Das glücklichste Volk : Dänemark: Steuern zahlen mit einem Lächeln

Weil sie spüren, dass das Geld in Wohlfahrt für Kinder, Alte und andere fließt, zahlen die Dänen gerne die höchsten Steuern der Welt.
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Weil sie spüren, dass das Geld in Wohlfahrt für Kinder, Alte und andere fließt, zahlen die Dänen gerne die höchsten Steuern der Welt.

Wie die Dänen es schaffen, trotz der höchsten staatlichen Abgabenquote weltweit das glücklichste Volk auf Erden zu sein.

shz.de von
01. Januar 2015, 12:00 Uhr

Kopenhagen | Eine Untersuchung im Sommer 2014 hat es erneut gezeigt: Die Dänen zahlen ihre Steuern mit großer Freude. Und das trotz der weltweit höchsten Fiskalquote. Die Studie des Meinungsforschungsinstituts Gallup hat die Einstellung der Dänen zum Steuernzahlen unter die Lupe genommen. 38 Prozent antworteten, dass sie ihre Steuern mit Vergnügen entrichten, während die Hälfte der Befragten zu erkennen gab, dass sie ihre Steuern zumindest teilweise mit Freude entrichten. Nur drei Prozent waren völlig anderer Ansicht und antworteten, dass sie ihre Steuern nicht mit Freude zahlen.

Jørgen Goul Andersen, Wohlstandsforscher von der Universität Aalborg, meint, dass die Studie ein glasklarer Beweis dafür ist, dass die meisten Dänen ihre Steuern mit großer Zufriedenheit zahlen. „Derartige Untersuchungen darf man nicht zu wörtlich nehmen, aber im Großen und Ganzen spiegelt die Befragung wider, dass die Dänen gegenüber Steuern positiv eingestellt sind. Das ist in unserem Land nichts Neues. In Dänemark sind wir traditionell gutwillig, wenn es um dieses Thema geht“, sagt Goul Andersen.

Er meint, dies liege daran, dass die Bürger spüren, dass der Staat ihr Geld gut ausgibt und bewirkt, dass sie in einer wohlgeordneten Gesellschaft leben können. „Sie wissen, dass die Steuer dazu beiträgt, die Ausbildung ihrer Kinder zu finanzieren, dass ihr Nachwuchs in Kindergärten und Horten betreut wird und dass ihnen selbst geholfen wird, wenn sie in Schwierigkeiten geraten. Die Steuern finanzieren Dinge, die bewirken, dass dem Bürger eine Menge Sorgen abgenommen werden und sein Alltag funktioniert. Deshalb sind viele gegenüber hohen Steuersätzen positiv eingestellt“, sagt der Wohlfahrtsforscher.

Einer der Bürger, die ihre Steuer gerne zahlen, ist Henning Hyllested. Der Abgeordnete aus Südjütland sitzt für die sozialistische Einheitsliste im Folketing. Er ist sich mit Goul Andersen darin einig, dass die Menschen gerne Steuern zahlen, wenn sie den Eindruck haben, dass diese Kronen ihnen am Ende wieder selbst zugute kommen. „Ich glaube, je geringer ein Wohlfahrtsstaat ausgeprägt ist, desto unwilliger sind die Menschen, Steuern zu zahlen. Blickt man zum Beispiel auf die südeuropäischen Länder, wo das Wohlfahrtsniveau niedriger ist, ist auch die Freude, Steuern zu zahlen, wesentlich geringer. Im Ausland werden sich die Leute wundern, wie ein Volk wie wir so froh sein kann, Steuern zu zahlen. Diese Überraschung hängt meiner Meinung nach ausschließlich damit zusammen, dass sie sich nicht darüber im Klaren sind, wie breit unser Wohlfahrtssystem aufgestellt ist“, sagt Hyllested.

Mike Legarth aus Kolding, der für die Konservativen im dänischen Parlament sitzt, meint, dass die Aussage der Meinungsumfrage nicht nuanciert genug sei. Er hat zwar keinen Zweifel daran, dass viele Dänen ihre Steuern mit Freude bezahlen. Doch ist das seiner Ansicht nach nicht gleichbedeutend damit, dass alle damit zufrieden sind, wofür ihre Steuergelder verwendet werden.

„Sicher ist es logisch, dass man gern für ein vernünftiges Schulsystem, ein ebensolches Krankenhauswesen und eine ordentliche Polizei bezahlt. Das kostet Steuergeld. „Aber dass man Steuern aus Gründen zahlen soll, mit denen man nicht übereinstimmt, ist doch ein Schuss in den Ofen. Ich denke zum Beispiel an die besondere Besteuerung von Spitzeneinkommen, Erbschaftssteuer oder Abgaben auf Waren aus dem Grenzhandel. Das berücksichtigt die Untersuchung nicht“, gibt Legarth zu bedenken. Er fügt hinzu: Hätte er an der Umfrage teilgenommen, hätte er geantwortet, er bezahle seine Steuern teilweise mit Freude.

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