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Kommentar zu Ursula von der Leyen : Bundeswehr-Affäre: Die Verantwortung lässt sich nicht abwälzen

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Wenn von der Leyen von Führungsschwäche spricht, wirft das in erster Linie ein schlechtes Bild auf sie selbst, meint Julian Heldt.

shz.de von
erstellt am 03.Mai.2017 | 08:33 Uhr

Ursula von der Leyen ist eine Politikerin, die ihre Worte mit Bedacht wählt. Interviewfragen lässt sich die Verteidigungsministerin gerne im Voraus zukommen, Auftritte in TV-Talkshows sind in den vergangenen Jahren deutlich weniger geworden. Man kann also nur darüber rätseln, was von der Leyen am Wochenende zu ihrer scharfen Attacke gegen die Truppe trieb. „Die Bundeswehr hat ein Haltungsproblem, und sie hat offensichtlich eine Führungsschwäche auf verschiedenen Ebenen“, ließ sie vor laufenden Kameras verlauten. 

Was von der Leyen bei ihrer Kritik offensichtlich vergisst: Sie ist die oberste Chefin der Bundeswehr. Wenn die CDU-Ministerin also von Führungsschwäche spricht, wirft dies in erster Linie ein schlechtes Bild auf sie selbst. Natürlich trägt von der Leyen keine Schuld daran, dass sich ein rechtsextremer Soldat unter falscher Identität in ein Flüchtlingsheim einschleuste. Auch konnte sie die jüngsten Misshandlungsfälle in den Kasernen nicht verhindern. Aber sie trägt als Oberbefehlshaberin der Bundeswehr die Verantwortung für all diese Vorgänge. Eine Verantwortung, die sich nicht auf untere Dienstebenen abwälzen lässt.

Wie es richtig gemacht wird, zeigte von der Leyen am Dienstag. Nach Hinweisen auf ein rechtsextremes Netzwerk in der Bundeswehr zog die Verteidigungsministerin die Ermittlungen an sich, sagte kurzerhand die geplante USA-Reise ab und berief für Mittwoch ein Spitzentreffen mit militärischen Führungskräften ein. So funktioniert Verantwortung!

Und doch wird die Kritik an von der Leyen in den kommenden Tagen nicht verstummen. Vor allem in der Truppe dürfte der Vertrauensverlust nach den Pauschalvorwürfen groß sein. Wie sonst soll ein in Mali oder Afghanistan stationierter Soldat auch reagieren, wenn ihm trotz seines vorbildlichen Dienstes für das Vaterland mangelnde Haltung vorgeworfen wird – und das von der eigenen Chefin? In der Vergangenheit waren Verteidigungsminister in der Bundeswehr stets beliebt. Man erinnere an SPD-Mann Peter Struck oder Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) – trotz Plagiatsaffäre. Von der Leyen hingegen könnte nach ihrem Eigentor vom Wochenende als einer der unbeliebtesten Verteidigungsminister in die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland eingehen.

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