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Umfrage : Dänemark: Mehrheit der Südjüten befürwortet Grenzkontrollen

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Nur zwölf Prozent der Menschen in Südjütland wünschen sich die Abschaffung. Die Antworten variieren je nach Parteizugehörigkeit.

shz.de von
erstellt am 22.Jun.2016 | 10:32 Uhr

Apenrade | Die überwiegende Mehrheit der Südjüten und Nordschleswiger befürworten die derzeitigen deutsch-dänischen Grenzkontrollen. Das zeigt eine aktuelle Umfrage der dänischen Zeitung „JydskeVestkysten“ (JV). Von den 1011 Befragten bezeichneten 68 Prozent die Grenzkontrollen als eine „gute Idee“. 43 Prozent hoffen auf eine Fortführung der derzeitigen stichprobenartigen Überprüfungen, 36 Prozent wünschen sich eine 24-stündige Kontrolle an allen Grenzübergängen. Lediglich zwölf Prozent sprechen sich für eine Abschaffung der Kontrollen aus.

Kopenhagen setzt weiter auf Grenzkontrollen und begründet die Entscheidung mit der gesunkenen Anzahl von Flüchtlingen seit der Einführung. Aus Dänemark sind Maßnahmen zu erwarten, die auch das Miteinander im Grenzland weiter einschränken.

Bei der Umfrage variierten die Antworten je nach Parteizugehörigkeit. Während Anhänger der Dansk Folkeparti die Grenzkontrollen zu 97 Prozent gut finden, sind 56 Prozent der sozialdemokratischen Wähler dafür, bei Venstre-Getreuen sind es 77 Prozent, die die Grenzkontrollen als „gute Idee“ bezeichnen.

Der Parteivorsitzende der Schleswigschen Partei (SP), Carsten Leth Schmidt, sieht das Ergebnis der Umfrage als Ansporn, die aktuelle Debatte zur Flüchtlingssituation weiter mit Fakten anstatt mit Gefühlen anzureichern. „Das zeigt uns einmal mehr, dass wir eine große Aufgabe vor uns haben. Die öffentliche Wahrnehmung der Flüchtlingssituation entspricht nicht der Realität. Wir haben leere Zeltlager und jede Menge Kapazitäten, um viel mehr Flüchtlinge aufnehmen zu können. Und nicht zuletzt ist das Verhältnis zwischen Asylbewerbern und Mehrheitsbevölkerung so entspannt wie lange nicht“, so Leth Schmidt. „Das hat nicht zuletzt das Miteinander auf dem Knivsberg gezeigt, wo wir zusammen mit Flüchtlingen gefeiert haben.“ Er macht das in seinen Augen in den Medien verzerrt dargestellte Bild verantwortlich für derartige Zustimmungswerte für Grenzkontrollen. „Diese populistische Welle hat Furcht und Feindseligkeit gebracht, die eigentlich unnötig sind.“

Die SP verfolgt Pläne, als regionale Partei für den Regionsrat zu kandidieren. Wird sich die SP in Sachen Grenzkontrollen dem Wählerwillen annähern, um Stimmen zu holen? „Das Ergebnis dieser Umfrage lässt die SP ganz sicher nicht umdenken. Im Gegenteil – wir sehen, welch Aufgabe vor uns liegt, die Menschen davon zu überzeugen, dass es kein guter Weg ist, sich abzuschotten. Dass die Aufgabe, die vor Europa liegt, nur mit gemeinsamen politischen Lösungen geschafft werden kann und nicht mit Abgrenzung.“

Das Ergebnis ist eine unerwartet deutliche Positionierung der regionalen Bevölkerung, findet Wahlforscher Roger Buch von Dänemarks Medien- und Journalistenhochschule. „Es ist sehr überraschend, dass nur zwölf Prozent die Grenzkontrollen wieder abschaffen wollen“, so Buch zu JV. „Dennoch wollen mehrere Parteien die Kontrollen  beenden. Außerdem ist es bemerkenswert, dass die Kontrollen, soweit wir wissen, eine sehr begrenzte Wirkung zeigen“, so Buch, „der Rückgang der Asylbewerber hat vermutlich wenig mit den Grenzkontrollen zu tun.“

Dänemark überprüft seit Anfang Januar wegen der hohen Flüchtlingszahlen stichprobenartig Pässe an der Grenze. Die Kontrollen werden zunächst bis Mitte November fortgesetzt. Im Mai hatten etwa 350 Menschen Asyl in Dänemark gesucht. Nach Angaben von Regierungschef Lars Løkke Rasmussen ist das die niedrigste Zahl in einem Monat seit 2012. Seit kurzem kontrollieren auch Mitglieder der dänischen Heimwehr an der Grenze.

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