Trump hat wenig Lust auf das Treffen : Der „Stunk-Gipfel“ – Spannungen vor Treffen der G7 in Kanada

So könnte es in Kanada wieder aussehen: Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Donald Trump beim G7-Gipfel in Italien ohne Blickkontakt.
So könnte es in Kanada wieder aussehen: Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Donald Trump beim G7-Gipfel in Italien ohne Blickkontakt.

Strafzölle, Klimaschutz, Iran – in Kanada könnte es zum Krach zwischen den größten Industrienationen der Welt kommen.

<p>„Die schlimmsten Befürchtungen haben sich bestätigt', sagt US-Korrespondent Thomas Spang über Donald Trump.</p> von
07. Juni 2018, 21:37 Uhr

La Malbaie | Von wegen ländliche Idylle in Kanada. Das kleine Örtchen in der französisch-sprachigen Provinz Quebec stellt sich auf massive Auseinandersetzungen ein. Nicht mit gewalttätigen Demonstranten des schwarzen Blocks, sondern unter den Teilnehmer des Gipfeltreffens. Die wichtigsten sieben Industrienationen, die seit Gründung der G-7 während der Ölkrise Jahr für Jahr den Schulterschluss suchten, stehen vor einer Zäsur.

Grund sind die Alleingänge des amerikanischen Präsidenten, der seinen Verbündeten zuerst beim Ausstieg aus dem Klimaabkommen, dann mit der Aufkündigung des Atomvertrags mit Iran und zuletzt der Verhängung von Zöllen auf Stahl und Aluminium aus Gründen der „nationalen Sicherheit“ vor den Kopf gestoßen hatte.

Vergeltungsmaßnahmen für Strafzölle

Bundeskanzlerin Angela Merkel machte am Mittwoch deutlich, dass sie einen tiefen Dissens im Verhältnis zu den USA erwartet. Die Unterzeichnung eines gemeinsamen Kommuniqués zum Abschluss des zweitägigen Gipfels an diesem Freitag und Samstag steht erstmals in Frage.

Kurz vor dem Gipfel kündigten Mexiko, Kanada und die EU schmerzhafte Vergeltungsmaßnahmen für die Strafzölle der USA an. In diesem Zusammenhang redeten der französische Präsident Emanuel Macron und der kanadische Ministerpräsident Justin Trudeau in hitzigen Telefonaten Klartext mit Trump. 

Als Trudeau den Präsidenten fragte, wie es denn sein könnte, dass Kanada die nationale Sicherheit der USA gefährde, konterte Trump mit dem Hinweis auf den Krieg von 1812. „Wart ihr es nicht, die das Weiße Haus niedergebrannt haben“, soll Trump laut CNN geantwortet haben. Der Präsident lag daneben. Tatsächlich waren es nicht die Kanadier, sondern die Briten.

Unnötige Ablenkung

Trump seinerseits gab gegenüber Mitarbeitern seine Unlust zu erkennen, sich in Quebec einer geschlossenen Front gegenüber zu sehen. Trump betrachte dies als unnötige Ablenkung von seinem Gipfeltreffen mit Kim Jong-Un, berichtet die Washington Post. Bisher sieht der offizielle Reiseplan die Weiterreise am Samstag von Kanada nach Singapur vor.

In einer Vorschau auf die erwarteten Kontroversen stellte Wirtschaftsberater Larry Kudlow die regelbasierte Handelsordnung in Frage. „Multilaterale internationale Organisationen werden die amerikanische Politik nicht bestimmen“. Trump fühle sich nationale Interessen gebunden, nicht einer ineffizienten Organisation wie der WTO. „Das Welthandelssystem ist kaputt“.

Der Chef der „Eurasia Group“ Ian Bremmer fürchtet, dies könnte auch das Fazit nach dem G7-Gipfel sein. „Die alte Ordnung gibt es nicht mehr“, sagt der Transatlantiker. „Wir ringen jetzt darum, was daraus hervorgeht und ob die USA den wichtigsten Platz am Tisch behalten wollen. Im Moment lautet die Antwort: Nein“.

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