Daphne Caruana Galizia : Die Furcht vor der Wahrheit – Malta ein Jahr nach dem Mord

Die Erinnerung ist hartnäckig: Auf Malta werden immer wieder Blumen und Bilder zum Gedenken der ermordeten Journalistin aufgestellt.
Die Erinnerung ist hartnäckig: Auf Malta werden immer wieder Blumen und Bilder zum Gedenken der ermordeten Journalistin aufgestellt.

Aufgeklärt ist aber auch nach einem Jahr nicht, wer die umstrittene Journalistin zum Schweigen bringen wollte.

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14. Oktober 2018, 19:37 Uhr

Malta | Auf Malta gibt es Einfacheres, als einer getöteten Journalistin zu gedenken. Immer wieder verschwinden die Kerzen, Blumen und Fotos, die im Herzen der Hauptstadt Valletta an den Mord an Daphne Caruana Galizia vor einem Jahr erinnern sollen. Dann stehen sie wieder für eine Zeit, bis sie wieder abgebaut werden. So geht das seit Monaten. Doch die Erinnerung ist hartnäckig.

Das Attentat ist immer noch nicht aufgeklärt, die Rufe nach Gerechtigkeit sind nicht verstummt. Die umstrittene Bloggerin, die den Inselstaat mit ihren Enthüllungen fortwährend in Aufruhr versetzte, wurde am 16. Oktober 2017 mit einer Bombe unter ihrem Autositz getötet.

Unschuldige auf der Anklagebank?

Aktivisten haben für Dienstag zu einem stillen Gedenken am Tatort aufgerufen. Die Bilder des völlig zerstörten Wagens auf dem Feld unweit des Hauses, in dem Caruana Galizia mit ihrem Mann wohnte, gingen um die Welt. Für den Mord müssen sich drei Angeklagte vor Gericht verantworten – obwohl keiner so recht glaubt, dass sie es waren, die Caruana Galizia zum Schweigen bringen wollten.

Auch ein Jahr später ist der Mord auf der Insel noch Gesprächsthema Nummer eins. Caruana Galizia schonte niemanden, weder den Ministerpräsidenten Joseph Muscat noch enge Kollegen. „Kritik ist ein essenzieller Teil des demokratischen Lebens. Wenn du damit nicht umgehen kannst, versuch es in Peking.“ Es sind Sätze wie diese, mit denen sich Caruana Galizia einen Namen machte.

Auszüge aus den Artikeln ihres Blogs „Running Commentary“, das Pflichtlektüre auf der Insel war, werden nahezu täglich auf dem Twitter-Account „Notes From Daphn e“ veröffentlicht.

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Für ihre Umtriebigkeit wurde Caruana Galizia geachtet und gehasst. „Viele sind gleichgültig, wenn nicht glücklich, dass Daphne nicht länger arbeiten kann“, sagt Manuel Delia. Er berichtet selbst auf seinem Blog über die Missstände auf Malta, ist aber der festen Überzeugung, dass dies niemand besser konnte als Caruana Galizia. „Die maltesische Regierung und ihre Unterstützer leugnen, dass im Hintergrund irgendetwas ziemlich schief läuft. Sie leugnen die Existenz von Korruption und sie verweigern sich, die Beweise dafür anzuerkennen.“

Wegen ihrer brisanten Recherchen vermutet Caruana Galizias Familie, dass die 52-Jährige aus politischen Motiven ermordet wurde. Caruana Galizia berichtete unter anderem über Korruption und Geldwäsche und bezichtigte auch Regierungsvertreter. Die Hinterbliebenen fordern seit Langem, dass die Rolle der maltesischen Regierung in dem Fall untersucht wird.

Polizist zog sich wegen Befangenheit aus Ermittlungen zurück

Eine Gruppe internationaler Journalisten, die sich als „Daphne Project“ zusammengeschlossen haben, hatte über Verbindungen des Wirtschaftsministers Chris Cardona zu einem der mutmaßlichen Mörder berichtet. Über Treffen, die vor und nach dem Mord stattgefunden haben sollen. Cardona weist die Anschuldigungen als „spekulativ“, „schädlich“ und „falsch“ zurück und erhebt schwere Vorwürfe gegen Journalisten. Es würden Fakten verdreht, damit diese in eine Erzählung passten, die sie „beharrlich versuchen durchzusetzen“. Caruana Galizia hatte auch Cardona im Visier. Sie hatte ihn beschuldigt, während eines Staatsbesuchs in Deutschland ein Bordell besucht zu haben.

Dass sich kürzlich ein hochrangiger Polizist wegen möglicher Befangenheit von den Ermittlungen zurückzog, ist für die Familie ein weiterer Beweis, dass ihr Recht auf eine faire und unparteiische Untersuchung des Falls verletzt wurde. Kein anderer Beamter irgendeiner Behörde sei zurückgetreten oder abgesetzt worden, kritisiert die Schwester der ermordeten Journalistin, Corinne Vella.

Jeder, über den Daphne je geschrieben habe, genieße weiterhin Straffreiheit für die Verbrechen, die sie an den Pranger gestellt habe. „Eine öffentliche Untersuchung wäre unparteiisch und vollständig unabhängig von staatlichen Institutionen“, sagt Vella. Es sei der einzige Weg, mit dem staatliche Versäumnisse oder Komplizenschaft ausgeschlossen werden könnten.

„Die Regierung hat wegen einer öffentlichen Untersuchung nichts zu befürchten, nur die Wahrheit.“ Doch offenbar ist die Furcht davor groß. Während Caruana Galizia und der in der Slowakei ermordete Journalist Ján Kuciak international gewürdigt und postum mit Preisen ausgezeichnet werden, behauptet manch einer, die Regierung in Valletta wolle den Mord am liebsten ganz aus dem öffentlichen Bewusstsein verbannen.

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