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Denkmalschutz: Dialog war gestern

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Es gab einmal eine Koalition in Schleswig-Holstein, die rühmte sich ihres Dialogs. Nichts, versprach man, werde über die Köpfe Betroffener hinweg entschieden. Die Menschen mitnehmen wollte man. Weil die Vokabel vom „Dialog“ so inflationär genutzt wurde wie kaum ein anderer Begriff, hörten sie mit der Zeit selbst in der Koalition weg, wenn das Wort fiel. Nun ist Kulturministerin Anke Spoorendonk dabei, die Reste dieser Kultur zu verhöhnen. Ihre Denkmalschützer hat Spoorendonk ausgesandt, um den Rückstau bei der Erfassung von Kulturdenkmalen aufzulösen. Das ist gut so! 16 000 davon soll es zwischen Nord- und Ostsee geben. Wie viele genau, das weiß eben keiner. Die erste Zwischenbilanz der Inventarisierung mag beeindruckend klingen. Rund 1100 Objekte sind gesichtet, gut die Hälfte als denkmalwürdig erkannt. Und das in nur vier Monaten! So ein Eiltempo legen Behörden sonst höchst selten vor. Doch das Lob muss sich im vorliegenden Fall in engen Grenzen halten. Dass die Qualität eines Objekts gleichsam im Vorbeifahren zuverlässig beurteilt werden kann, das mögen Denkmalschützer in einem Anflug temporärer Selbstüberschätzung glauben. Beim gesunden Menschenverstand kommen Zweifel auf. Und die vom behördlichen Schnell-Voting Betroffenen? Die ahnen noch nicht, dass ihr Besitz – wenn erst das neue Denkmalschutzgesetz vom Landtag verabschiedet ist – nur noch mit amtlichen Auflagen verändert werden darf. Die müssen demnächst denn auch bei Gericht klagen. (Justizministerin) Spoorendonk wird es noch merken. Dialog war eben gestern.

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erstellt am 25.Aug.2014 | 15:10 Uhr

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