Das Problem mit der Schimanski-Gasse

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17. März 2014, 16:56 Uhr

Neue Helden hat das Land. Und sie unterscheiden sich deutlich von den alten. Die mussten Schlachten oder Wahlen gewinnen. Als Dank wurden sie mit Orden behängt, und ein Höhepunkt der Ehrung bestand darin, dass Straßen ihren Namen trugen. Manchmal stellte sich später heraus, dass sie gar keine Vorbilder waren. Was zur Folge hat, dass die Straßenschilder nach heftigen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern und Gegnern wieder abmontiert werden. In Kiel ist das gerade dem ollen Hindenburg passiert. Das nach ihm benannte Fördeufer heißt jetzt Kiellinie.

Die Duisburger haben lange und heftig gestritten. Dabei mussten sie gar keine alten Helden degradieren, sondern nur einen neuen ehren. Nämlich den berühmtesten aller Tatort-Kommissare, Horst Schimanski alias Götz George. Eine schäbige, nur 30 Meter lange Gasse soll nach dem Fahnder benannt werden. Wehret den Anfängen, kann man da sagen. Vor ewigen Zeiten gab es auch nur einen „Tatort“-Kommissar. Dann wollte jedes Land seinen eigenen Ermittler haben, was zu einer Inflation an vorwiegend skurrilen Law- and-Order-Typen führte. Nun ist zu befürchten, dass überall dort, wo ein Borowski/Milberg oder Thiel/Prahl auf Ganovenjagd geht, ein Platz, eine Straße, ein Park ihren Namen trägt. Nicht auszuschließen ist auch, dass andere Helden gleiches Recht verlangen. Sollte die deutsche Fußballmannschaft demnächst den Weltmeistertitel erobern, dann dürfte es schwer fallen, jedem Mitglied der Sieger-Elf mindestens eine ähnlich lange Gasse wie Schimanski zu verweigern.

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