zur Navigation springen

Konflikte : Deutscher Geisel in Syrien gelingt Flucht nach 111 Tagen

vom

Nach 111 Tagen Geiselhaft in Syrien hat sich ein deutscher Ingenieur selbst aus den Händen islamistischer Kämpfer befreit. Der 72-Jährige ist Mitarbeiter der Hilfsorganisation Grünhelme.

shz.de von
erstellt am 04.Sep.2013 | 13:17 Uhr

Der Ingenieur konnte nach Angaben von Grünhelme-Gründer Rupert Neudeck ohne Hilfe von Außen flüchten. Das Auswärtige Amt bestätigte die Freilassung, ohne jedoch Details zu nennen

Neudeck sagte, er habe selbst mit dem Ingenieur sprechen können, der ihn um einen Pass, Geld und ein Flugticket gebeten habe. Der Mann habe mit einem Wasserhahn eine Aluminiumtür seines Verlieses aufgebrechen können, während seine Bewacher schliefen, sagte der Grünhelme-Gründer in Troisdorf der dpa und bestätigte damit einen Bericht des «Kölner Stadt-Anzeigers». In einem mehrstündigen Fußmarsch sei er in eine Kleinstadt an der türkischen Grenze gelangt, wo ihn örtliche Rebellen unter ihren Schutz nahmen und über die Grenze in die Südtürkei brachten, schreibt die Zeitung.

Der syrischstämmige Ingenieur und seine zwei deutschen Kollegen waren nach Aussagen Neudecks nachts aus ihrem Haus im Ort Harem verschleppt worden, wo sie eine Klinik aufbauen wollten. Den beiden anderen Deutschen war bereits Anfang Juli die Flucht gelungen. Daraufhin wurde die verbliebene Geisel in ein Lager in den Bergen gebracht, so das Blatt. Zuletzt waren für den Mann 25 Millionen Euro Lösegeld gefordert worden. Es folgten monatelange Verhandlungen.

«Wir waren unglaublich erleichtert», sagte Neudeck. Der Alptraum habe nun ein Ende. Erleichtert zeigte sich Neudeck außerdem, dass kein Lösegeld geflossen sei. Nach einem Telefongespräch mit dem Mann gehe er davon aus, dass es ihm, gemessen an den Strapazen, gut gehe. «Seine Stimme klang stabil».

Mit der Zahl der Milizen im Bürgerkrieg in Syrien steigt auch für Unbeteiligte das Risiko, entführt zu werden. Opfer von Geiselnahmen wurden neben Helfern unter anderem auch schon auf dem Golan stationierte UN-Blauhelme sowie christliche Geistliche.

Im Kampf gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad liefern sich Dschihadisten zudem auch Machtkämpfe mit anderen Rebellen. Zu den aggressivsten gehört dabei die der Terrororganisation Al-Kaida nahestehende Gruppe «Islamischer Staat im Irak und in Syrien» (Isis). Nach Erkenntnissen syrischer Oppositioneller und westlicher Geheimdienste tummeln sich zudem zahlreiche selbst ernannte Gotteskrieger aus westlichen Ländern und auch Russland in dem umkämpften Land.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen