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Die eiserne Erna will nicht wie Merkel sein

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 11.Sep.2013 | 00:31 Uhr

Die Norweger hatten sich nach acht Jahren sozialdemokratisch geführter Regierung einen Wechsel gewünscht. Nun kommen in dem ölreichen Land voraussichtlich die Konservativen an die Macht, allerdings nur mit Unterstützung der Rechtspopulisten. Die Wahlsiegerin Erna Solberg hat nach der Niederlage der rot-rot-grünen Koalition des eigentlich beliebten Ministerpräsidenten Jens Stoltenberg das Mandat zur Regierungsbildung. Doch sie kann nur regieren, wenn sie Christen, Liberale und Rechtspopulisten unter einen Hut bringt.

Die rechtspopulistische Fortschrittspartei mit ihrer energischen Chefin Siv Jensen ist mit über 16 Prozent der Wählerstimmen stärker, als es der konservativen Solberg lieb sein kann. Zwar sind sich die beiden Parteien bei einigen Themen einig. Aber bei der Asylpolitik und der Verwendung der Öl-Milliarden liegen die Partei Høyre (rund 27 Prozent der Stimmen) und die neu erstarkte Fremskrittspartiet weit auseinander.

Um die Macht der Rechtspopulisten zu begrenzen, würde die künftige Ministerpräsidentin gern zwei andere bürgerliche Parteien mit im Boot haben: die Christliche Partei (5,6 Prozent) und die liberale Venstre (5,2). Auf diese Weise könne Solberg am ehesten die Zügel in der Hand behalten. Stärkste Kraft im Parlament bleiben Stoltenbergs Sozialdemokraten, die 30,8 Prozent der Stimmen holten.

„Erna Solberg ist eine ernste Frau, eine Politikerin mit viel Erfahrung, eine, die viel weiß“, meint der Politikwissenschaftler Johannes Bergh. Doch eine schillernde oder charismatische Persönlichkeit sei die 52-Jährige aus Bergen nicht. In ihrer politischen Karriere hatte Solberg deshalb auch weniger schmeichelhafte Spitznamen. Wegen ihrer harten Asylpolitik als Ministerin nannte man sie „Jern-Erna“, die eiserne Erna, in Anspielung auf Margaret Thatcher. Im Wahlkampf hatte sich Solberg bemüht, das Image der herzlosen Lady abzuschütteln und mitfühlender aufzutreten. Trotzdem konnte sie bis zuletzt Amtsinhaber Jens Stoltenberg an Beliebtheit nicht überholen.

Auch als eine Angela Merkel Norwegens wurde sie bezeichnet, was Solberg nicht als Kompliment versteht. „Ich halte Angela Merkel und Maggie Thatcher beide für große Frauen in der Politik“, sagte sie. „Ich denke, Merkel ist sehr gut darin, ihren Willen zu bekommen. Aber ich bin anders als die beiden.“

Erna Solberg wusste immer, was sie wollte. Ihre beiden Kinder zog ihr Mann fast alleine groß. Dem Sender NRK gestand der Familienvater, er habe viel geopfert. Aber Erna und er seien einig gewesen, dass sie politisch nach oben streben solle. Da scheint Solberg, die von 2001 bis 2005 schon Kommunal- und Regionalministerin war, bald angekommen.

Nach ihrem Umzug in die Residenz des Ministerpräsidenten in Oslo dürfte sie kaum mehr Zeit für ihre Kinder haben. Ihrem Hobby Computerspiele kann sie hingegen auch von der Rückbank des Dienstwagens frönen.

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