Texas „Harvey“ : Chaos nach dem Sturm: Langsam werden die Schäden sichtbar

Texas kämpft weiter mit den Folgen des Tropensturms „Harvey“.

Texas kämpft weiter mit den Folgen des Tropensturms „Harvey“.

Explosionen, keine Wasserversorgung: Die Szenen, die sich in Texas abspielen bleiben dramatisch.

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01. September 2017, 08:23 Uhr

Houston | Das ganze Ausmaß der Zerstörung durch den Sturm „Harvey“ wird jetzt erst langsam sichtbar. Obwohl die Großstadt Houston von weiteren Regenfällen verschont geblieben ist, bleibt die Situation angespannt. Die Solidarität mit den Flutopfern ist immens.

Sturm zieht weiter

„Harvey“ zieht weiter, aber Texas kommt nicht zur Ruhe: In den überschwemmten Gebieten kämpfen die Menschen mit den beängstigenden Folgen des Sturms. In einer Chemiefabrik nahe der Metropole Houston kam es am frühen Donnerstagmorgen zu zwei Explosionen. Es brannte, über dem Gelände stieg schwarzer Rauch auf.

„Harvey“ war am Freitag erstmals in Texas auf Land getroffen. Binnen weniger Tage fielen in dem Staat mancherorts bis zu 1250 Liter Regen pro Quadratmeter - ein Rekord für das Festland der USA. Zahlreiche Flüsse, darunter der Colorado, traten über die Ufer, Stauseen ergossen ihre Fluten über die Dämme. Einige Dämme wurden zur Entlastung bewusst geöffnet, das führte zu weiteren Überschwemmungen. Inoffizielle Schätzungen gehen bisher von mehr als 30 Todesopfern aus.

Blick auf das überschwemmte Gebiet von Port Arthur.
dpa

Blick auf das überschwemmte Gebiet von Port Arthur.

 

Staaten rüsten sich

Das US-Hurrikan-Zentrum stufte „Harvey“ inzwischen zu einem tropischen Tiefdruckgebiet herunter. Am Donnerstag zog es östlich durch Louisiana. Auch Mississippi, Tennessee und Kentucky rüsteten sich für mögliche Überschwemmungen.

Unübersichtliche Lage 

Nach den Explosionen in der Chemiefabrik in Crosby war die Lage unübersichtlich. Die Behörden machten widersprüchliche Aussagen dazu, wie gefährlich die Situation für die Menschen war. Die Anlage, die etwa 40 Kilometer von Houston entfernt liegt, war bereits am Sonntag wegen Überschwemmungen evakuiert worden. In der Nacht zum Donnerstag kam es dann nach Darstellung des Betreibers zu zwei kleineren Explosionen und Feuern.

Der Leiter der Katastrophenschutzbehörde FEMA sagte in Washington, die Rauchwolke sei „unglaublich gefährlich“. Der Sheriff von Harris County erklärte dagegen, der Rauch sei nicht giftig. Es gebe keine Gefahr für die Bewohner. Die Umweltbehörde des Bundesstaates warnte wiederum davor, den Qualm einzuatmen.

Angespannte Lage: Die US-Grenzpolizei fährt durch die überflutete Straße.
dpa

Angespannte Lage: Die US-Grenzpolizei fährt durch die überflutete Straße.

 

15 Polizisten im Krankenhaus

Richard Rennard von der Betreiberfirma Arkema sagte, der Rauch sei schädlich. Die Giftigkeit sei aber „etwas Relatives“. Wenn man den Rauch einatme, führe das zu Reizungen der Lunge. 15 Polizisten, die das Gelände gesichert hatten, kamen ins Krankenhaus. Nach Darstellung des Sheriffs wurden sie wegen brennender Augen und gereizter Lungen behandelt.

Die Behörden richteten eine Sperrzone mit einem Radius von 2,4 Kilometern ein. Anwohner waren bereits am Mittwoch in Sicherheit gebracht worden. Die Betreiber rechneten damit, dass es in der Fabrik zu weiteren Bränden und Explosionen kommen könnte.

Angespannte Lage in Beaumont

Auch in anderen Orten in Texas blieb die Lage angespannt: Die Städte Beaumont und Port Arthur kämpften mit Überschwemmungen - hier waren innerhalb von 24 Stunden 660 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen.

Nach Angaben der Behörden brach in Beaumont die Wasserversorgung zusammen, nachdem die zentrale Pumpanlage dem Druck eines angeschwollenen Flusses nachgegeben hatte. Die Versorgung könne erst wieder hergestellt werden, wenn der Wasserpegel sinke.

Hilfe aus Venezuela und Mexiko

Trotz des schwelenden Konflikts zwischen Caracas und Washington erklärte die venezolanische Regierung, den Hurrikan-Opfern in den USA helfen zu wollen. Venezuela werde bis zu fünf Millionen US-Dollar (etwa 4,2 Millionen Euro) für betroffene Familien in Houston und Corpus Christi bereitstellen, kündigte Außenminister Jorge Arreaza an.

Auch Mexiko hatte dem Nachbarland trotz des Streits um die von US-Präsident Donald Trump geplante Grenzmauer und die konfliktreiche Nachverhandlung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens Nafta Unterstützung angeboten. Mexiko hatte den USA schon nach dem schweren Hurrikan „Katrina“ geholfen. Damals waren Hunderte Soldaten und Ärzte in die Vereinigten Staaten gekommen.

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