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Whistleblowerin bald in Freiheit : Chelsea Manning wird aus Gefängnis entlassen: Das ist ihre Geschichte

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Der Fall Manning - von der Verhaftung bis zum letzten Tag in Gefangenschaft. shz.de mit einer Chronik

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erstellt am 16.Mai.2017 | 16:51 Uhr

Leavenworth | Für die einen ist sie eine Heldin, für die anderen eine Landesverräterin. Seit fast sieben Jahren sitzt Chelsea Manning im Gefängnis, weil sie Hunderttausende geheime Dokumente des US-Militärs und des Außenministeriums an Wikileaks weitergegeben hat.

Bereits 2013 stellte die Whistleblowerin Chelsea Manning ein Gnadengesuch an den damaligen US-Präsidenten Barack Obama. Doch erst kurz bevor er sein Amt niederlegte, begnadigte Obama sie. Ihr Strafmaß wurde reduziert. Am Mittwoch soll die 29-Jährige aus dem US-Militärgefängnis in Fort Leavenworth entlassen werden.

Chelsea Manning hatte als Soldat Bradley Manning im Irak gedient. Sie hatte einen Top-Secret Status. 2010 wurde sie unter dem Verdacht festgenommen, Wikileaks rund 800.000 geheime Dokumente der Armee und des Außenministeriums zugespielt zu haben. Darunter waren Aufnahmen aus Bagdad, die den tödlichen Beschuss irakischer Zivilisten und Journalisten aus einem US-Kampfhubschrauber zeigen. 2013 verurteilte sie das Militärgericht. Zusätzlich wurde Manning unehrenhaft aus der Armee entlassen und rückwirkend im Rang degradiert.

<p>US-Army Bild von Bradley Manning, der sich heute als Chelsea Manning identifiziert.</p>

US-Army Bild von Bradley Manning, der sich heute als Chelsea Manning identifiziert.

Foto: Imago/US-Army

Manning legte ein Teilgeständnis ab. Sie sagte, sie habe immer nur Menschen helfen, aber sie niemals verletzen wollen. Wikileaks-Gründer Julian Assange erklärte stets, Mannings Informationen hätten niemals Schaden für einen US-Bürger verursacht.

In einer Chronik zeigt shz.de die Geschichte der Whistleblowerin:

17. Dezember 1987  Chelsea Elizabeth Manning wird als Bradley Edward Manning in Oklahoma City geboren.

2007 Manning bewirbt sich bei der United States Army. Bereits vorhandene Computerkenntnisse gaben nach der Grundausbildung in Fort Leonard Wood den Ausschlag für die weitere militärische Verwendung.

Juli 2007: Mindestens zwölf Zivilisten sterben im Irak beim Angriff eines US-Kampfhubschraubers. Unter den Toten sind zwei irakische Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters.

April 2010: Ein im Webportal Wikileaks aufgetauchtes Video der Attacke sorgt für Aufsehen. Festgehalten sind auch die teils zynischen Kommentare des Piloten. Die Soldaten hätten geglaubt, auf Aufständische zu schießen, teilt das US-Militär mit.

Mai 2010: Die Militärs verhaften den Soldaten Bradley Manning, der Wikileaks das Video zugespielt haben soll. Er hatte für die USA in Bagdad geheimdienstliche Informationen analysiert. Bald darauf wird Manning wegen Geheimnisverrats angeklagt.

März 2011: US-Medien berichten, Manning sei in weiteren Punkten angeklagt worden. Er soll Wikileaks viele andere geheime Dokumente zugespielt haben. Die Plattform machte die Informationen über die Kriege im Irak, in Afghanistan und vertrauliche Diplomatendepeschen via Internet öffentlich.

<p>Manning wird am 16. Dezember 2011 vom Militärgericht auf dem US-Stützpunkt Fort Meade, Maryland, weggeführt. </p>

Manning wird am 16. Dezember 2011 vom Militärgericht auf dem US-Stützpunkt Fort Meade, Maryland, weggeführt.

Foto: Imago/Zuma Press
 

Dezember 2011: Auf dem Stützpunkt Fort Meade bei Washington erscheint Manning zu einer Anhörung erstmals vor einem Militärgericht.

Februar 2012: Manning werde der Prozess gemacht, teilt die US-Armee mit. Es ist der erste große Militärprozess gegen einen sogenannten Whistleblower in den USA. Manning droht eine lebenslange Haft.

<p>Demonstranten von AI Amnesty International mit Transparenten.</p>

Demonstranten von AI Amnesty International mit Transparenten.

Foto: Imago/Ralph Peters

Juni 2013: Nach mehrfacher Verschiebung beginnt der Prozess in Fort Meade. Im Juli sprechen die Richter den zum Teil geständigen Manning unter anderem wegen Spionage, Geheimnisverrats, Computerbetrugs und Diebstahls schuldig.

<p>Der wegen Geheimnisverrat angeklagte US-Soldat Bradley Manning (r.) wird am 10. Juni 2013 in den Gerichtssaal eines Militärgerichts in Fort Meade, Maryland geführt.</p>

Der wegen Geheimnisverrat angeklagte US-Soldat Bradley Manning (r.) wird am 10. Juni 2013 in den Gerichtssaal eines Militärgerichts in Fort Meade, Maryland geführt.

Foto: Pete Marovich/dpa

August 2013: Manning wird zu 35 Jahren Haft verurteilt. Bald darauf lässt er über seinen Anwalt mitteilen, dass er eine Hormontherapie beginnen, künftig als Frau leben und sich Chelsea nennen will.

<p>Die ehemalige Wikileaks-Informantin Chelsea Manning (undatierte Aufnahme) mit Perücke.</p>

Die ehemalige Wikileaks-Informantin Chelsea Manning (undatierte Aufnahme) mit Perücke.

Foto: U.S. Army/dpa

Mannings Haftbedingungen waren anfangs von seltener Härte. Mehrfach verlegt, war sie als einzige Frau in einem Militärgefängnis unter lauter Männern. Menschenrechtler brandmarkten ihre Haft als eine Art Folter. Amerikanische Politiker forderten die Todesstrafe. In der Haft soll Manning mehrfach versucht haben, sich das Leben zu nehmen.

September 2016: Nach der Zusage der Armeeführung, Manning als Transgender einen operativen Eingriff zur Geschlechtsumwandlung zu ermöglichen, beendet Manning einen Hungerstreik.

Januar 2017: US-Präsident Barack Obama begnadigt die Whistleblowerin kurz vor dem Ende seiner Amtszeit.

<p>New Yorker Zeitungen berichten nach der Begnadigung  Mannings über Barack Obamas Entscheidung. </p>

New Yorker Zeitungen berichten nach der Begnadigung  Mannings über Barack Obamas Entscheidung.

Foto: Richard B. Levine/Imago
 

17. Mai 2017: Chelsea Manning soll aus dem Militärgefängnis entlassen werden.

(mit dpa)

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