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Die hohen Gehälter der Sparkassenchefs

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bis zu 531.000 Euro Jahresgehalt – jährliche Pensionszusagen von bis zu 273 000 Euro

Jetzt ist die Katze aus dem Sack. Der Sparkassen- und Giroverband Schleswig-Holstein hat erstmals Angaben über Gehälter und Pensionsansprüche der Sparkassenvorstände im Land veröffentlicht. „Wir setzen damit als erste die gesetzliche Auflage des Landtages um, für mehr Transparenz bei den Gehältern und Versorgungsbezügen unserer Topmanager zu sorgen“, sagte der Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes, Reinhard Boll, in Kiel.

Die jährlichen Grundgehälter reichen von 131.000 bis 393.000 Euro – je nach Größe der jeweiligen Sparkasse. Hinzu kommen erfolgsabhängige Leistungen zwischen 2800 und 117.000 Euro. Spitzenverdiener ist der Chef der Förde Sparkasse Kiel, Götz Bormann, der im vergangenen Jahr mit 531.000 Euro nach Hause ging. So auch der Chef der Nord-Ostsee Sparkasse, Thomas Menke, der ebenfalls die halbe Millionen Euro-Marke knackt. Selbst in zweiter Reihe wird gut verdient: Bormanns Stellvertreter kommt immerhin auf ein Jahresgehalt von 477.000 Euro.

Auch nach Erreichen der Altersgrenze müssen die Sparkassenchefs nicht darben: Ihre Pensionen betragen monatlich bis zu 23  000 Euro. Dafür haben die meisten Sparkassen millionenschwere Rückstellungen vorgenommen. Allein bei Götz Bormann beträgt der Barwert der Pensionsansprüche gut drei Millionen Euro.

Unter den 26 aufgelisteten Vorständen ist nur eine Frau – Heike Sievers von der Sparkasse Hohenwestedt. Sie verdient mit 134  000 Euro pro Jahr am wenigsten und hat keine feste Pension ausgehandelt.

Er könne verstehen, wenn manche die Höhe der Bezüge und Pensionen kritisierten, sagte Boll. „Aber im Kampf um die besten Köpfe können wir gar nicht anders als viel bezahlen, sonst laufen uns die Spitzenkräfte einfach davon.“ Das sei eine Frage des Marktes und nicht der Moral. Im Übrigen bewegten sich sämtliche Leistungen innerhalb der Bandbreite der Empfehlungen des Sparkassenverbandes. Die Gehälter der schleswig-holsteinischen Sparkassenvorstände seien „branchenüblich und marktgerecht“, bewegten sich jedoch im oberen Bereich der Verbandsempfehlungen.

Boll, der jährlich 358  600 Euro verdient, verwies auch auf die unternehmerische Verantwortung der Vorstände, die zum Teil mehr als 1000 Mitarbeiter beschäftigen und für eine Bilanzsumme von über fünf Milliarden Euro geradestehen. „Ich stehe hinter jeder Gehaltszahl in der Tabelle“, so sein Fazit.

Eine solche Veröffentlichung in Tabellenform mit den Namen und genauen Leistungen wurde „in Deutschland bisher nicht praktiziert“, sagte Boll. Zugleich kritisierte er, dass Volksbanken oder regionale Privatbanken ihre Vorstandsgehälter nicht preisgeben müssten. Das verhindere einen direkten Vergleich und sei für die Sparkassen im Norden von Nachteil, weil nicht jeder Manager es gut finde, wenn seine Bezüge veröffentlicht würden.

In den kommenden Monaten müssen auch Vorstände anderer öffentlicher Unternehmen ihre Bezüge offenlegen. So sieht es das 2015 verabschiedete Vergütungsoffenlegungsgesetz vor. Bericht  &  Standpunkt Seite 4

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erstellt am 17.Jun.2016 | 14:54 Uhr

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