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Jeb Bush in Berlin : Clinton gegen Bush 2016: Wieder ein Familien-Duell?

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Bei der US-Präsidentschaftswahl könnte Hillary Clinton gegen Jeb Bush antreten. Viel Brisanz und Epos wären garantiert.

shz.de von
erstellt am 09.Jun.2015 | 17:43 Uhr

Noch hat er sich gar nicht offiziell für die Präsidentschaft in den USA beworben. Dennoch wird ihm in Berlin schon der rote Teppich ausgerollt. Jeb Bush trifft Kanzlerin Merkel, Finanzminister Schäuble und Außenminister Steinmeier. Der Republikaner ist in der Stadt, um bei einer Konferenz des CDU-nahen Wirtschaftsrates eine Rede zu halten. Dass er sich als Privatmann ohne Amt mit der deutschen Polit-Elite treffen darf verdankt der 62-Jährige seinem prominenten Nachnamen.

Sollte er tatsächlich Präsident der Vereinigten Staaten werden, wird er der dritte der Bush-Dynastie sein, der den Sprung ins Weiße Haus schafft. Vater George H. W. Bush war von 1989 bis 1993 US-Präsident, unterstützte die deutsche Wiedervereinigung und begann 1991 den Krieg gegen den Irak zur Befreiung Kuwaits. Das förderte sein Popularität enorm.

Wirklich beliebt ist Jebs älterer Bruder George W. hingegen nicht. Er residierte von 2001 bis 2009 im Weißen Haus. Sein harter Kurs gegenüber der „Achse des Bösen“, mit der er die Welt in Schwarz und Weiß einteilte, und der Einmarsch in den Irak im März 2003 brachte ihm auch bei Verbündeten wie Deutschland Kritik ein. Trotzdem traf seine Politik nach den 9/11-Anschlägen einen Nerv.

 

Und was ist mit Jeb Bush? Politisch unerfahren ist er auch nicht. 1998 wurde er, der eigentlich John Ellis heißt, Gouverneur von Florida und absolvierte die maximale Amtszeit von acht Jahren. Verheiratet ist er mit einer Mexikanerin und genießt das Vertrauen der Latinos in den USA. Das könnte ihm viele Stimmen bringen.

Eine Aufnahme aus dem Jahr 2006: George H. W. Bush (links) mit seinen beiden Söhnen George W. (Mitte) und Jeb. Wird Letzterer auch Präsident der Vereinigten Staaten?
Eine Aufnahme aus dem Jahr 2006: George H. W. Bush (links) mit seinen beiden Söhnen George W. (Mitte) und Jeb. Wird Letzterer auch Präsident der Vereinigten Staaten? Foto: dpa
 

Bei Twitter und Facebook macht er ordentlich Werbung für den 15. Juni. Dann will er das offene Geheimnis offiziell verkünden:

Wenn Jeb Bush tatsächlich Kandidat der Republikaner werden sollte – zehn Kandidaten haben bereits ihren Hut in den Ring geworfen – könnte es zu einem Duell mit Demokratin Hillary Clinton kommen. Im April gab die Demokratin ihre Kandidatur bekannt.

Bush gegen Clinton? Es wäre nicht das erste Duell zwischen Mitgliedern der beiden Familien. 1993 löste Demokrat Bill Clinton Bush Senior als US-Präsident ab. Ein Wahlkampf-Beispiel aus den frühen 1990ern:

Clinton regierte die USA bis 2001. Dass er das so lange durfte, stand zwischenzeitlich auf der Kippe. Denn 1998 wurde ein Amtenthebungsverfahren gegen ihn eingeleitet. Der Grund: Unter Eid hatte Clinton ausgesagt, dass er keinerlei sexuelle Beziehungen zu seiner Praktikantin Monica Lewinsky hatte. Auf einer Pressekonferenz dementierte er eine Affäre aufs Schärfste. Der Satz „I did not have sexual relations with that woman“ bleibt einer seiner bekanntesten Sätze.

Doch das war gelogen, wie der Präsident im selben Jahr zugab. Das Amtsenthebungsverfahren scheiterte aber, Clinton blieb weiter im Amt – bevor er von George W. Bush abgelöst wurde. Wie sehr Clinton die Affäre geschadet hat, ist schwer zu beurteilen. Fest steht, dass er heute weltweit einen guten Ruf genießt. Und auch seine Frau Hillary hielt trotz der Lewinsky-Affäre zu ihm. Die beiden sind bis heute ein Paar.

 

Zurück zur Politik und dem nächsten vermeintlichen Duell zwischen Familie Clinton und Familie Bush: Anders als Jeb Bush ist Hillary Clinton mit der weltweiten Politik-Bühne vertraut. Zwar scheiterte ihre Präsidentschaftskandidatur 2008 am heutigen Amtsinhaber Barack Obama, als Außenministerin sammelte sie allerdings von 2009 bis 2013 Erfahrung. Ihr Bekanntheitsgrad lässt sich unter anderem an der Zahl ihrer Follower festmachen. 3,63 Millionen Menschen sind es bei Twitter. Ihr vermeintlicher Herausforderer zählt bislang nur 193.000.

Ein Duell zwischen Clinton und Bush würde viel Brisanz und Epos in den Wahlkampf bringen. Seit 1980 spielt Familie Bush beim Thema Präsidentschaft eine Rolle. Damals unterlag George H. W. Bush in den Vorwahlen gegen Ronald Reagan, der die USA von 1981 bis 1989 regierte. Bush war sein Vize und folgte ihm anschließend im Amt. Was folgte, ist nicht nur Teil der US-amerikanischen Geschichte, sondern auch der zweier Familien. Mittlerweile kommt so manchem Kritiker die nationale Politik wie eine Familienarena vor. Und nun erwartet das Land womöglich demnächst die nächste „epochale Schlacht“, wie das Duell Clinton-Bush bereits tituliert wird.

Wer weiß, vielleicht löst ja bald eine der beiden Familien die Kennedys als „Königshaus“ in den USA ab. Der Mythos begann bei ihnen mit JFK.

John F. Kennedy: Der 35. Präsident der USA.
John F. Kennedy: Der 35. Präsident der USA. Foto: dpa
 

John F. Kennedy wurde 1961 Präsident und zwei Jahre später erschossen. Seitdem sind die Kennedys von der politischen US-Bühne nicht mehr wegzudenken. Bis heute sind sie in der Politik aktiv.

(mit dpa)

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