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Gottesdienste in SH : Dauer-Flaute auf der Kirchenbank

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Zwar hat Schleswig-Holstein noch immer viele Kirchenmitglieder – in den Gottesdienst gehen diese aber nur selten.

Obwohl in Schleswig-Holstein überdurchschnittlich viele Menschen der evangelischen Kirche angehören, macht sich dies nicht in den Besuchszahlen der Sonntagsgottesdienste bemerkbar. Sie verharren nach den jüngsten verfügbaren Statistiken der Nordkirche seit mehr als zehn Jahren bei knapp über zwei Prozent der Kirchenmitglieder. Das sind 32.150 Schleswig-Holsteiner. Insgesamt sind 51,3 Prozent der Schleswig-Holsteiner Mitglied der Nordkirche.

Die Teilnahmequote am Sonntagsgottesdienst lag 2010 bei 2,1 Prozent, 2011 bei 2,3 und 2012 bei 2,2 Prozent. Zahlen für 2013 konnte Nordkirchen-Sprecher Frank Zabel noch nicht nennen. Im Bundesdurchschnitt der protestantischen Landeskirchen liegt der Wert bei 3,5 Prozent. Die besten Ergebnisse im Ländervergleich erreichen die Protestanten in Sachsen mit 6,6 Prozent und Baden-Württemberg mit 4,6 Prozent. Auch Schleswig-Holsteins Nordkirchen-Partner Mecklenburg-Vorpommern kommt auf vergleichsweise hohe 4,3 Prozent Gottesdienstteilnehmer – bezogen nicht auf die Gesamt-Einwohnerzahl, sondern auf diejenigen, die Mitglied der Kirche sind. Das sind in Mecklenburg-Vorpommern wiederum nur 17 Prozent der Bevölkerung. Weil dies offenbar nur diejenigen mit einer starken innerlichen Verbundenheit sind, fallen die Teilnahme-Quoten am Gottesdienst entsprechend höher aus.

„Natürlich würde auch mir eine höhere Zahl von regelmäßigen Gottesdienstbesuchern wünschen – vor allem im Hinblick auf die Pastoren, Küster und Ehrenamtlichen, die die Gottesdienste vorbereiten“, sagt der Bischof im Sprengel Schleswig und Holstein, Gothart Magaard. „Man hat den Eindruck, der Norddeutsche schont seine Kirche so wie seine gute Stube.“ Die vergleichsweise hohe Mitgliederzahl in der Nordkirche stellt für den Bischof indes keinen Widerspruch zur überaus schwachen Gottesdienst-Nachfrage dar. „Bei einer Volkskirche, wie wir sie im Norden haben, gehört es konstitutiv dazu, dass nicht jeder jeden Sonntag hingeht.“ Zugleich betont Magaard, dass die Sonntagsgottesdienste lediglich einen Ausschnitt kirchlichen Lebens widerspiegeln. „Wenn man auf das gesamte Spektrum blickt, ist die Resonanz ungleich größer. Die Kirchenräume werden sehr viel mehr genutzt als diese Momentaufnahme es zeigt.“ So erfasst die Statistik weder Gottesdienste aus Anlass von Hochzeiten, Taufen oder Beerdigungen noch die immer häufigeren Gottesdienste mit Event-Charakter aus besonderem Anlass. Etwa Gottesdienste zur Einschulung, auf Pilgertouren, zum Erntedank, zu Stadtfesten oder Jubiläumsveranstaltungen vielerlei Art. „Dabei erleben wir einen regen Zuspruch“, sagt Magaard. „Aber für den regelmäßigen Pulsschlag immer wieder sonntags ist es unendlich schwieriger, Menschen zu gewinnen, als für das Besondere.“ Wobei der Bischof neben religiösen Gründen auch ein Argument im Sinne des Zeitgeists für einen Gottesdienstbesuch ins Feld führt: „Es ist ein Moment der Entschleunigung.“

Nur als Teillösung, um die Kirchenbänke an normalen Sonntagen voller zu bekommen, sieht Maggard die übergemeindliche Zusammenarbeit, die die Nordkirche auf dem Land aus demografischen Gründen anschiebt. Bei der musikalischen Arbeit oder der Seniorenarbeit klappe das leichter als speziell beim Gottesdienst, beobachtet Magaard. „Diejenigen, die ihn besuchen, hängen doch sehr an ihrem Gebäude vor Ort.“

Die katholische Kirche verzeichnete in Schleswig-Holstein 2013 eine Teilnahmequote von 7,7 Prozent ihrer Mitglieder. Das entspricht knapp 13.300 Menschen. Bundesweit gehen 10,9 Prozent der Katholiken in den Sonntagsgottesdienst. Der Sprecher der Erzbistums Hamburg, Manfred Nielen, findet die Zahlen für Schleswig-Holstein „nicht schlecht“. Während aus den katholischeren Gegenden Deutschlands Rückgänge gemeldet würden, sei die Lage im hohen Norden stabil. Nielen: „Von daher kann man nicht meckern.“

Wie sich der Trend der Gottesdienst-Flaute umkehren lässt, beweist die Nordkirchen-Gemeinde Schwabstedt. Dort war die Zahl der Teilnehmer am Sonntag innerhalb von nur drei Jahren von 4000 auf 2600 abgestürzt. Im letzten September hat das Pastorenehepaar mit dem Ort eine Wette abgeschlossen: Wenn innerhalb der nächsten zwölf Monate 4000 Gottesdienstbesucher registriert werden, wird ein Mäzen dem Ort drei wertvolle Geschenke stiften. Seitdem dokumentiert jeder Besucher Sonntags mit dem Einwurf einer Treueperle in einen Behälter am Eingang seinen Besuch. Das genaue Ergebnis will Pastor Michael Goltz erst zum Ende der Aktion am 21. September auszählen. Gelohnt habe sich die Idee aber auf jeden Fall: Mehr als 3000 Perlen seien schon drin – und damit eine deutliche Steigerung der Teilnahme geglückt.

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erstellt am 14.Sep.2014 | 19:21 Uhr

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