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US-Lecks nach Manchester-Anschlag : Britische Polizei kooperiert wieder mit USA

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Nach dem Terroranschlag von Manchester wird die Zusammenarbeit von Großbritannien und den USA auf eine harte Probe gestellt.

shz.de von
erstellt am 26.Mai.2017 | 08:47 Uhr

Die Veröffentlichung heikler Informationen zum Terroranschlag von Manchester in den USA hat in Washington ernsthafte Fragen zum Umgang mit Geheimmaterial ausgelöst. Möglicherweise sei hier „ein Mangel an Disziplin“ einer mit derartigem Material ungewohnten Regierung im Spiel, sagte Mark Hertling, Militärexperte des Senders CNN. Einen „strukturellen Fehler“ und ein internes „Kommunikationsproblem“ vermutete der frühere außenpolitische Berater Aaron David Miller.

Nach dem Anschlag in Manchester hatten US-Behörden den amerikanischen Medien vertrauliche, polizeiliche Informationen zugespielt. Dies hatte für einen handfesten Krach zwischen London und Washington gesorgt. US-Präsident Donald Trump verurteilte die mutmaßlichen Durchstechereien amerikanischer Regierungsbehörden am Donnerstag scharf und kündigte an, das Justizministerium um Ermittlungen zu bitten. „Diese Leaks sensibler Informationen sind eine ernste Bedrohung unserer nationalen Sicherheit“, sagte Trump in Brüssel. Trump selbst soll vor wenigen Tagen vertrauliche Informationen eines befreundeten Geheimdienstes beim Besuch des russischen Außenministers Sergej Lawrow preisgegeben haben.

Die britische Regierung vermutet, dass US-Geheimdienstquellen forensische Aufnahmen vom Tatort der „New York Times“ zugespielt und damit die Ermittlungen in Gefahr gebracht haben. US-Medien hatten auch als erste den Namen des Attentäters publiziert. Nach einer Aussprache mit ihren US-Kollegen nahmen die britischen Ermittler den Informationsaustausch wieder auf, sagte Mark Rowley, der oberste britische Terror-Ermittler, in der Nacht zum Freitag. Die britischen Behörden hätten „neue Zusagen“ erhalten, dass den US-Behörden vertrauliches Material anvertraut werden könne, wurde Rowley von der Agentur PA zitiert.

Die Ermittler machen den 22-jährigen Salman Abedi, einen Briten libyscher Abstammung, für den Anschlag auf das Konzert der US-Sängerin Ariana Grande verantwortlich. Er hatte bei dem Attentat am Montag 22 Menschen mit den Tod gerissen, unter ihnen Kinder und Jugendliche.

Die Polizei geht davon aus, dass Abedi kein Einzeltäter war, sondern dass ein ganzes Terrornetzwerk hinter der Tat steckt. Der 22-Jährige sei dem britischen Geheimdienst zwar bekannt gewesen, er sei zuletzt aber nicht mehr regelmäßig überprüft worden, meldete die britische Nachrichtenagentur PA unter Berufung auf Regierungskreise.

Nach Angaben einer muslimischen Stiftung wussten die Behörden seit zwei Jahren von den extremistischen Tendenzen Abedis. Ein Aktivist habe die Anti-Terror-Behörde zweimal über extremistische Äußerungen des Mannes informiert, sagte der Vorsitzende der Ramadhan Foundation, Mohammed Shafiq. Auch Familienmitglieder hätten den Behörden von Abedis Radikalisierung berichtet. Das werfe Fragen darüber auf, was diese mit den Informationen gemacht hätten.

Bis Donnerstag wurden in Großbritannien im Zusammenhang mit dem Anschlag acht Personen festgenommen, unter ihnen nach Medienberichten auch der ältere Bruder Abedis. Der Polizeichef des Großraums Manchester, Ian Hopkins, wertete die Festnahmen als „bedeutend“.

In Libyen wurden nach Angaben libyscher Spezialkräfte der Vater und der jüngere Bruder des Attentäters festgenommen. Dieser Bruder war den Angaben zufolge mit den Einzelheiten des Anschlags vertraut.

Großbritannien hat nach dem Anschlag erstmals seit 2007 die höchste Terrorwarnstufe ausgerufen. Dadurch erhält die Polizei nun Hilfe vom Militär. Für Aufregung sorgte am Donnerstag kurzzeitig ein verdächtiges Paket, das in Manchester entdeckt worden war. Polizei und Armee rückten aus, die Gegend wurde weiträumig abgesperrt, das Paket stellte sich aber als harmlos heraus.

Nach jüngsten Zahlen der staatlichen Gesundheitsbehörde wurden bei der Anschlag weit mehr Menschen verletzt als zunächst bekannt. Insgesamt wurden 116 Menschen in Krankenhäuser gebracht, am Donnerstag waren noch 75 in stationärer Behandlung. 20 von ihnen sind noch in einem kritischen Zustand.

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