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Bordesholmer Dreieck bis Hamburg-Nordwest : Die A7: Deutschlands längste Baustelle

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die A7-Erweiterung ist voll im Zeitplan. Die Fertigstellung ist für Ende 2018 geplant. Die Zahl der Unfälle stieg an, aber es gab weniger Unfälle mit Verletzten.

shz.de von
erstellt am 18.Sep.2015 | 17:00 Uhr

Ein Jahr A7-Ausbau. Eine Baustelle der Superlative. Und Roland Koch erlebt sie hautnah mit. Nahezu täglich fährt er für das Kieler Shuttle-Unternehmen „KielExx“ Fahrgäste zum Hamburger Flughafen. „Drei Mal täglich, fünf Mal die Woche“, sagt der 62-Jährige. Hochgerechnet machen das für den Berufskraftfahrer aus Selent (Kreis Plön) jeden Tag 390 Baustellen-Kilometer. Trotzdem: Koch bleibt entspannt. „Die Betreibergesellschaft kann man nicht hoch genug loben. Es bewegt sich und die Arbeiten gehen täglich voran.“ Seine Tour jedenfalls hätte sich um nur fünf bis zehn Minuten verlängert.

Seit gestern muss sich der Shuttle-Fahrer an ein neues Bild gewöhnen. Das in Quickborn ansässige Betreiberkonsortium Via Solutions Nord (VSN) fährt schweres Geschütz auf. Zwei riesige Betonfertiger ebnen sich hintereinander kettengetrieben ihren Weg am Straßenrand und hinterlassen dabei eine neue Betondecke. „Das ist nach einem Jahr ein wichtiger Meilenstein für uns“, sagt Christian Merl, Kommunikations-Chef bei Via Solutions Nord.

Die Maschine rattert. Pro Arbeitsschicht werden aus rund 3500 Kubikmeter Beton 400 Meter neue Autobahn. Damit könnte man problemlos eineinhalb olympische Schwimmbecken füllen. „Wir liegen im Zeitplan“, sagt Merl. Ende 2018 soll die A7 nicht nur in neuem Glanz erstrahlen, sondern auch von vier auf sechs, im Bereich Hamburg sogar auf acht Spuren erweitert sein.

Das sind straffe Vorgaben für den 65 Kilometer langen Abschnitt zwischen dem Bordesholmer Dreieck bei Neumünster und dem Autobahndreieck Hamburg-Nordwest. Ganz Deutschland schaut auf die aktuell größte Autobahnbaustelle der Republik. Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte sie vor einem Jahr stolz strahlend zusammen mit seinem schleswig-holsteinischen Kollegen Reinhard Meyer (SPD) und Hamburgs Verkehrssenator Frank Horch (parteilos) persönlich eingeweiht. Schließlich gilt das gigantische Projekt als Paradebeispiel Öffentlich-privater Partnerschaften. Die beteiligten Unternehmen Hochtief PPP Solutions, der niederländische Pensionsfond Dutch Infrastructure Funds und das mittelständische Pinneberger Bauunternehmen Kemna Bau Andreae müssen sich beweisen.

Als sich vor wenigen Wochen innerhalb kürzester Zeit gleich zweimal die Fahrbahn auf Schleswig-Holsteins verkehrlicher Hauptschlagader absenkte, dürfte das in den Chef-Etagen für Wirbel gesorgt haben. Die Auswirkungen für den Gesamtverlauf halten sich laut VSN-Sprecher Merl aber in Grenzen: „Dieses Risiko gibt es bei Baustellen immer. So ist das mit der Geologie.“ Beide Pannen führten zwar zu knapp 30 Kilometer Stau. Die zwei Tage Verzögerung seien bis Ende 2018 aber locker wieder aufzuholen. Trotzdem sagt Christian Merl mit Blick auf den anstehenden Winter: „Wir planen, so lange durchzuarbeiten wie nur irgend möglich. Jeder Tag zählt.“

Shuttle-Fahrer Roland Koch berichtet noch von einem anderen Stau-Risiko. „Unfälle und Liegenbleiber – wenn die Spur erst einmal blockiert ist, geht nichts mehr“, sagt er. Ausdrücklich loben möchte Koch deshalb den Einsatz der Polizei. Die verzeichnete im ersten Jahr A7-Baustelle für die Monate Januar bis August 2015 deutlich mehr Unfälle als im Vorjahreszeitraum. Waren es 2014 noch 382, kam es in diesem Jahr zu 479 Unfällen. Die meisten ereigneten sich im Bauabschnitt 1 zwischen Bordesholm und Neumünster Mitte.

Doch während die Zahl leichter Unfälle stieg, gab es deutlich weniger Unfälle mit Personenschaden. Hier ging die Zahl nach Angaben der Landespolizei von 90 auf im vergangenen Jahr 64 zurück. Diese Entwicklung hänge mit den aktuell deutlich niedrigeren Fahrgeschwindigkeiten zusammen, erklärte Landespolizeisprecher Jürgen Börner: „Die Ursachen sind vielfach Unaufmerksamkeit kombiniert mit zu geringem Sicherheitsabstand.“

Staus habe es auch vor dem Ausbau der Strecke häufig gegeben, sagt Kraftfahrer Roland Koch: „Wir wollen alle später eine schicke Autobahn. Das müssen wir jetzt ertragen.“

Schwere der Unfälle:

  2014 2015
VU mit Personenschaden 90 64
VU ohne Personenschaden; aber Abschleppen des Fahrzeugs
43 37
VU nur mit Sachschaden, ohne Abschleppen 249 378*
Gesamtergebnis 382 479

* 303 VU  (im Vorjahr: 188 VU) sind Verkehrsunfälle, denen eine unbedeutende oder geringfügige Ordnungswidrigkeit zugrunde liegt, und daher nur als tatsächlicher Zähler mit Unfallzeit und -ort erfasst werden.

Aktuelle Informationen rund um den A7-Ausbau finden Sie hier.

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