Beratungen über Migrationsbericht : „Deutschland braucht Hunderttausende Einwanderer“

SPD-Fraktionschef Oppermann schlägt für die Steuerung der Zuwanderung in Deutschland ein Punktesystem vor. 2013 kamen so viele Zuwanderer nach Deutschland wie lange nicht. Das geht aus dem Migrationsbericht hervor.

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21. Januar 2015, 08:41 Uhr

Berlin | Die Zuwanderung nach Deutschland nimmt weiter zu. Aus dem am Mittwoch vorgestellten Migrationsbericht 2013 geht hervor, dass die Zahl der Einwanderer binnen eines Jahres deutlich gestiegen ist - von 1,08 Millionen 2012 auf 1,23 Millionen Menschen im Jahr 2013. Einen derart hohen Wert hatte es zuletzt 1993 gegeben.

Die Zahl der Fortzüge aus Deutschland kletterte im selben Zeitraum um zwölf Prozent auf 800.000, so dass es unterm Strich einen „Wanderungsgewinn“ von rund 430.000 Menschen gab. Bundesinnenminister Thomas De Maizière betonte jedoch, nur die Hälfte der Zuwanderer bleibe länger als ein Jahr in Deutschland. Nach der Kabinettssitzung stellte er den Bericht am Mittwoch öffentlich vor. Die Bundesregierung legt die Datensammlung jedes Jahr vor.

Drei Viertel der Zuwanderer stammten 2013 aus anderen europäischen Ländern - vor allem aus jungen EU-Staaten und zunehmend auch aus krisengeplagten Ländern der Europäischen Union. Hauptherkunftsländer waren Polen, Rumänien, Italien und Bulgarien, gefolgt von Ungarn, Spanien und Griechenland. Von den 80,6 Millionen Einwohnern in der Bundesrepublik hatten 2013 fast 16 Millionen Menschen ausländische Wurzeln. 66,9 Prozent von ihnen waren jünger als 45 Jahre.

Die Entwicklung setzte sich auch 2014 fort. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte, zogen im vergangenen Jahr mindestens 470.000 Menschen mehr nach Deutschland zu als weg. Dank der Zuwanderung stieg die Bevölkerungszahl im vierten Jahr in Folge: Nach einer Schätzung der Statistiker lebten Ende 2014 fast 81,1 Millionen Menschen in der Bundesrepublik.

Innerhalb der großen Koalition gibt es derzeit einige Diskussionen über das Thema Zuwanderung. CDU-Generalsekretär Peter Tauber hatte ein Einwanderungsgesetz ins Gespräch gebracht, was in der Union allerdings auf breite Ablehnung stößt. Die Sozialdemokraten wollen nun bis Ende Februar Vorschläge für ein Einwanderungsgesetz vorlegen und darüber mit CDU und CSU diskutieren.

„Wir müssen mit einem Einwanderungsgesetz eine berechenbare Chance für qualifizierte Leute schaffen, nach Deutschland einwandern zu können - nach Maßgabe von Sprachkenntnissen und beruflichen Fähigkeiten“, sagte SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann. Vielen sei das Ausmaß der demografischen Auswirkungen in den nächsten 20 Jahren überhaupt noch nicht bewusst. „Wir werden eine Lücke von 8,5 Millionen Erwerbstätigen haben. Wir brauchen in Zukunft Jahr für Jahr Hunderttausende Einwanderer.“ Wichtig sei dafür eine vernünftige Steuerung, zum Beispiel über ein Punktesystem.

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt forderte die Regierung auf, ein Konzept vorzulegen. „Sonst kommen die Menschen, die wir aufnehmen wollen, nicht zu uns, sondern gehen in attraktivere Länder“, warnte sie in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

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