Macht-Horoskop : Das bedeutet 2018 für Schleswig-Holsteins Spitzenpolitiker

Was blüht Kubicki, Habeck und Sayn-Wittgenstein 2018? Dieter Schulz hat unseren Politikern die Sterne gelesen.

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02. Januar 2018, 13:52 Uhr

Diese Karrieren beeinflussen 2018



Ministerpräsident Daniel Günther

Daniel Günther verbringt viel Zeit im Auto.
dpa

Günther stieg in den letzten zwölf Monaten vom fast in der Öffentlichkeit unbekannten Oppositionsführer im Kieler Landtag bis zur heimlichen Kanzlerreserve der Union auf. Sein überraschender Sieg bei den Landtagswahlen in Mai 2017 rettete Angela Merkel, sein Moderationsgeschick beim Zustandebringen von Jamaika in Schleswig-Holstein ließ ihn zum Macher in den inneren Zirkel der CDU aufsteigen.

Grünen-Politiker und Landesminister Robert Habeck

 
Markus Scholz
 
 

Habeck unterlag bei der grünen Urwahl zum Spitzenkandidaten bei der Bundestagswahl dem Favoriten Cem Özdemir sensationell mit nur 75 Stimmen. Er gilt seitdem als Hoffnungsträger der Grünen und einer der Macher von Jamaika in Kiel. Das brachte ihm eine gediegene Männerfeindschaft mit Wahlverlierer Ralf Stegner (SPD) ein. Habeck kandidiert 2018 als Parteivorsitzender. Gelingt es ihm, seinen Sonderwunsch durchzusetzen, das Ministermandat für eine bestimmte Frist neben dem Parteiamt auszuüben, dann ist der Weg zur Spitzenkandidatur bei der nächsten Bundestagswahl frei.

AfD-Landesvorsitzende Doris von Sayn-Wittgenstein

AfD-Landesvorsitzende Doris von Sayn-Wittgenstein.
dpa
 
 

Sayn-Wittgenstein schaffte ebenfalls einen Raketenstart. Die respektvoll „Fürstin“ genannte Neupolitikerin verdrängte den AfD-Fraktionschef im Landtag, Jörg Nobis, von der Spitze der Landespartei und verfehlte den Sprecherposten der Bundes-AfD um eine Stimme. Da die mit ihrem resoluten Führungsstil schon mal aneckende Deutschnationale damit allerdings den relativ moderaten Berliner Partei- und Fraktionschef Georg Pazderski als Co-Vorsitzenden neben Jörg Meuthen verhinderte, gilt sie seitdem trotz Wirbel um ihren Adelstitel als neuer Stern am völkischen Himmel.

 

Diese Karrieren beeinflusst 2018



Vorsitzender der FDP-Landtagsfraktion Christopher Vogt

sh:z

Christopher Vogt beerbte am 14. Dezember Landtags-Urgestein Wolfgang Kubicki als Vorsitzenden der FDP-Fraktion. Er ist mit 33 Jahren bereits einer der „altgedienten“ Abgeordneten im Landtag, zog erstmals 2009 über die Liste ins Parlament. Seit 2005 ist Vogt Mitglied des Landesvorstandes der FDP, seit 2011 als stellvertretender Vorsitzender der FDP-Landtagsfraktion. 2018 wird zeigen, ob er die neu aufgestellte FDP-Fraktion im und zugleich gegen das Jamaikabündnis genauso profilieren kann wie sein Vorgänger.

CDU-Fraktionschef Tobias Koch

shz

Koch folgte im Mai dem frisch gewählten Ministerpräsidenten Daniel Günther auf dem Posten des CDU-Fraktionschefs im Land. Während sich Günther als forscher Oppositionsführer mit seinen Attacken gegen Amtsvorgänger Torsten Albig und die Küstenkoalition schnell einen Namen und ein politisches Standing im Parlament machte, muss Koch in erster Linie die CDU-Fraktion auf Regierungslinie halten. Wie ihm der Spagat zwischen Koalitionstreue und eigenständigem Profil gelingt, entscheidet über Kochs künftige Perspektive in der Landes-CDU. 

SPD-Fraktionschef Ralf Stegner

 
Michael Kappeler
 

Stegner verlor im Mai und im September erneut zwei wichtige Wahlkämpfe für die SPD. Auf dem Sonderparteitag im November wurden erstmals in der Geschichte der Landespartei offen Stimmen laut, die einen Rückzug des bis dahin fast allmächtigen Landeschefs forderten. Auf dem Bundesparteitag im Dezember erhielt der Parteilinke gerade einmal 61,6 Prozent der Stimmen bei seiner Wiederwahl als Bundes-Vize.  Verliert die SPD jedoch die Kommunalwahlen im Mai und/oder geht die Parteispitze gegen die Überzeugung der Basis erneut eine Große Koalition mit der CDU im Bund ein, dürfte Stegner nicht zu halten sein.

 

2018 beendet ihre Karriere



Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Kubicki

 
Uwe Anspach/dpa
 

Kubicki setzte 2017 alles auf Berlin, kündigte schon früh an, zwar für Land- und Bundestags zu kandidieren, aber letztlich nur das Berliner Mandat ausüben zu wollen. Im Land ein entscheidender Faktor für Jamaika, wurde er auch während der Berliner Sondierungen für Schlüsselpositionen im Kabinett gehandelt. Nach dem Scheitern der Balkongespräche und der fast rigorosen Absage an eine Neuauflage der Jamaikasondierungen im Bund durch FDP-Chef Christian Lindner bleibt Kubicki jedoch nur das eher repräsentative Amt des Bundestags-Vizepräsidenten.

AfD-Fraktionschef Jörg Nobis

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Georg Wendt, dpa

Nobis galt zu Beginn des Jahres noch als Beispiel für den Erfolg von „gemäßigten“ AfD-Politikern. Doch dann schnitten die Rechtspopulisten in Schleswig-Holstein mit 5,9 Prozent deutlich schlechter ab als noch vor einem Jahr, als sie bei allen Landtagswahlen zweistellige Ergebnisse einfuhren und in Sachsen-Anhalt sogar 24,2 Prozent holten. Im Sommer verlor Nobis dann den Landesvorsitz an die deutlich nationaler eingestellte Doris von Sayn-Wittgenstein. Im Landtag bleibt seine AfD-Fraktion erfolglos, alle Anträge wurden bislang abgelehnt. Dieses Schicksal teilt die AfD jedoch mit der CDU unter der Küstenkoalition, auch damals gelang der Opposition kein parlamentarischer Erfolg.

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