Das Mozart-Dilemma

shz.de von
25. November 2014, 11:59 Uhr

Die griechischen Helden, auch die Kollegen aus Rom, Karthago und Sparta, waren ausnahmslos von edelster Gestalt. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass sie uns in Marmor gemeißelt überliefert worden sind. Fotos hätten manche Illusion zerstört. Inzwischen kann die Wissenschaft das echte Äußere der Männer rekonstruieren. Das Ergebnis ernüchtert. Bis zum großen Alexander und Hannibal sind die Forscher zwar noch nicht durchgedrungen, aber immerhin haben sie festgestellt, wie Mozart aussah: klein (156 Zentimeter) und hässlich. Nun ist nicht auszuschließen, dass ihn gerade die körperlichen Mängel zu seinen genialen Kompositionen beflügelt haben. Und kein Musikfreund wird die Jupiter-Sinfonie deshalb weniger genießen, weil ihr Schöpfer pockennarbig war und einen Augenfehler hatte. Die Produzenten der echten Salzburger Mozartkugeln dagegen werden von dem aktualisierten Porträt nicht begeistert sein. Bisher schmückt ein edler Jüngling die süße Delikatesse. Würde man das schöne Porträt gegen das hässliche Original austauschen, drohten Verkaufseinbußen. Ohne Wechsel droht dagegen der Vorwurf des Verpackungsschwindels. Ein echtes Dilemma.

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