Trumps ehemaliger Chefstratege : Der tiefe Fall des Steve Bannon

Bannon hatte Breitbart 2016 schon einmal verlassen – damals um für Trumps Wahlkampfteam zu arbeiten.
Bannon hatte Breitbart 2016 schon einmal verlassen – damals um für Trumps Wahlkampfteam zu arbeiten.

Vom Puppenspieler im Weißen Haus zur Persona non grata – Steve Bannon fällt in die Ungnade des Präsidenten.

shz.de von
10. Januar 2018, 17:41 Uhr

Washington | Das demütigende Ende des von „Time“-Magzin zum „zweitmächtigsten Mann der Welt“ gehypten Vordenkers des Trumpismus kam in drei knappen Absätzen. Sein bisheriges Sprachrohr „Breitbart“ teilte darin mit, Bannon und Breitbart-CEO Larry Solov arbeiteten an einem „reibungslosen und geordneten Übergang“.

Dem Vernehmen nach hatte Bannons Sponsorin und Anteilseignern an Breitbart, Rebekah Mercer, den Stecker gezogen, um den Status der Webseite als Plattform des „Trumpismus“ zu schützen. Dahinter stecke kein ideologisches Zerwürfnis, sondern ein persönliches zwischen Bannon und Trump, das in kurzer Zeit nicht repariert werden könne.

Niedergang war abzusehen

Das Aus des ehemaligen Chefstrategen Trumps zeichnete sich in den vergangenen Tagen bereits sichtbar ab. Am Fuße der Treppe, die zu den Gemächern Bannons in der „Breitbart Embassy“ auf dem Kapitolhügel führt, baumelte ein Absperrseil. Daran hing ein knallrotes Schild mit der Aufschrift „STOP“. Besucher des Chefs der Agitprop-Seite mögen sich bitte erst einmal unten anmelden.

Auf der oberen Etage des Backsteinhauses brütete der wegen seiner Illoyalität zu Trump in Ungnade gefallene Polit-Provokateur über seine eigene Zukunft nach. Gegenüber Vertrauten verglich Bannon seinen tiefen Sturz in der ihm eigenen Hybris mit dem Thomas Cromwells am Hofe Heinrich des VIII.

Seinen Rückzug aus dem Weißen Haus im August hatte er noch als Befreiung von den Rücksichtsnahmen seines früheren Jobs verkauft. Nun konnte er als Säuberungs-Kommissar die als Trump-Blockierer denunzierten Kongressführer Mitch McConnell und Paul Ryan ins Visier nehmen.

Der ehemalige Navy-Offizier Bannon unterstützte dafür bei den Senatswahlen in Alabama den umstrittenen Fundi-Kandidaten Roy Moore und erlitt Schiffsbruch. Erstmals seit vier Jahrzehnten verloren die Republikaner in ihrer Hochburg des Südens einen Senatssitz an die Demokraten.

Die Fehlkalkulation Bannons freute McConnell und stieß dem Präsidenten übel auf. Dass der rechte Revoluzzer, dessen Markenzeichen zwei übereinander getragene Hemden unter olivgrüner Tarnjacke, Dreitage-Bart und Zottel-Haare sind, sich dann als eine der Hauptquellen von Michael Wolffs „Fire and Fury“ entpuppte, brachte das Faß endgültig zum Überlaufen.

Bannon ging gegen Trumps Familie vor

Bannon, so Verbündete und ehemalige Kollegen im Weißen Haus, überschritt in seinem Übermut Grenzen, die er nicht hätte überschreiten dürfen. Allen voran mit seinen Angriffen auf Donald Trump Junior, dessen Treffen mit russischen Emissären im Trump Tower während des Wahlkampfes er in dem Buch als „möglichen Verrat“ bezeichnet hatte.

Bannon charakterisierte Ivanka und Jared Kushner als Leichtgewichte und ging so weit, die Lieblingstochter des Präsidenten als „dumm wie ein Backstein“ zu bezeichnen. Völlig außer sich war Trump auch über die ständigen Anspielungen in dem Buch, selber nicht viel mehr als ein nützlicher Idiot Bannons zu sein, der in Gefahr stehe, „den Verstand zu verlieren“.

Als das Buch auf den Markt kam, brach Trump öffentlich mit seinem früheren Intimus. „Steve Bannon hat nichts mit mir oder meiner Präsidentschaft zu tun“, ließ der Präsident offiziell über das Pressebüro des Weißen Hauses erklären. In Tweets denunzierte er seinen einstigen Chefstrategen wegen seines Auftretens als „Sloppy Steve“ (dt. Schlampigen Steve).

Ultimatum Trumps: Er oder ich

Der rasende Präsident stellte seine Gefolgsleute vor die Wahl: er oder ich. Einer nach dem anderen entschied sich für Trump.  Bannons ehemals engstem Verbündeten im Weißen Haus, Stephen Miller, fiel die Aufgabe zu, seinen Kompagnon auf CNN politisch hinzurichten. „Er weiß, dass er an seinem tiefsten Punkt angekommen ist“, beschreibt ein Verbündeter den Gemütszustand Bannons. „Er gibt das nicht zu, weiß es aber.“

Der Druck mündete am Sonntag in einem seltenen Kotau des notorisch dickköpfigen Bannons. Er habe nicht Don Jr. des Verrats beschuldigen wollen, sondern den ehemaligen Wahlkampfmanager Paul Manafort, verlautbarte er in einer schriftlichen Erklärung. Dieser habe „die Erfahrung und das Wissen gehabt, wie die Russen operieren“. Er bleibe ein enger Verbündeter Trumps und „den Bemühungen des Präsidenten, Amerika wieder großartig zu machen“.

Bannons Kalkül hinter der Entschuldigung: Eine Rückkehr in den Dunstkreis des Präsidenten. Es wäre nicht das erste Mal, das Trump einen erst öffentlich Verstoßenen wieder an Bord holt. Zumal der Präsident jenseits des illustren Vordenkers niemanden hat, der halbwegs schlüssig erklären könnte, welche Ziele er im Weißen Haus eigentlich verfolgt.

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