organisation Flüchtlinge der Landespolizei rund 30.000 Doppelstockbetten für acht Millionen Euro, etwa 46.200 Matratzen für rund 3,1 Millionen, rund 10.000 Spinde für fast 1,4 Millionen, rund 20.000 Stühle für etwa 500.000 Euro und fast 10.000 Tische für rund 600.000 Euro – dazu mehrere Tausend Bettdecken, Kissen und Bettbezüge, Hygieneartikel und weitere Ausstattungsgegenstände.

Am Ende wusste keiner mehr so genau, wer was bestellt hatte. Noch immer ist das Landesamt dabei, alles genau zu inventarisieren und zu sortieren, um es verkaufen zu können. An einer Nebentür der großen Matratzenhalle steht, was dort an kleineren Artikeln lagert – etwa 910 Schrubber, drei Besen und eine Schneeschaufel. „Das kann natürlich auch in Behörden oder Landesbetrieben genutzt werden“, sagt Krebs.

Anders als bei den zu viel beschafften Containern, die das Land teilweise verschenkt, könnten die eingelagerten Möbel nicht durch die Witterung leiden – deshalb sei es nicht so dringlich sie loszuwerden, sagt Lars Ohse von Gebäudemanagement Schleswig-Holstein. Doch während er sich vor Anfragen wegen der Container nicht retten kann, war der Verkauf nur bei einem Bruchteil der Möbel erfolgreich – 100.000 Euro konnte das Landesamt dadurch erwirtschaften. „Wir geben nur größere Mengen ab – unter 70 Stück macht das gar keinen Sinn“, sagt Ann-Kathrin Krebs.

Die Gegenstände werden entweder über die Treuhandgesellschaft zur Verwertung von ausgemustertem Eigentum des Bundes und anderer öffentlicher Auftraggeber (Vebeg) versteigert oder direkt vom Landesamt an Interessenten verkauft. Der Preis regele sich durch Angebot und Nachfrage. „Jeder kann ein Maximalgebot abgeben – und wir haben natürlich auch einen Mindestpreis“, sagt Krebs.

Den kann jeder Interessierte erfragen. „Teuer sind wir jedenfalls nicht.“ Aber es brauche eben nicht jeder einfach mal 100 Matratzen auf einen Schlag. Bislang seien die Möbel vor allem an Feuerwehren, das Technische Hilfswerk oder Kommunen gegangen. In Ausnahmefällen hätten auch Privatleute zugeschlagen, die etwa Unterkünfte für Saisonarbeiter einrichten. Im Schnitt kämen ein bis zwei Interessenten in der Woche, um sich die Ware anzusehen – meist aus Schleswig-Holstein. „Abholen muss das jeder selber“, sagt Krebs, als sie in die nächste Lagerhalle geht.

Dort stehen noch immer 700 Doppelstockbetten, erst 150 hat das Land veräußern können – insgesamt lagern in Boostedt noch 6100 Stück. Auch 20.000 neue, originalverpackte Matratzen sind noch zu haben – ebenso wie etliche tausend Spinde. „Uns wäre aber schon geholfen, wenn wir die Betten und Matratzen loswerden können, denn die nehmen viel Platz weg“, sagt Krebs.

Ihr Ziel ist es, mindestens fünf Hallen bis Ende des Jahres zu räumen. Allerdings nicht um jeden Preis: „Wir verscherbeln die Sachen nicht.“ Dazu behalte das Land immer noch Möbel, falls in den noch in Betrieb befindlichen Flüchtlingsunterkünften etwas kaputt gehe – oder die Sachen gebraucht würden, falls wieder mehr Menschen nach Schleswig-Holstein flüchten sollten.

Ann-Kathrin Krebs hofft jedenfalls, dass die Sachen bald verkauft sind. Denn einmal die „Königin der Matratzen“ zu sein, ist vielleicht ganz schön – aber nichts für den Alltag.

>Wer ein Angebot für eine größeres Kontingent an Betten oder Matratzen abgeben möchte, kann eine E-Mail an diese Adresse schicken: reorganisation@lfa.landsh.de

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