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Leitartikel zum Parteitag in Essen : Die CDU bleibt ein Kanzlerwahlverein

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In konservativen Teilen der Union ist Angela Merkel nicht mehr sakrosankt – und muss sich fügen, meint Beate Tenfelde.

Essen | Dieser Parteitag wird kein Spaziergang für Angela Merkel. Die Christdemokraten haben es satt, zu Abnickern und Claqueuren degradiert zu werden. Die Regionalkonferenzen der letzten Monate haben den Verdruss über die Alleingänge der Chefin offenbart – stärker als der Parteivorsitzenden lieb sein kann: Merkel muss weg – dieser AfD-Spruch ist selbst in den Reihen der CDU auf fruchtbaren Boden gefallen.

Merkels Beliebtheit hat in den vergangenen Monaten stark eingebüßt. Es zeichnet sich allerdings kein ernstzunehmender Konkurrent innerhalb der CDU ab.  Neueste Umfragen sehen die CDU weiter als stärkste Kraft.

96,7 Prozent – dieses stolze Ergebnis fuhr Merkel bei der Vorstandswahl vor zwei Jahren ein. Die Zeit solcher Traumergebnisse dürfte vorbei sein. Aber weil bei der Union immer auch die Schwarmintelligenz und taktische Überlegungen dominieren, wird die Chefin am Ende mit einem akzeptablen Ergebnis davonkommen. Die CDU ist und bleibt ein Kanzlerwahlverein – davon wird Merkel profitieren. Es könnte gut sein, dass die Delegierten bei Stellvertreterwahlen ihr Mütchen kühlen – durch Abstrafung von Merkels treuer Unterstützerin Ursula von der Leyen oder des taktisch wenig versierten Innenministers Thomas de Maizière. Wenn der zu Widerworten neigende Nachwuchs-Politiker Jens Spahn ein starkes Ergebnis bekommt, weiß Merkel genau, wie der Hase läuft und wer wen jagt in der CDU.

Fakt ist: Recht und Ordnung wie in früheren Zeiten wiederherzustellen – das ist die Sehnsucht der Union. Auch deshalb findet das Papier von Hardliner Thomas Strobl, der die Abschiebepraxis weiter verschärfen will, breite Unterstützung. Merkel ist gezwungen, darauf einzugehen – schon wegen der CSU, die sonst neuen Ärger macht. Die Kanzlerin hat die Partei positioniert, so wie es der Werbeslogan „Die Mitte“ ausdrückt. In dieser Position sieht sie auch künftig den Erfolg ihrer Partei. Aber in konservativen Teilen der Union ist sie nicht mehr sakrosankt – und muss sich fügen.

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erstellt am 06.Dez.2016 | 06:30 Uhr

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