Der Preis der Selbstbestimmung

Die EU darf die griechische Trotzigkeit nicht durchgehen lassen

shz.de von
30. Januar 2015, 12:09 Uhr

Die Portugiesen sind ein duldsames Volk. Sie ertrugen die Auflagen der Troika, auch wenn die Arbeitslosigkeit in die Höhe schoss und die Menschen darüber verzweifelten, wie sie ihr täglich Brot organisieren sollten. Heute kann man sagen: Portugal hat es noch nicht geschafft, ist aber auf einem guten Weg. Die Wirtschaft wächst wieder, die Beschäftigungsrate steigt, die Troika muss nicht mehr wie ein fremder Aufsichtsrat über die Staatsfinanzen wachen. Private Geldgeber haben wieder Vertrauen in die portugiesischen Staatsanleihen, das Land kann sich selbst refinanzieren. Der Albtraum der Fremdbestimmung ist abgeschüttelt, auch wenn es heftige soziale Verwerfungen gegeben hat.

Das ist aber der Preis einer weltweiten Finanzwirtschaft. Man kann das beklagen, weil es oft die Ärmsten trifft, aber anders sind unter den Regularien einer globalen Wirtschaftsordnung Selbstbestimmung und Handlungsfreiheit nicht zurückzugewinnen. Soweit zu Portugal. Man könnte noch Irland oder Zypern anführen, wo es ähnlich verlief. Oder die baltischen Staaten, die als erste sich einem radikalen Reformkurs verschrieben, bevor das Schreckgespenst eines Staatsbankrotts überhaupt aufkam.

Nicht so die neue griechische Regierung. Sie verweigert sich dem Mechanismus der globalen Finanzwirtschaft, von der sie unvernünftigerweise jahrelang Geld annahm, das ihre eigene Wertschöpfung nicht rechtfertigte. Sie verhält sich, grob vereinfacht, wie ein Häuslebauer, der sich übernommen hat und nun seiner finanzierenden Bank sagt: Aus dem Haus gehe ich nicht raus. Seht zu, wie ihr mit den Schulden verfahrt.

Nun gilt jedem Griechen, der unverschuldet in Not geraten ist, unser Mitgefühl. Es kann aber nicht sein, dass ein Mitgliedsland der EU sich auf eine ägäische Insel zurückzieht und sagt, die jahrelang akzeptierten Mechanismen der Finanzwirtschaft würden auf einmal nicht mehr gelten. Es hat etwas Kindisches, sich auf eine Schaukel zu setzen und die Newtonschen Fallgesetze zu ignorieren.

Die EU kann das nicht durchgehen lassen. Bevor aber Überheblichkeit einsetzt: Wir Deutschen sollten uns an die eigene Nase fassen, denn auch wir haben über unsere Verhältnisse gelebt. Wir müssen nur bislang noch nicht büßen.

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