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Nach Germanwings-Absturz : Bundestag beschließt strengere Kontrollen für Piloten

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Tests auf Alkohol und Medikamente sollen bei Dienstanstritt gemacht werden - für mehr Sicherheit an Bord.

shz.de von
erstellt am 14.Apr.2016 | 12:24 Uhr

Berlin | Für Piloten soll es künftig strengere Drogen- und Alkoholkontrollen geben. Das beschloss der Bundestag am Donnerstag mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen als Reaktion auf die Germanwings-Katastrophe vor gut einem Jahr. Nach dem neuen Gesetz sollen Fluggesellschaften untersuchen, ob ein Pilot bei Dienstantritt unter dem Einfluss von „Medikamenten, Alkohol oder anderen psychoaktiven Substanzen“ steht, wenn ein entsprechender Verdacht besteht. Daneben sind Zufallskontrollen geplant.

Der Absturz der Maschine vor über einem Jahr in Frankreich hatte weltweit Entsetzen ausgelöst - und die Debatte über Sicherheit in Flugzeugen neu angefacht. Auch die Terror-Anschläge tragen dazu bei, sich immer wieder neu mit der Sicherheit an Bord zu beschäftigen.

Experten weltweit sähen in der Diskussion über solche Kontrollen einen positiven Effekt für die Sicherheit in der Luftfahrt, sagte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) bei der Debatte im Bundestag.

Die Germanwings-Maschine war im März 2015 in den französischen Alpen zerschellt. Der Copilot, der das Flugzeug den Ermittlungen zufolge absichtlich zum Absturz gebracht hatte, soll psychische Probleme gehabt haben. Alle 150 Menschen an Bord starben.

Die Hinterbliebenen der Opfer Absturzes haben derweil Klage gegen eine Flugschule in den USA vor einem Gericht in Phoenix (Arizona) eingereicht. Das teilte die Anwaltskanzlei Kreindler & Kreindler in New York der Deutschen Presse-Agentur mit. Die Flugschule Airline Training Center in Phoenix ist eine Einrichtung der Lufthansa Flight Training GmbH. Germanwings gehört zur Lufthansa-Gruppe.

Die Hinterbliebenen von 80 Opfern des Absturzes wollen in den USA die Flugschule haftbar machen, an der der Copilot Andreas Lubitz ausgebildet wurde. Es geht um Schadenersatz in Millionenhöhe.

Die Schule hätte von den psychischen Problemen ihres Schülers wissen können und ihn nicht zum Piloten ausbilden dürfen, lautet die Argumentation. Lufthansa und Germanwings lehnen eine Verhandlung des Falles in den USA ab. An der Klage haben mehrere Anwaltskanzleien aus Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien mitgearbeitet, wie Kreindler & Kreindler mitteilte.

Die Lufthansa-Flugschule sei nachlässig und leichtsinnig gewesen, sagte Rechtsanwalt Brian Alexander von Kreindler & Kreindler. Sie habe ihre selbstgesetzten Standards nicht erfüllt. Klare Warnhinweise seien übersehen worden. „Ein ordentliches Screening hätte seine Krankheitsgeschichte mit schweren Depressionen offengelegt“, heißt es in der Klage. Lubitz sei eine Zeitbombe gewesen.

Neben einer angemessenen Entschädigung soll die Klage auch ein Schlaglicht auf das Regelwerk für den Umgang mit psychischen Erkrankungen in der Luftfahrt werfen. Es bestehe eine große Notwendigkeit, Piloten künftig regelmäßigen Tests zu unterziehen, um die Sicherheit der Passagiere zu gewährleisten.

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