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Terror-Prozess in Hannover : Bruder von Safia S. wegen Anschlag auf Kaufhaus vor Gericht

vom

Der 18-Jährige warf zwei Molotow-Cocktails in den Eingang eines Einkaufszentrums. Seine Schwester sitzt bereits hinter Gittern.

shz.de von
erstellt am 08.Mai.2017 | 14:47 Uhr

Hannover | Seine jüngere Schwester Safia wurde wegen der ersten Terrorattacke im IS-Auftrag in Deutschland verurteilt. Seit Montag nun steht Saleh S. wegen eines islamistischen Brandanschlags in Hannover vor dem Landgericht. Die Anklage wirft dem 18-Jährigen versuchten Mord vor, weil er am 5. Februar 2016 zwei Molotow-Cocktails in den Haupteingang eines Einkaufszentrums geworfen haben soll. Verletzt wurde niemand.

Er hatte laut Anklage beabsichtigt, möglichst viele „Ungläubige“ zu töten. Nach der Attacke soll Saleh Richtung Syrien aufgebrochen sein, um sich der Terrormiliz Islamischer Staat anzuschließen, er kam aber in der Türkei in Haft.

Zu den Hintergründen einer Familie, aus der sich gleich zwei Geschwister für den islamistischen Terror begeisterten, erfährt die Öffentlichkeit zu Beginn des Prozesses nichts. Er findet hinter verschlossenen Türen statt, zum Tatzeitpunkt war Saleh noch ein Jugendlicher. Ob er am ersten Verhandlungstag die Tat eingeräumt oder etwas zu seinem Motiv erzählt hat, bleibt offen. Viel aber spricht dafür, dass die Wurzel der Radikalisierung nicht wie sonst häufig alleine in salafistischen Zirkeln oder der IS-Internetpropaganda lag.

Bekannt ist: Saleh und Safia wurden als Kinder eines deutschen Vaters und einer marokkanischen Mutter in Hannover geboren. Die Eltern trennten sich schon früh, die Mutter erzog ihre Kinder nach Darstellung des Vaters streng religiös. Sie soll beide unter anderem in eine umstrittene Moschee des Deutschsprachigen Islamkreises mitgenommen haben. Auf Youtube sind Videos zu sehen, die Safia als Grundschülerin mit dem Salafistenprediger Pierre Vogel beim Rezitieren des Korans zeigen.

Mit der Justiz in Berührung kommt ihr älterer Bruder Saleh - und das ist nicht untypisch für radikalisierte Islamisten - zunächst als mutmaßlicher Kleinkrimineller. Im September 2015 soll er in eine Auseinandersetzung unter jungen Leuten verwickelt gewesen sein, bei der es um Drogen ging und bei der ein junger Mann mit einem Messerstich verletzt wurde. Da es sich möglicherweise um Notwehr handelte und unklar war, ob tatsächlich Saleh zugestochen hatte, wurden die Ermittlungen eingestellt. Erst nach seiner Rückkehr aus türkischer Haft hefteten sich die Fahnder an seine Fersen.

Auf die Spur von Saleh als möglichem Molotow-Cocktail-Werfer kamen die Ermittler in der Folge bei einer Wohnungsdurchsuchung, die mit seiner Ausreise Richtung Syrien in Zusammenhang stand. Die Fahnder stießen dabei auf etwas, was sie darauf brachte, dass der junge Mann etwas mit dem Kaufhaus-Anschlag zu tun haben könnte. Anders als seine Schwester Safia (16), die vom Gericht jüngst wegen einer Messerattacke auf einen Polizisten im IS-Auftrag zu sechs Jahren Haft verurteilt wurde, handelte Saleh aus Sicht der Anklage auf eigene Faust.

Maximal drohen dem jungen Mann nach dem Jugendstrafrecht zehn Jahre Haft. In dem Prozess wird es auch um die Frage seiner Schuldfähigkeit gehen, denn er befindet sich seit dem vergangenen Jahr bereits in der Psychiatrie. Nach einem Zwischenfall auf einem öffentlichen Platz, bei dem er sich auffällig verhielt und die Polizei zwei Messer bei ihm fand, kam er zunächst freiwillig in die Psychiatrie. Nach einem Angriff auf einen Mitpatienten erging ein Unterbringungsbefehl.

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