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Der Fluch ungewollter Gaben

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 11.Jan.2014 | 00:31 Uhr

Der Umgang mit Geschenken verlangt Fingerspitzengefühl. Was soll man auch sagen, wenn die Erbtante stolz das selbst gemalte Stillleben im Goldrahmen überreicht? Wunderbar, erhält einen Ehrenplatz. Dort muss das Kunstwerk beim nächsten Besuch dann aber auch tatsächlich hängen. Allerdings nur solange, bis die Künstlerin sich wieder verabschiedet hat. So einfach ist es mit der Heuchelei nicht immer. Das erfahren gerade die Stadtväter von Wuppertal. Dort wurde 1820 ein gewisser Friedrich Engels geboren, der mit seinem Geld dafür sorgte, dass sein guter Freund Karl Marx seine revolutionäre Philosophie vom Sieg des Proletariats publizieren konnte. Bisher hat sich diese Voraussage nicht erfüllt, was einige Staatslenker nicht hindert, der Utopie weiter nachzujagen. Für Chinas Führung ist Engels nach wie vor ein Heilsbringer, und um ihn zu ehren, schenkte sie seiner Geburtsstadt ein Denkmal. Vier Meter hoch. Bald soll es aufgestellt werden. Wie zu hören ist, ohne Begeisterung – eben wie beim Bild von der Tante.

In einer ähnlichen Zwangslage befindet sich Kiel. Dort will ein skurriler Verein ein kitschiges Denkmal des russischen Zaren Peter III. aufstellen, der 1728 im örtlichen Schloss geboren wurde. Im Rathaus hat bisher keiner den Mut zu sagen: Was soll denn dieser Unsinn? Da haben die Kieler Revolutionäre 1918 den Kaiser verjagt, und nun soll in Sichtweite ihres Denkmals ein neuer zwielichtiger Herrscher geehrt werden.

Was wohl demnächst in Bronze gegossen als Geschenk anreist?

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