Fall Trinh Xuan Thanh : Bundesanwaltschaft erhebt Anklage wegen entführtem Vietnamesen

Dem Geschäftsmann Trinh Xuan Thanh wird zur Last gelegt, Schmiergeld angenommen zu haben.
Der Geschäftsmann Trinh Xuan Thanh wurde in Vietnam zu lebenslanger Haft verurteilt.

Die Entführung und Verturteilung des Vietnamesen belasten die Beziehungen zwischen Deutschland und Vietnam.

shz.de von
07. März 2018, 12:42 Uhr

Karlsruhe | Im Fall des mutmaßlich aus Deutschland nach Vietnam entführten Geschäftsmanns Trinh Xuan Thanh hat die Bundesanwaltschaft Anklage gegen einen 47 Jahre alten Vietnamesen erhoben. Der Mann werde verdächtigt, sich an der Entführung des ehemaligen kommunistischen Funktionärs und seiner Begleiterin am 23. Juli 2017 in Berlin beteiligt zu haben, teilte die Bundesanwaltschaft am Mittwoch in Karlsruhe mit. Die Anklage vor dem Staatsschutzsenat des Kammergerichts Berlin lautet auf geheimdienstliche Agententätigkeit und Beihilfe zur Freiheitsberaubung.

Der Fall Thanh belastet die Beziehungen zwischen Deutschland und dem kommunistischen Einparteienstaat seit vergangenem Sommer massiv. Die mutmaßliche Verschleppung mitten aus Berlin im Juli 2017 hatte weltweit Schlagzeilen gemacht. Anfangs hatte die Bundesregierung Thanhs sofortige Freilassung gefordert – ohne jeden Erfolg. Zumindest gelang es nun aber, die Todesstrafe zu vermeiden.

Thanh zum zweiten Mal zu lebenslang verurteilt

Trinh Xuan Thanh wurde inzwischen in Vietnam wegen Korruption und Misswirtschaft zu lebenslanger Haft verurteilt. Für den kommunistischen Ex-Funktionär bedeutet dies bereits die zweite Lebenslang-Strafe innerhalb von 14 Tagen.

Thanhs deutsche Anwältin Petra Schlagenhauf warf dem Gericht in Vietnam vor, sein Urteil sei politisch motiviert und habe von vornherein festgestanden. Die Staatsanwaltschaft habe keine Beweise vorbringen können, die eine Verurteilung gerechtfertigt hätten, hieß es in ihrer Erklärung.

Es werde versucht, der gewaltsamen Entführung Thanhs aus Berlin durch ein Kommando des vietnamesischen Geheimdienstes nachträglich einen Anschein von Recht zu verleihen. Dies könne insbesondere durch Deutschland nicht hingenommen werden.

Die Hoffnung der Verteidigung ruht nun darauf, dass der Geschäftsmann in einem Berufungsprozess ein milderes Urteil bekommt. Zudem gibt es hinter den Kulissen Bemühungen, die Haftstrafe zu reduzieren.

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