Kommentar : Der Druck auf Weidel wird wachsen

Die Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion steht in der Kritik, weil ihr Kreisverband am Bodensee fragwürdige Spenden dem Bundestag erst spät gemeldet und zurückgezahlt hat. Auch innerparteilich führt das zu Kritik. Foto: Gregor Fischer/dpa
Die Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion steht in der Kritik, weil ihr Kreisverband am Bodensee fragwürdige Spenden dem Bundestag erst spät gemeldet und zurückgezahlt hat. Auch innerparteilich führt das zu Kritik. Foto: Gregor Fischer/dpa

Nach fragwürdigen Geldzuflüssen schieben sich AfD-Politiker gegenseitig die Verantwortung für die Vorgänge zu. Auch als Munition gegen Alice Weidel werden die Vorgänge genutzt. Kann sie sich halten? Ein Kommentar.

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15. November 2018, 17:41 Uhr

Osnabrück | Gemessen an der Schärfe, mit der die AfD andere Parteien angreift und verächtlich macht, darf sie angesichts ihrer dubiosen Geldzuflüsse mit keiner Schonung rechnen. Worauf die AfD aber sehr wohl Anspruch hat, ist Fairness. Zumindest die zweite Großspende hat die Partei nicht nur selbst gemeldet, sondern auch eigenständig zurückgezahlt. Für die erste gilt das dem Anschein nach ebenfalls. Andere Parteien waren da in der Vergangenheit weniger konsequent. Helmut Kohl etwa bemühte „jüdische Vermächtnisse“, um geheime Spenden und Schwarzgeldkassen der CDU zu verschleiern.

In jedem Fall illustrieren die verspätete Meldung der Spenden und der Umgang mit ihnen Probleme, die sich durch die gesamte Struktur und noch junge Geschichte der AfD ziehen. Wie sich diese finanziert, gibt seit langem Raum für Spekulationen. Einige mögen berechtigt sein, andere nicht. Anonyme, sechsstellige Spenden und Stiftungen aus dem Ausland lassen jedenfalls an Stroh- und Hintermänner denken und hinterlassen einen zwielichtigen Eindruck.

Deckmantel gelüftet

Hinzu kommt Unprofessionalität. Ob im Umgang mit den Medien, mit dem Recht oder – nicht nur im aktuellen Fall – die verspätete Auf- und Erklärung von Vorgängen rund um das Geld: Die AfD meint auf vielen Feldern, im politischen Spektrum Wahrheit und Anstand gepachtet zu haben und anders, nämlich besser als die „Altparteien“ zu agieren. Diesem Anspruch wird sie regelmäßig nicht gerecht. Zudem zeigt der Spendenvorgang, wie zerrüttet die Partei ist. Wenn der Deckmantel der einende Merkelkritik und Asylpolemik einmal gelüftet wird, kommen Intrigen und Halbwahrheiten zum Vorschein. Zahlreiche Vorgänger in der AfD-Führung hat es bereits zerlegt. Nun droht Alice Weidel dieses Schicksal.

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