Nach Aussagen von Eintracht-Präsident Fischer : Debatten um die AfD: Bedenklicher Reflex

Das ging daneben: Peter Fischer, Präsident der Eintracht Frankfurt,  stieß mit seiner Aussage, in seinem Verein könne keiner Mitglied sein, der die AfD wähle, eine Diskussion an, die eben dieser Partei weitere Aufmerksamkeit bescherte.

Das ging daneben: Peter Fischer, Präsident der Eintracht Frankfurt,  stieß mit seiner Aussage, in seinem Verein könne keiner Mitglied sein, der die AfD wähle, eine Diskussion an, die eben dieser Partei weitere Aufmerksamkeit bescherte.

Die AfD hat viele Gegner. Doch Bemühungen, die Partei als Un-Partei herauszustellen, kehren sich ins Gegenteil. Denn die AfD will vor allem eines: Aufmerksamkeit.

shz.de von
14. Januar 2018, 15:12 Uhr

Um zu begreifen, wie Debatten um die AfD funktionieren, hilft es, sich den Schulhof einer Grundschule vorzustellen. Fragen Sie sich, was passieren würde, wenn irgendwer während einer Pause einen Ball aus dem Fenster mitten auf den Hof schmeißen würde. Genau. Alle würden sich draufstürzen und gegentreten.

Damit sind wir beim neusten Aufreger um die Rechtsaußenpartei AfD. Der entstand wie so viele zuvor. Jemand gab Unsinn von sich. Und nein, es sind nicht immer nur die AfD-Leute, die Unfug reden. Auch als Präsident eines Fußballvereins kann man irren und eine Debatte um die AfD lostreten.

Das Problem mit all diesen Debatten: Mit der AfD ist es wie mit der Bank und dem Spielcasino. Sie gewinnt immer. Nicht, weil sie die besten Argumente hat, sondern weil ihr jede Debatte nutzt. Deshalb twittern ihre Abgeordneten blanken Rassismus und deshalb wählt ihr Thüringer Landtagsfraktionsvorsitzender missverständliche und mehrdeutige Formulierungen zum Holocaustmahnmal, wenn er seine Anhänger aufpeitschen will. Das alles ist Masche. Und dass viele Menschen davon abgestoßen werden, gehört zu dieser Masche. Provokation ist der für die AfD wichtigste Inhalt.

„Keine Nazis bei Eintracht Frankfurt“

Besonders überflüssig ist es deshalb, wenn man der vermeintlichen „Alternative für Deutschland“ auch noch ohne ihr Zutun einen Aufreger beschert. Damit wären wir bei Peter Fischer, Präsident des stolzen Bundesligaclubs Eintracht Frankfurt – immerhin DFB-Pokalfinalist des vergangenen Jahres. Er war es, der den Ball auf den Schulhof warf: Er fühlte sich vor einigen Tagen in mehreren Interviews – unter anderem mit der FAZ – berufen, folgende Feststellung zu treffen: „Es kann niemand bei uns Mitglied sein, der diese Partei wählt, in der es rassistische und menschenverachtende Tendenzen gibt.“

Für „die braune Brut“ dürfe es keinen Platz geben, sagte Fischer. Sogar ein Versprechen gab der Vereinsboss ab: In seiner Amtszeit werde es „keine Nazis bei Eintracht Frankfurt geben“. Man muss dazu wissen, dass Fischer dies ohne jede Not von sich gab. Die Frage des FAZ-Redakteurs, der das Interview führte, lautete: „Die Internationalität des Eintracht-Kaders hat für viele Diskussionen gesorgt. Bei Ihnen war von Anfang an klar zu erkennen, dass Sie es auch als Indiz für die Weltoffenheit der Eintracht werten. Fühlen Sie sich bestätigt?“

Fischer fühlte sich offenbar in bester Laune, seine einwandfreie Gesinnung als aufrechter Kämpfer gegen Rechts zu präsentieren. Da kümmerte es ihn nicht, dass die Macht des Präsidenten eines Bundesligisten zwar durchaus gewaltig, aber doch nicht so gewaltig ist, um das grundgesetzlich verbriefte Wahlgeheimnis auszuhebeln. Sogar Eintracht-Mitglieder genießen das weiter und müssen dem Vereinspräsidium nicht mitteilen, was sie in der Wahlkabine so getrieben haben.

Umfrage: „Darf die AfD mitspielen?“

Nun ist das mit dem Unfug nicht nur auf die AfD und die Frankfurter Eintracht beschränkt. Neben Fußballfunktionären können auch Journalisten viel falsch machen. Nehmen wir die Lokalzeitung, die sich um Fischers Verein kümmern darf, die „Frankfurter Rundschau“: Unter der Überschrift „Darf die AfD mitspielen?“ fragte das Blatt ganz arglos: „Was sagt die Fußballbranche angesichts der Debatte um die Mitgliedschaft von AfD-Wählern bei Eintracht Frankfurt?“ Man habe „das Thema zum Anlass genommen, bei ausgewählten Klubs nachzufragen“.

Bei der AfD, deren hessische Landessprecher Klaus Herrmann und Robert Lambrou zwischendurch bereits Strafanzeige gegen Fischer wegen „Beleidigung, übler Nachrede und Verleumdung“ gestellt hatten (zur Meinungsfreiheit pflegt die Rechtsaußenpartei bekanntlich ein eher instrumentelles Verhältnis), konnten sie ihr Glück vermutlich kaum fassen. Ausgerechnet die „Rundschau“, eines der Aushängeschilder des „linksgrünversifften“ Journalismus, den man bei der AfD so gerne beklagt, betrieb ihr Geschäft.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass auch die Neue Zürcher Zeitung auf die selten beknackte Idee kam, das von einem Fußballclub angestoßene Thema per Rundfrage allen anderen Fußballclubs vor die Tür zu stellen. Nur interessiert sich in Deutschland kaum jemand für Schweizer Medien.

Es geht die Vereine nichts an...

Massenanfragen sind beliebt bei Journalisten. Denn man kann mit vergleichsweise wenig Arbeit viel Inhalt produzieren. In diesem Fall mussten ins Empfängerfeld nur die unterschiedlichen Bundesligisten eingetragen und mit der immer gleichlautenden Anfrage bedacht werden. Aus den eingehenden Antworten rührt man dann ein langes Stück zusammen. Fertig. Und natürlich griffen auch überregionale Medien den Fall auf. War ja alles dabei: Fußball und die AfD. Schöner geht es kaum.

So läuft es (mal wieder) rund für die AfD. Niemand fragt nach ihr, doch ein depperter Fußballfunktionär antwortet, weil er sich als besonders rührig im Kampf gegen Rechts inszenieren will.

Fußballvereine tun gut daran, die Parteipräferenzen ihrer Mitglieder nie zum Thema zu machen. Es soll beim FC Bayern, dessen Gremien CSU-Granden angehören, echte Sozialdemokraten geben, während bei Werder Bremen, dessen ehemaliger Manager Willi Lemke als Sozialdemokrat sogar Bildungssenator der Hansestadt wurde, auch Unionsanhänger oder gar Liberale Mitglied sein können. Erst recht geht es die Vereine nichts an, was ihre Mitglieder wählen.

Wer als Journalist also auf die Idee kommt, Ballsportclubs nach AfD-Präferenzen ihrer Mitglieder zu fragen, bringt sie in unmögliche Situationen. Wenn sie antworten, dass es ihnen egal ist, steht die Antifa auf der Matte, wenn sie sich zu Anti-AfD-Statements hinreißen lassen, haben Sie einen neuen Aufreger produziert, von dem wieder mal nur einer profitiert.

Liebe Kollegen, lasst das! Und springt auch nicht nach den vielen anderen Bällchen, die diese Partei euch auf den Hof wirft. Es gibt Eigentore, die holt man nicht mehr auf.

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