zur Navigation springen

Atommüll : Die Endlagersuche geht los - auch in SH

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Bund erlässt eine Veränderungssperre für alle potenziellen Standorte – Minister Habeck schließt nicht aus, dass es sein Land trifft

Noch gibt es nicht mehr als eine weiße Landkarte: In ganz Deutschland will der Bund nach dem bestgeeigneten Standort für ein zentrales Atommüll-Endlager suchen lassen – auch in Schleswig-Holstein. Nachdem die umstrittenen Pläne für Gorleben in Niedersachsen gescheitert sind, folgt nun der zweite Anlauf zur Klärung der heiklen Jahrtausendfrage. Bis 2021 will der Bund die in Frage kommenden Gebiete näher eingrenzen, bis 2031 den Standort finden. Doch tatsächlich geht die Suche schon jetzt los.

Die meisten grundsätzlich geeigneten Gebiete liegen in den niedersächsischen Salzstöcken und Tonstein-Schichten – jedenfalls haben das frühere Untersuchungen ergeben. Auch Baden-Württemberg hat demnach einige in Frage kommende Tonstein-Regionen, in Sachsen und Bayern taugen einige Granit-Formationen als Endlager. Und nicht zuletzt in Schleswig-Holstein gibt es potenzielle Standorte.

Am Montag hat die zuständige Aufsichtsbehörde, das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE), eine Vorsichtsmaßnahme verkündet, die bald erste Rückschlüsse auf die Eignung einer Region als Endlagerstätte möglich machen wird: Von Mitte August an genehmigen Bund und Länder keine Bohr- oder Bergbauprojekte ab 100 Meter Tiefe mehr, die schädliche Folgen für einen möglichen Bau eines nuklearen Endlagers an selber Stelle hätten. „Das wird öffentliche Diskussionen geben, ganz klar“, sagt BfE-Präsident Wolfram König. Denn zum ersten Mal werde überall sichtbar, dass das Atom-Endlager „nicht nur eine theoretische Betrachtung“ sei, sondern „ganz konkret“ werde.

Zwar betont König, dass mit einer Ablehnung oder Genehmigung „keine Vorfestlegung“ für die Eignung eines Standorts als Endlager verbunden sei. Es gehe nur um „ein faires Verfahren“. Dahinter steckt die Sorge, dass ohne die sogenannte „Veränderungssperre“ Städte oder Kreise in Regionen mit tauglichem Endlager-Wirtsgestein wie Salz, Ton oder Granit versucht sein könnten, durch Bohrungen etwa zur Nutzung von Erdwärme das ungeliebte Atommüll-Lager auf ihrem Gebiet unmöglich zu machen. Genau das will König verhindern. Doch sei das Verbot einer Bohrung noch lange kein Indiz dafür, dass der betreffende Ort als Endlager wirklich geeignet sei.

Der Umkehrschluss dagegen wird in vielen Fällen gelten: Wo gebohrt werden darf, ist ein Endlager oft unwahrscheinlich oder ausgeschlossen. Zwar erklärt das BfE auch dazu, dass eine Bohrerlaubnis nicht automatisch bedeute, dass ein Standort als Atommülldeponie nicht in Frage komme. So dürfe etwa durchaus an geeigneten Standorten tiefer als 100 Meter gebohrt werden – wenn das für die Endlagerstätte taugliche Gestein noch viel weiter darunter liege. Doch falls die Länder bei solchen Prüfungen feststellen, dass ein Ausschlusskriterium für ein Endlager vorliegt, kommen die ersten Sperrgebiete auf die weiße Landkarte. So ist das Endlager in bewegten Gesteinsschichten ebenso ausgeschlossen wie in Erdbeben-Gebieten oder in Gebirgsregionen mit jungem Grundwasser.

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe hat schon 1995 sechs Salzstöcke in SH auf eine Liste möglicher Endlagerstätten gesetzt – drei davon um Rendsburg herum sowie einer bei Sterup, einer bei Krempe und einer bei Siek. Mitte der 70er hatte die Wiederaufarbeitungsgesellschaft Kewag zudem Salzstöcke bei Heide, Oldenswort und Lütau ins Spiel gebracht. Und der Tüv Hannover kam sogar zu dem Schluss, dass der Salzstock bei Sterup noch besser als Gorleben zum Endlager tauge und schlug das 16 Kilometer entfernte Nieby auf der Geltinger Birk als Standort des Betriebsgeländes vor – direkt an einem der schönsten Naturschutzgebiete Deutschlands.

Die Grafik zeigt die möglichen Standorte in SH:

Endlager im Norden? Die Grafik zeigt Standorte, die laut früherer Studien möglich wären.

Endlager im Norden? Die Grafik zeigt Standorte, die laut früherer Studien möglich wären.

Foto: Greenpeace, BGR/sh:z-Grafik Can Yalim
 

Das würden Schleswig-Holsteins grüner Umweltminister Robert Habeck oder seine Nachfolger wohl verhindern. Allerdings schließt Habeck ein Endlager im Norden nicht aus: „Kein Bundesland darf sich wegducken“, sagt er. „Es ist die Aufgabe unserer politischen Generation, ein Endlager zu finden.“

zur Startseite

von
erstellt am 24.Jul.2017 | 19:56 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen