Ausweitung des Königreichs : Dänemark will den Nordpol

Ein Schiff im Eisfjord hinter dem grönländischen Städtchen Ilulissat: Die Schifffahrt im Nordpolarmeer ist ein bedeutender Faktor im Streit um die Hoheit in der Arktis.
Ein Schiff im Eisfjord hinter dem grönländischen Städtchen Ilulissat: Die Schifffahrt im Nordpolarmeer ist ein bedeutender Faktor im Streit um die Hoheit in der Arktis.

Russland oder Kanada – wem gehört der Nordpol? Um eine Antwort wird seit Jahren politisch und juristisch gerungen. Nun erhebt das kleine Dänemark Anspruch auf den nördlichsten Punkt der Welt.

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15. Dezember 2014, 14:32 Uhr

Kopenhagen | Der begehrte Nordpol soll laut Kopenhagen dänisch werden: 150 Jahre nach dem zweiten Schleswig-Holsteinischen Krieg erhebt Dänemark damit erstmals wieder Anspruch auf ein größeres Territorium außerhalb seiner Reichsgrenzen. Die Forderung, die am Montag den Vereinten Nationen in New York vorgelegt wurde, betreffe ein Gebiet von knapp 900.000 Quadratkilometern, das 200 Seemeilen von Grönlands Küste entfernt liege, erklärte der dänische Außenminister Martin Lidegaard am Montag in Kopenhagen.

„Das Ziel dieses großen Projekts ist es, die äußeren Grenzen unseres Kontinentalsockels – und damit letztlich des Königreichs – festzulegen“, schrieb der Außenminister und argumentierte, es gebe wissenschaftliche Daten, die belegten, dass das dänische autonome Gebiet Grönland über eine Verbindung zum geografischen Nordpol verfüge. Somit sei der dänische Anspruch legitim.

Gegenüber der Zeitung „Politiken“ erklärte der sozialliberale Minister, die dänische Initiative sei ein „historischer Meilenstein“. Nun hätten die Vereinten Nationen die Möglichkeit, für alle Ewigkeit eine Entscheidung über die Grenzziehung in der Arktis zu treffen.

Dänemarks Außenminister Martin Lidegaard (l.) erklärte, er wolle die Stimme seines Landes in der Weltpolitik stärken.
dpa
Dänemarks Außenminister Martin Lidegaard (l.) erklärte, er wolle die Stimme seines Landes in der Weltpolitik stärken.
 

Grönland ist eine „Nation innerhalb des Königreichs Dänemark“ und damit innenpolitisch weitestgehend unabhängig. In der letzten Jahren wurden weitere Schritte zur Selbstverwaltung eingeleitet. Die größte Insel der Welt wird allerdings in allen außenpolitischen und militärischen Angelegenheiten von Dänemark vertreten. Nach dem Seerechtsübereinkommen (SRÜ) der Vereinten Nationen haben die fünf Anrainerstaaten des Nordpolarmeers (Norwegen, Dänemark, Russland, die USA und Kanada) das Recht auf begrenzte Kontrolle der Wasserfläche bis zu einer Entfernung von 200 Seemeilen.

Der Nordpol ist ein großer Streitpunkt in der internationalen Politik, bei dem sich selbst die Nato-Partner nicht immer einig sind. Neben einem Viertel der weltweiten Öl- und Gasvorkommen werden im Nordpolarmeer weitere große Vorkommen von Rohdiamanten, Nickel, Gold und Mangan vermutet. Durch schwindendes Polareis werden die Meer-Bodenschätze in Zukunft leichter zu fördern sein.

Neben den wirtschaftlichen Interessen geht es beim Streit des kleinen Dänemarks mit den beiden flächengrößten Staaten der Welt auch um die Kontrolle der in inzwischen wichtigen Wege für die Handelsschifffahrt. Durch diesen Interessenkonflikt gewinnt selbst der kahle Felsbrocken „Hans“ in der Nordwest-Passage an geopolitischer Bedeutung. Über den „Grenzstein“ zwischen Europa und Amerika nahe Ellesmere Island liefern sich Dänemark und Kanada seit Jahrzehnten einen verbissenen Streit. Durch höhere Temperaturen könnte der dem Eiland vorgelagerte Seeweg in Zukunft monatelang eisfrei werden.

Kanada hat vor einem Jahr ebenfalls seine Gebietsansprüche bei den Vereinten Nationen geltend gemacht. Russland hatte 2007 schon mal eine Flagge auf dem unterseeischen Nordpol aufgestellt und damit für internationale Empörung gesorgt.

Kanada sowie einige Politiker in Russland fordern in der Nordpol-Frage die so genannte Sektorenlösung. Diese von den anderen Anrainerstaaten strikt abgelehnte Idee sieht eine Aufteilung der Arktis vor. Vom Nordpol sollen Winkel gezogen werden, die entlang der Längengrade bis zu den westlichsten und östlichsten Punkten der Nordküsten verlaufen würden.

Mit dpa

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