Kinderporno-Affäre : Der Fall Edathy: Reaktionen auf den 5000-Euro-Freischein

Sebastian Edathy begrüßte die Entscheidung des Gerichts.
Sebastian Edathy begrüßte die Entscheidung des Gerichts.

Der Prozess gegen Sebastian Edathy endet spektakulär: 5000 Euro muss der ehemalige Abgeordnete zahlen. Die Menschen im Netz sind empört.

shz.de von
02. März 2015, 14:25 Uhr

Verden | Der Prozess gegen Sebastian Edathy wegen des Besitzes von kinderpornografischen Inhalten ist kaum vorbei, da bestreitet der ehemalige SPD-Abgeordnete auch schon, seine Erklärung im Gericht sei ein Geständnis gewesen. „Ich begrüße die Einstellung des Verfahrens durch das Landgericht Verden. Eine Fortsetzung wäre unverhältnismäßig gewesen. - Ich weise darauf hin, dass ein ,Geständnis‘ ausweislich meiner heutigen Erklärung nicht vorliegt.“ Die Staatsanwaltschaft sei mit dem Wortlaut der Erklärung einverstanden gewesen. Eine Schuldfeststellung sei damit ausdrücklich nicht getroffen worden, so der 45-Jährige.

Die Staatsanwaltschaft warf Edathy vor, im November 2013 über das Internet kinderpornografische Videos und Bilder mit nackten Jungen unter 14 Jahren heruntergeladen zu haben. Edathy hat dies immer bestritten und lediglich eingeräumt, legale Bilder besessen zu haben. Die Ermittler waren auf den 45-Jährigen aufmerksam geworden, weil sein Name auf der Kundenliste einer kanadischen Firma aufgetaucht war, die auch Kinder- und Jugendpornos vertrieben haben soll. Die Strafkammer verkündete am Montag am zweiten Prozesstag die Einstellung des Prozesses gegen eine Geldauflage von 5000 Euro. Edathys Schuldeingeständnis war Voraussetzung für die Einstellung des Verfahrens.

Edathy hatte am Montagvormittag eine Erklärung seines Anwalts Christian Noll verlesen lassen. In dieser räumte der ehemalige SPD-Abgeordnete ein, kinderpornografische Fotos aus dem Internet heruntergeladen zu haben. „Die Vorwürfe treffen zu. Ich habe die Gegenstände in meinem Besitz gehabt“, sagte Noll im Namen von Edathy. „Ich habe lange gebraucht, um diesen Fehler einzugestehen. Ich bereue, was ich getan habe“.

Gegenüber ndr.de widersprach Gerichtssprecherin Katharina Krützfeldt der Darstellung Edathys auf Facebook. Er habe eine geständige Einlassung abgegeben, sagt Krützfeldt. Daher sei es völlig irrelevant, was er auf Facebook schreibe. „Entscheidend ist einzig und allein, was im Gerichtssaal gesagt wurde.“

Auf Twitter reagieren viele Nutzer mit Unverständnis über die deutsche Rechtsprechung:

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p>mit <a href="https://twitter.com/hashtag/Edathy?src=hash">#Edathy</a> zeigte uns Justizia wieder einmal, wie in Deutschland &quot;Recht und Gesetz&quot; für Günstlinge aus der Politik gebeugt wird.</p>&mdash; stasikasper (@stasikasper) <a href="https://twitter.com/stasikasper/status/572369526437879809">2. März 2015</a></blockquote></center>

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p>Eingestellt!!!!&#10;Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich kotzen möchte.&#10;<a href="https://twitter.com/hashtag/Edathy?src=hash">#Edathy</a></p>&mdash; GerdKotoll (@GerdKotoll) <a href="https://twitter.com/GerdKotoll/status/572331440131715072">2. März 2015</a></blockquote></center>

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p>Je mehr ich über <a href="https://twitter.com/hashtag/Edathy?src=hash">#Edathy</a> nachdenke, desto wütender werde. Wie kann ein Gericht so eine Entscheidung treffen?!</p>&mdash; PKo3 (@PKo3) <a href="https://twitter.com/PKo3/status/572373647819726848">2. März 2015</a></blockquote></center>

Hier und da werden Vergleiche gezogen...

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p>Da hat der Edathy aber Glück gehabt, dass er Fotos gekauft und nicht etwa ein Brötchenfoto aus dem Internet geklaut hat.</p>&mdash; DonDahlmann (@DonDahlmann) <a href="https://twitter.com/DonDahlmann/status/572343533752999937">2. März 2015</a></blockquote></center>

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p>5000 Euro. Da wünscht man sich, der Herr <a href="https://twitter.com/hashtag/Edathy?src=hash">#Edathy</a> wäre lieber beim Steuerhinterziehen erwischt worden.&#10;&#10;Gerechtigkeit geht anders.</p>&mdash; Bruce Twarze™ (@4zido) <a href="https://twitter.com/4zido/status/572332832833576960">2. März 2015</a></blockquote></center>

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p>Mal sehen. Reus, fahren ohne Führerschein : 540.000 Euro. Edathy, Nacktbilder von Kindern : 5.000 Euro. Ich denke mir meinen Teil. <a href="https://twitter.com/hashtag/Edathy?src=hash">#Edathy</a></p>&mdash; Frank Hundertmark (@DerHundertmark) <a href="https://twitter.com/DerHundertmark/status/572374063156473856">2. März 2015</a></blockquote></center>

Auch zweifeln einige Twitterer an der Glaubwürdigkeit Edathys...

<center><blockquote class="twitter-tweet" data-conversation="none" lang="de"><p><a href="https://twitter.com/TackeSarah">@TackeSarah</a> Wenn er nicht gestanden hat, dann hat er nicht gestanden. Punkt.</p>&mdash; Marc Haber (@Zugschlus) <a href="https://twitter.com/Zugschlus/status/572356516524761088">2. März 2015</a></blockquote></center>

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p>Einsicht? Fehlanzeige. Reue? Warum auch?! <a href="https://twitter.com/hashtag/Freigekauft?src=hash">#Freigekauft</a> für 5.000 €. <a href="https://twitter.com/hashtag/Edathy?src=hash">#Edathy</a> ist und bleibt ein Widerling!</p>&mdash; Alexander Liebing (@AlexLiebing) <a href="https://twitter.com/AlexLiebing/status/572373324078186496">2. März 2015</a></blockquote></center>

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p>Ah. So sieht also Reue aus. Gut zu wissen. <a href="https://t.co/OWSROlXEIt">https://t.co/OWSROlXEIt</a> <a href="https://twitter.com/hashtag/Edathy?src=hash">#Edathy</a></p>&mdash; Christian Soeder (@christiansoeder) <a href="https://twitter.com/christiansoeder/status/572346129997819904">2. März 2015</a></blockquote></center>

...oder versuchen es mit schwarzem Humor.

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p>Das erste Statement von <a href="https://twitter.com/hashtag/Edathy?src=hash">#Edathy</a> nach Ende des Prozesses lautete übrigens: &quot;Junge... Junge... Junge...&quot; <a href="https://twitter.com/hashtag/true?src=hash">#true</a></p>&mdash; Phil Porter (@PhilPorterDe) <a href="https://twitter.com/PhilPorterDe/status/572372217759191040">2. März 2015</a></blockquote></center>

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p><a href="https://twitter.com/hashtag/Edathy?src=hash">#Edathy</a> kann jetzt ja Kindergärtner werden.</p>&mdash; Dr. Serveral™ ° (@SirDrapple) <a href="https://twitter.com/SirDrapple/status/572373933535711232">2. März 2015</a></blockquote></center>

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p>Wie nennt man in einem solchen Fall noch gleich eine Geldstrafe? Ah: Kinderfreibetrag! <a href="https://twitter.com/hashtag/Edathy?src=hash">#Edathy</a></p>&mdash; Phil Porter (@PhilPorterDe) <a href="https://twitter.com/PhilPorterDe/status/572371252805042176">2. März 2015</a></blockquote></center>

Doch es gibt auch Kommentatoren, die Sebastian Edathy in Schutz nehmen. Monatelang stand der ehemalige SPD-Abgeordnete am Pranger.

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p>Ich denke, die Bestrafung, die bereits öffentlich vollzogen wurde, ist ausreichend. 2/2 <a href="https://twitter.com/hashtag/Edathy?src=hash">#Edathy</a></p>&mdash; Alexis Heitmann (@Alexis_Heitmann) <a href="https://twitter.com/Alexis_Heitmann/status/572373167722913792">2. März 2015</a></blockquote></center>

<center><blockquote class="twitter-tweet" data-cards="hidden" lang="de"><p>&quot;Er hat alles verloren. Seinen Beruf. Seine gesellschaftliche Stellung. Und, ja: seine Heimat.&quot; <a href="http://t.co/MBp88A5L3c">http://t.co/MBp88A5L3c</a></p>&mdash; Donnie Gott (@DonnieToGo) <a href="https://twitter.com/DonnieToGo/status/572376190222241792">2. März 2015</a></blockquote></center>

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p>Die wutschäumenden Kommentare und Tweets in der Causa <a href="https://twitter.com/hashtag/Edathy?src=hash">#Edathy</a> zeigen, wie gut es ist, in Deutschland Berufsrichter zu haben.</p>&mdash; Christian K. (@cdk68) <a href="https://twitter.com/cdk68/status/572375967676698624">2. März 2015</a></blockquote></center>

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p>Herr Edathy ist sicher nicht sympathisch, aber offenbar hat man keine Bilder bei ihm gefunden, die nach geltendem Gesetzt strafbar wären.</p>&mdash; HerrHallmackenreuter (@Speedwriter33) <a href="https://twitter.com/Speedwriter33/status/572378091114389504">2. März 2015</a></blockquote></center>

Ralf Stegner distanziert sich klar von Edathy und bemängelt ein Fehlen von Reue:

<blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p>Wer Gewalt gegen Kinder rechtfertigt, was mit unseren Grundwerten überhaupt nicht vereinbar ist,hat nix verstanden und sollte SPD verlassen!</p>&mdash; Ralf Stegner (@Ralf_Stegner) <a href="https://twitter.com/Ralf_Stegner/status/572415894359572480">2. März 2015</a></blockquote>

<blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p>Keinerlei Wort für die Opfer, keinerlei Einsicht oder Reue+politischer Maximalschaden für unsere Grundwerte-SPD will damit nix zu tun haben!</p>&mdash; Ralf Stegner (@Ralf_Stegner) <a href="https://twitter.com/Ralf_Stegner/status/572416659836805120">2. März 2015</a></blockquote>

Am Ende bleibt die Frage: Der Fall Edathy – ein Mann, gestraft auch ohne Urteil? Weitere Tweets zum Hashtag #Edathy:

<center><a class="twitter-timeline" href="https://twitter.com/search?q=Edathy" data-widget-id="572377529378668544">Tweets über Edathy </a>

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(mit dpa)

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