Bücher für alle

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23. Juni 2014, 15:21 Uhr

Es war nur eine Frage der Zeit. Der Bertelsmann-Buchklub wird abgeschafft. Dabei war die Einrichtung eine geniale Erfindung und für Reinhard Mohn die Lizenz zum Gelddrucken. Klub-Mitglieder zahlten einen Beitrag und konnten sich dafür günstig ein Buch bestellen. Kam der Katalog ins Haus, begannen Aufregung und oft Ärger. Was soll man auswählen? Wurde der Bestelltermin verpasst, kam ein Päckchen mit dem „Hauptvorschlag“. Mit dem Ergebnis, dass in Tausenden Wohnstuben die gleichen Bücher standen. Cerams Bestseller „Götter, Gräber und Gelehrte“ fehlte nirgends, Remarques „Im Westen nichts Neues“ zählte ebenfalls zur literarischen Grundausstattung. Was heute belächelt wird, war bei der Klub-Gründung vor 65 Jahren ein geschätztes Bildungsangebot. Fast die Hälfte der Haushalte besaß damals kein „Lesebuch“. Wie Heuschrecken fielen Bertelsmanns Vertreter über die noch abwehrschwachen Familien her, und wie später Loriots Weinvertreter priesen sie die so überaus preisgünstigen und unentbehrlichen Inhalte ihrer Aktenkoffer an. Inzwischen gibt es ein Wiedersehen auf dem Flohmarkt. Jedes Stück ein Euro.

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