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Anschläge in Belgien : Das Gesicht von Brüssel: Über diese Frau spricht die Welt

vom
Aus der Onlineredaktion

Kurz nach den Explosionen verbreiteten sich Fotos und Videos weltweit. Die Geschichte hinter dem Bild, das jeder kennt.

Brüssel | Eine Frau sitzt auf einer Bank am Brüsseler Flughafen Zaventem. Blut läuft ihr über die Stirn. Ihre gelbe Bluse ist in Fetzen gerissen. Sie hat einen Schuh verloren. Ihre Haare sind grau vor Staub. Der Schock steckt ihr in den Knochen. Ihr Foto ist zum Symbolbild der Terroranschläge von Brüssel geworden. Die ganze Welt spricht über sie.

Inzwischen ist klar, wer die Frau ist. Sie heißt Nidhi, kommt aus Indien und arbeitet als Stewardess für die Fluggesellschaft „Jet Airways“, berichtet unter anderem das Nachrichtenportal IBtimes India. Und das Wichtigste: Sie hat die Brüsseler Anschläge überlebt. Während die Airline zur Identität ihrer Mitarbeiterin schwieg, veröffentliche die indische Botschaft beim Kurznachrichtendienst Twitter folgende Nachricht:

Nidhi und ihre Kollegen warteten am Flughafen auf ihren nächsten Flug nach Newark (New Jersey, USA), als die Bomben explodierten, berichtet die britische Zeitung „The Sun“. Ihre Familie sei von der Fluggesellschaft informiert worden und Nidhi erhole sich im Krankenhaus, zitiert die Zeitung einen Informanten. Ihr Kollege Amit soll sich bei Facebook Safety-Check als „sicher“ gekennzeichnet haben.

Darf das Bild von Nidhi überhaupt veröffentlicht werden?

Zahlreiche Medien wurden für die Veröffentlichung des Fotos kritisiert. Ist das überhaupt erlaubt? Fotos von Menschen dürfen generell nur mit deren Einverständnis veröffentlicht werden. Das ist ihr Persönlichkeitsrecht. Es gibt allerdings eine Ausnahme: Wenn die Fotografierten als Person der Zeitgeschichte  gelten, darf ihr Bild verbreitet werden. Personen der Zeitgeschichte sind zum Beispiel Politiker, Schauspieler, Wirtschaftsführer, bekannte Sportler oder Täter und Beteiligte aufsehenerregender Kriminalfälle. Zu Personen der Zeitgeschichte können aber auch alle Personen werden, die durch bestimmte Ereignisse, wie etwa Unglücksfälle oder Gerichtsprozesse in den Blickpunkt des öffentlichen Interesses gerückt werden.

Nidhi kann mittlerweile als Person der Zeitgeschichte betrachtet werden. Ihr Foto steht für das Leid, das die schrecklichen Anschläge mit sich zogen. Das österreichische Nachrichtenportal krone.at vergleicht das Foto bereits mit dem Bild der Staubfrau von New York.

Die Ungläubigkeit des Augenblicks: Marcy Borders hatte es gerade noch geschafft, sich aus dem 81. Stock des Südturms ins Freie zu retten. Das Foto der in Staub gehüllten Frau ging um die Welt. Foto:dpa

Diesen Status erlangte das Bild der indischen Flugbegleiterin allerdings erst dadurch, dass es millionenfach im Netz geteilt wurde.

Fotografiert wurde Nidhi von Ketevan Kardava, einer georgischen Journalistin, die zufällig am Brüsseler Flughafen war. „Was tut man in einer solchen Situation als Journalist? Helfen? Einen Arzt rufen? Ein Foto machen?“, sagte sie gegenüber der amerikanischen Zeitung „USA Today“. Sie entschied sich für das Foto. Sie habe erst immer wieder nach einem Doktor gerufen, dann packte sie ihre Kamera aus. „Ich war geschockt. Es war Instinkt“, erzählt sie weiter. „In diesem Moment merkte ich, dass ich der Welt zeigen muss, was in diesem Augenblick des Terrors vor sich geht, das Foto war wichtiger“, begründet Kardava ihre Entscheidung.

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erstellt am 23.Mär.2016 | 16:22 Uhr

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