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Anstehende Friedensverhandlungen : Bürgerkrieg im Jemen: Waffenruhe überwiegend ruhig

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Im Jemen gab es trotz Waffenruhe vereinzelt Gefechte und sogar Luftangriffe. Die Entwicklung ist ein wichtiges Signal für anstehende Friedensverhandlungen.

shz.de von
erstellt am 11.Apr.2016 | 07:57 Uhr

Sanaa | Sie wurde langerwartet und ist trotz vereinzelter Kämpfe in den ersten Stunden zum großen Teil eingehalten worden: Die Waffenruhe im Jemen. Aus der zentraljemenitischen Großstadt Tais wurden trotz der um Mitternacht (Ortszeit) in Kraft getretenen Feuerpause anhaltende Kämpfe berichtet. Nach Angaben von Anwohnern hätten die aufständischen Huthi-Rebellen dort Wohngebiete beschossen. In den Provinzen Tais und Lahdsch habe es zudem Luftangriffe der saudisch-geführten Militärkoalition gegeben. In der von den Huthis kontrollierten Hauptstadt Sanaa blieb es Berichten zufolge erst einmal ruhig.

Der aktuelle Konflikt im Jemen reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Die schiitischen Huthi-Rebellen kämpfen gegen die jemenitische Regierung des 2014 gestürzten Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi. Dabei sollen durch die Rebellen auch Kindersoldaten eingesetzt werden.

Der UN-Vermittler Ismail Ould Cheikh Ahmed begrüßte den Beginn der Waffenruhe. Er forderte nach Angaben der Vereinten Nationen alle Konfliktparteien dazu auf, das Abkommen einzuhalten. Es sei ein erster Schritt für den Jemen zum Frieden. Es dürfe nicht noch mehr Tote geben, mahnte er. Alle Seiten müssten bereit sein, schwierige Kompromisse einzugehen.

Nach Monaten verheerender Kämpfe gilt die UN-vermittelte Waffenruhe seit 23 Uhr (MESZ) im gesamten Land. Kurz zuvor hatten sowohl die Huthis als auch das saudische Militärbündnis mitgeteilt, diese achten zu wollen. Die Einhaltung der Feuerpause wäre dabei auch wichtiges Signal für die geplanten Friedensverhandlungen am 18. April in Kuwait. 

Die schiitischen Huthis kontrollieren große Teile vor allem im Norden und Westen und kämpfen gegen Truppen und Verbündete von Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi. Seit März 2015 bombardiert die Militärkoalition Stellungen der Rebellen im Land. Nach UN-Angaben sind im Jemen vergangenes Jahr etwa 9000 Menschen ums Leben gekommen - mehr als 3000 davon Zivilisten. Frühere Feuerpausen hatten nicht zu einer Beruhigung des Konflikts führen können.

Internationale Hilfsorganisationen hatten am Sonntag vor einem Scheitern der Waffenruhe gewarnt. Sollte die Feuerpause wieder nicht stabil bleiben, hätte dies katastrophale Auswirkungen, teilten 16 Organisationen - darunter Oxfam, Save the Children und der Norwegische Flüchtlingsrat - in einer gemeinsamen Erklärung mit. Im Jemen seien schon jetzt über 82 Prozent der Bevölkerung - das sind mehr als 21 Millionen Menschen - auf Nothilfe angewiesen.

Hintergrund: Wer kämpft im Jemen?

Huthi-Rebellen:

Der schiitische Volksstamm aus dem Nordjemen rebellierte wegen empfundener Benachteiligung sowie Korruption und Vetternwirtschaft der Regierung. Er überrannte 2014 die Einheiten von Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi, zog in die Hauptstadt Sanaa ein und eroberte zwischenzeitlich auch Teile der Südküste mit der Hafenstadt Aden. Verbündet sind die Aufständischen mit Truppen des Ex-Präsidenten Ali Abdullah Saleh. Dem Iran wird vorgeworfen, die Huthis zu unterstützen. Teheran bestreitet das.

Abed Rabbo Mansur Hadi

Der ehemalige Machthaber Ali Abdullah Saleh machte seinen Stellvertreter 2012 auf Druck der verbündeten Golfstaaten zu seinem Nachfolger. Hadi, den eine Wahl ohne Gegenkandidaten im Amt bestätigte, erwies sich als schwach. Als die Huthis das Land eroberten, floh er nach Saudi-Arabien, von wo aus er bis heute regiert.

Ali Abdullah Saleh

Der bei den arabischen Aufständen gestürzte Langzeitpräsident weiß immer noch Teile der Armee hinter sich. In den Jahrzehnten seiner korrupten Herrschaft hatte er immense Reichtümer angehäuft. Das verschaffte ihm Zahlungsfähigkeit und Einfluss auf lange Dauer. Saleh verbündete sich schließlich mit den Huthis, deren Aufstände er als Präsident noch niedergeschlagen hatte, gegen seinen Nachfolger Hadi.

Saudische Militär-Koalition

Das sunnitische Militärbündnis unter Führung Riads fliegt - offiziell nach Hilfeersuchen Hadis - seit einem Jahr Angriffe in dem Bürgerkriegsland. Diese richten sich gegen Stellungen der Huthi-Rebellen, treffen aber auch immer wieder Zivilisten. In dem Bürgerkrieg sind im vergangenen Jahr nach UN-Angaben etwa 9000 Menschen ums Leben gekommen - mehr als 3000 davon Unbeteiligte. Teil der Allianz sind unter anderem die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait, Bahrain und Katar.

Terrororganisationen

Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP), der mächtigste Ableger des weltweit agierenden Terrornetzwerkes, sowie die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gelten als Gewinner im Machtpoker um den Jemen. Sie gewannen vor allem im Süden des Landes Einfluss.

 
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