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Video: Syrer in Schwerin festgenommen : Der Bombenbauer von nebenan

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Der Vorwurf ist klar formuliert: Ein 19-jähriger Syrer in Schwerin soll einen Terroranschlag vorbereitet und die Bauteile für den Sprengsatz schon beschafft haben. Doch bevor er seinen Plan umsetzen konnte, nahmen ihn Spezialkräfte der Polizei in seiner Wohnung fest.

shz.de von
erstellt am 31.Okt.2017 | 16:01 Uhr

Neu Zippendorf in Schwerin, Pankower Straße. Sozialer Brennpunkt. Hier gibt es wenig Geld, wenige Perspektiven, viele Arbeitslose und viele Ausländer. Die einst gelbe Farbe der Plattenbauten ist vom Moos und Dreck ergraut. Eisengitter sichern die Fenster der unteren Wohnungen. Vor mehreren Hauseingängen  haben sich Polizisten positioniert. Hier soll  der 19-jährige Yamen A. gewohnt haben. Der  Syrer wird verdächtigt, einen islamistisch motivierten Anschlag  in Deutschland geplant zu haben. „Mit vielen Toten“, wie es in einer Mitteilung des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe heißt. Am Dienstag gegen 6 Uhr wurde der junge Mann durch Spezialkräfte der Bundespolizei und des Bundeskriminalamtes in Schwerin festgenommen. Weitere Wohnungen wurden durchsucht.

Einen Tag nach der Festnahme eines Syrers in Schwerin wegen Terrorverdachts soll der Mann an diesem Mittwoch dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshof vorgeführt werden. Er muss entscheiden, ob Haftbefehl erlassen und Untersuchungshaft angeordnet wird. Spezialkräfte der Polizei hatten den 19-Jährigen am Dienstag festgenommen.

Ihren Namen, nein, den wolle sie nicht nennen, sagt eine Rentnerin, erzählt dann aber doch freimütig, wie sie am frühen Morgen aus dem Schlaf gerissen wurde, als die Polizei ins Haus stürmte. Lärm zu nächtlicher Stunde sei sie ja schon gewohnt, seit der junge Syrer in die Wohnung über ihr einzog. „Da haben sich oft junge Leute getroffen und bis in den Morgen laut geredet. Ich bin zu ihm und habe gesagt: Du musst dich an die Regeln halten, wenn du hier leben willst. Er hat es versprochen. Aber es hat nicht funktioniert“, berichtet die Frau.

Mehr als 100 Einsatzkräfte waren bei dem Einsatz beteiligt. Spätestens im Juli habe Yamen A. mit der Beschaffung von Bauteilen und Chemikalien begonnen, die für die Herstellung eines Sprengsatzes benötigt werden. Er habe Kontakt zu der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gehabt. Ob der Beschuldigte bereits ein konkretes Ziel für seinen Anschlag hatte, war noch unklar.

Gegen 9.30 Uhr stehen noch immer mehrere Streifenwagen auf dem Supermarkt-Parkplatz vor dem Wohnblock. „Das da sind die Fahrzeuge von der Spurensicherung“, sagt ein Anwohner und deutet auf  zwei schwarze Transporter. „Das habe ich alles schon ausgekundschaftet.“ Im T-Shirt lehnt er auf der Brüstung seines Balkons im Erdgeschoss und beobachtet das Treiben. „Ich habe das Ganze erst auf Facebook gelesen und dann hier gesehen.“ Der Rentner zuckt mit den Schultern: „Man musste doch damit rechnen, dass hier so etwas passiert. So viele Ausländer, wie hier leben.“  Angst hätten er und seine Frau nicht mehr als sonst auch. Schon lange trauten sie sich im Dunkeln nicht mehr aus ihrer Wohnung.

Der Einsatz habe ihn nicht überrascht, sagt ein anderer Anwohner. „Auch wenn man so etwas eher aus Großstädten wie Berlin oder Hamburg kennt.“ Die Integration hat seiner Meinung nach versagt. Vor allem die Sprachförderung müsse besser laufen. „Es gibt Tage, da wird hier kaum Deutsch gesprochen“, sagt auch der Betreiber der Gaststätte „Pankow“. Während die Umsiedler, die Ende der 1990er- Jahre kamen,  den Kontakt gesucht hätten, sei das bei den Flüchtlingen heute kaum der Fall. Einige kämen regelmäßig, um  an den zwei Automaten zu spielen. Die Syrer blieben oft unter sich. Probleme habe er bisher mit ihnen jedoch nicht gehabt.

Sichtlich erschüttert über die Nachricht zeigte sich gestern Faisal Aljarf. Aljarf war selbst vor zwei Jahren vor den Terroranschlägen in Syrien geflohen. In Schwerin eröffnete er vor ein paar Wochen das Café „Dar“, das Treffpunkt von Deutschen und Flüchtlingen geworden ist. „Der Terror verfolgt uns“, sagt Aljarf. „Es ist schrecklich. Wir haben auch Angst.“ Er sei froh, dass in diesem Fall die Polizei schnell reagiert und Schlimmeres verhindert habe. Doch Aljarf befürchtet,  dass es sich bei Yamen A. nicht um einen Einzelfall handelt. „Ich bin mir ganz sicher, dass  es noch mehr Terroristen gibt“ sagt er.  „Auch in Schwerin. Wir müssen die Probleme finden und lösen und viel enger mit der Polizei zusammenarbeiten.“

Erst im Juli wurden in Güstrow Wohnungen durchsucht und zwei Bosnier und sowie ein Deutscher  wegen möglicher islamistischer Anschlagsplanungen festgesetzt. Nach Auswertung der Funde sah die Bundesanwaltschaft aber keinen Grund mehr für Haftanträge.

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