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Terrororganisation : Datenleck beim IS: So gelangten geheime Dokumente zum BKA

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Der IS hat akribisch Daten über seine Mitglieder in Formularen aufgelistet. Dank Recherchen landeten die Namen von mutmaßlichen Terroristen jetzt in Deutschland. Das BKA ermittelt.

shz.de von
erstellt am 08.Mär.2016 | 08:48 Uhr

23 Fragen musste jeder willige Dschihad-Kämpfer beantworten, wenn er beim IS mitmachen wollte. Name, Geburtsdatum, Kampferfahrung - all das hat die Terrororganisation von ihren neuen Unterstützern, die unter anderem aus Deutschland nach Syrien einreisten, erfragt. Und dokumentiert. Der IS sieht sich selbst als Staat und hat sich entsprechend eine bürokratische Infrastruktur aufgebaut. Diese als geheim eingestuften Dokumente sind jetzt bei Recherchen aus Deutschland aufgetaucht.  Parallel dazu soll auch das BKA Informationen erhalten haben.

Der IS ist auf „Nachschub“ von Islamisten angewiesen. Aus Europa reisen immer wieder radikalisierte Kampfwillige nach Syrien, um in den Dschihad zu ziehen. Kehren sie nach Deutschland zurück, wird eine strafrechtliche Verfolgung schwierig. Die Dokumente könnten helfen, die Rückkehrer zur Verantwortung zu ziehen.

Ein Journalisten-Team von NDR, WDR und „Süddeutscher Zeitung“ verbrachte Wochen im gefährlichen Grenzgebiet zwischen der Türkei und Syrien, zwischen Terror und Korruption und brachte dabei das brisante Material zum Vorschein. Ein BKA-Sprecher bestätigte, dass seiner Behörde derartige Papiere vorliegen - und dass die Experten sie für echt halten. Das Material soll nun bei Ermittlungen und der Strafverfolgung helfen.

„Wir gehen davon aus, dass es sich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit um echte Dokumente handelt“, sagte der BKA-Sprecher. „Wir nutzen diese nun zur Strafverfolgung und für gefahrenabwehrende Maßnahmen.“ Zu Details äußerte er sich nicht. Auch welchen Umfang das Material insgesamt hat und auf welchem Weg das BKA an die Papiere gekommen ist, ließ er offen. Aus anderen Sicherheitskreisen hieß es ebenfalls, das Material sei vermutlich authentisch und könne für die weitere Arbeit sehr wertvoll sein.

„Die Dokumente sind offenbar Teil eines größeren Datenlecks, das Tausende solche Personalbögen umfassen soll und inzwischen zumindest in Teilen verschiedenen Sicherheitsbehörden bekannt ist“, heißt es im Bericht der „Süddeutschen Zeitung“. Nach Zählung des BKA sind bis heute etwa 800 Deutsche in das IS-Gebiet ausgereist. Rund ein Drittel soll wieder in Deutschland sein. „Das Leck beim IS soll nun helfen, Mitgliedern der Terrortruppe den Prozess zu machen. In Deutschland ist der Generalbundesanwalt informiert, die Papiere werden bei der Strafverfolgung von IS-Rückkehrern genutzt“, heißt es in dem Bericht.

Die Dokumente gelangten über einen Informanten an da Recherche-Team, der die Datei mit zehntausenden Namen anbot. Wochenlang recherchierten die Journalisten daraufhin vor Ort. Korruption sei beim IS inzwischen offenbar ein großes Problem geworden, heißt es. „So groß, dass man Videos und Dokumente aus dem Kalifat heute überall in der Region finden kann: Manches ist von kurdischen Milizen erbeutet, anderes erkennbar von IS-Anhängern selbst gestohlen worden.“

(mit dpa)

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