Die Einheitsbilanz – aus zwei Blickwinkeln

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shz.de von
21. November 2013, 00:31 Uhr

Aus Sicht eines „Wessis“ Der Osten holt auf und hat es bald geschafft: Diese Botschaft möchte die Bundesregierung gerne unters Volk bringen. Die These lässt sich an einigen Daten tatsächlich belegen. Doch im Endeffekt ist der Substanzverlust, den die neuen Länder in den vergangenen 23 Jahren erlitten haben, auch mit noch mehr Förderung nicht mehr kompensierbar.

Dem Westen steht dieser Weg in ähnlicher Form noch bevor. Denn auch hier werden in den kommenden Jahren die Dörfer schrumpfen und Regionen in der wirtschaftlichen Entwicklung zurückfallen. Wie sich dieser Wandel bewerkstelligen lässt, kann der Westen sich im Osten abschauen. Fest steht, dass der Einsatz für den Aufbau Ost im Westen inzwischen spürbar wird. Brücken sind marode, Straßen kaputt, die Infrastruktur verkommt. In vielen Regionen östlich der Elbe führen neue Autobahnen durch menschenleere Landschaften, während im Westen elementare Verbindungen nicht mehr funktionieren.

Es ist ja nicht gesagt, dass die Angleichung der Lebensverhältnisse gelingt, indem der Osten das Niveau des Westens erreicht. In zwanzig Jahren treffen sich die beiden Teile der Republik vermutlich irgendwo in der Mitte. Macht es da noch Sinn, Fördergelder im bisherigen Umfang in den Osten zu pumpen? Eher nicht: Es muss jetzt mit Blick auf das ganze Land umgesteuert werden. Das befreit die neuen Länder aus der Position der Bittsteller. Das sind sie nicht mehr, und das muss politisch neu bewertet werden.

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