Das war Käse

Agrarminister Schmidt steigert die Verwirrung in einer schwierigen Debatte

shz.de von
06. Januar 2015, 15:47 Uhr

Vielen Dank, Herr Schmidt, das ging voll daneben: Mit seiner Behauptung, man müsse darauf verzichten, jede deutsche Wurst oder jeden deutschen Käse als regionale Spezialität zu schützen, wenn man ein Freihandelsabkommen (TTIP) mit den USA abschließen will, hat der Agrarminister viel Staub aufgewirbelt. Als ihm eine Welle der Empörung entgegenschlug, folgte sofort das Politiker-typische: „ ... war ja gar nicht so gemeint...“ – Wer’s glaubt!

Der CSU-Politiker muss sich den Vorwurf gefallen lassen, in einer ohnehin schon schwierigen Debatte unnötig noch mehr Verwirrung gestiftet zu haben. Dabei ist beim brisanten Thema TTIP Klarheit gefordert, Staub aber vernebelt den Blick auf das Wesentliche.

Das EU-Regionalsiegel ist für Herstellerfirmen ein großer Marketingvorteil. Eine Garantie für den Kunden ist es nicht. Denn – so lauten die Kriterien – „von den drei Vorgängen Erzeugung, Verarbeitung und Herstellung muss mindestens einer dort stattfinden“. Das heißt, ein Schwein, aus dem Holsteiner Katenschinken wird, kann theoretisch auch aus Dänemark kommen. Solche Praktiken beim EU-Siegel sind in der Lebensmittelbranche durchaus keine Seltenheit. Mit seiner Äußerung verstärkt Schmidt die Befürchtung, dass TTIP diese Tricksereien noch leichter machen könnte. Da wäre es besser gewesen zu schweigen.

Oder noch besser: Der Agrarminister sollte auf eine klare Kennzeichnung aller Produkte drängen, egal ob sie aus den USA oder Europa stammen. Jede Zutat und die Herkunft der Rohstoffe sollte auf der Verpackung klar, deutlich und einfach deklariert werden. Dann könnte jeder Verbraucher selbst entscheiden, was er kauft und isst – und was nicht. So einfach und transparent könnte es sein.

Doch Transparenz war noch nie das Markenzeichen der TTIP-Verhandlungen. Sie finden hinter verschlossenen Türen statt. Das weckt Misstrauen. Wer die Akzeptanz für das umstrittene Abkommen steigern will, sollte sich also genau überlegen, was er in die Debatte wirft. Denn ein Freihandelsabkommen nützt nicht allein internationalen Konzernen. Es hat auch viele Vorteile für alle.

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