Nach Entführung in Nigeria : Deutscher Lehrer aus Boko-Haram-Geiselhaft befreit

Die islamistische Terrororganisation hielt den Deutschen seit Juli in Afrika gefangen. Eine Spezialeinheit kam zu Hilfe.

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21. Januar 2015, 15:45 Uhr

Jaunde/Berlin | Die kamerunischen Streitkräfte haben einen seit rund sechs Monaten von der islamistischen Terrororganisation Boko Haram als Geisel gehaltenen Deutschen befreit. Der im vergangenen Juli in Nigeria entführte Mann sei beim Einsatz einer Spezialeinheit in Sicherheit gebracht worden, teilte Kameruns Staatschef Paul Biya am Mittwoch mit. Das Auswärtige Amt in Berlin bestätigte, dass der Deutsche inzwischen in Jaunde, der Hauptstadt des westafrikanischen Landes, in Sicherheit ist.

Die Terrorgruppe mit Kontakten zu nordafrikanischen Al-Kaida-Ablegern führt im muslimisch geprägten Norden Nigerias seit fünf Jahren einen Krieg für einen islamischen Staat. Boko Haram heißt so viel wie: „Westliche Bildung ist Sünde“. Bei Angriffen und Anschlägen auf Schulen, Kirchen, Märkte, Polizeistationen und Lokale wurden tausende Menschen getötet.

„Ich wusste nicht, ob ich überleben würde“, sagte der Deutsche nach der Ankunft in einer Militärmaschine am Flughafen Jaunde. „Es war komplett dunkel, wo ich gefangengehalten wurde“, sagte der sichtlich ausgemergelt und erschöpft wirkende Mann. Niemand habe mit ihm kommuniziert. Er habe während der Gefangenschaft 50 Kilo verloren. „Unter diesen Bedingungen kann man nicht wissen, ob man überleben wird.“  

Strenge Sicherheitsvorkehrungen am Flughafen ließen es nicht zu, Details über seine Befreiung zu erfahren. Auch die kamerunischen Behörden gaben keine Einzelheiten preis - noch nicht einmal, ob er im Nachbarland Nigeria oder in Kamerun befreit wurde.

Offenbar handelt es sich um einen deutscher Lehrer, der im Juli im Nordosten Nigerias von Boko Haram verschleppt worden war. Der Deutsche leitete in Gombe im Bundesstaat Adamawa ein Berufsbildungszentrum. Nach der Entführung hatte der Anführer der Terrorgruppe, Abubakar Shekau, in einer Videobotschaft gedroht, den Deutschen zu töten.

Der deutsche Botschafter in Kamerun, Klaus-Ludwig Keferstein, sagte, der Mann werde medizinisch untersucht, bevor er nach Deutschland zurückgeflogen werden könne. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts sagte auf die Frage nach dem Gesundheitszustand des Deutschen: „Ich vermute, dass es dem Mann den Umständen entsprechend gut geht.“

Kameruns Staatschef Biya begrüßte das „Happy End“ und dankte allen, die zur Befreiung beigetragen hatten, insbesondere auch der deutschen Bundesregierung.

Kamerun erreichte bereits in der Vergangenheit die Befreiung ausländischer Geiseln. Im Oktober kamen nach Bemühungen Kameruns zehn seit Mai verschleppte Chinesen frei. Im Oktober hatten Bewaffnete in Nigeria einen deutschen Mitarbeiter der Baufirma Julius Berger entführt. Dieser kam nach rund einer Woche wieder frei. Ob ein Lösegeld gezahlt worden war, blieb unklar. Ein weiterer Deutscher, der für einen Subunternehmer von Berger arbeitete, wurde bei der Entführung jedoch erschossen.

Trotz der Sicherheitsrisiken vor allem im Norden des Landes bleibt das ölreiche Nigeria als größte Volkswirtschaft des Kontinents für deutsche Unternehmen interessant.

Für weltweites Entsetzen sorgte im April 2014 die Entführung von mehr als 200 Schülerinnen aus dem Dorf Chibok. Selbst Prominente wie Amerikas First Lady Michelle Obama, die Schauspielerin Angelina Jolie oder Schwedens Prinzessin Madeleine beteiligten sich an der internationalen Kampagne „Bring Back Our Girls“ (Bringt unsere Mädchen zurück).

#bringbackourgirls: Auch Michelle Obama forderte von den Entführern, die Mädchen wieder freizulassen. Das Foto wurde auf Twitter geteilt.
Foto: Screenshot / www.twitter.com/flotus
Auch Michelle Obama fordert von den Entführern, die Mädchen wieder freizulassen.
 

Fast acht Monate später scheint die Initiative in Vergessenheit geraten zu seinBoko Haram kündigte an, die Mädchen versklaven zu wollen. Zudem wollen die Islamisten mit ihnen die Freilassung gefangener Terroristen erpressen. Trotz aller internationalen Bemühungen konnten die Mädchen bisher nicht aufgespürt werden.

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