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Erklärungen für Mays Wahl-Debakel : Brexit, Schottland, Ukip: Fünf Knackpunkte der Briten-Wahl

vom
Aus der Onlineredaktion

Keine klare Mehrheit im zukünftigen britischen Parlament – wie konnte das passieren?

London | Ohrfeige für Theresa May und die Tories, Riesenerfolg für Jeremy Corbyn und Labour – so kann man die Parlamentswahl der Briten zusammenfassen. Aber was steckt dahinter? Warum kehren Schotten ihren Nationalisten den Rücken, ging es nur um den Brexit, und was ist eigentlich mit Ukip los? Ein paar Erklärungen für das, was in den britischen Wahlkabinen passiert ist.

1. SCHOTTLAND: Absage an ein zweites Schottland-Referendum? Die schottische Nationalpartei SNP hat 21 Sitze verloren, Ex-Parteichef Alex Salmond ist sein Mandat los. Schottlands Vize-Regierungschef John Swinney gab zu, dass dies was mit den SNP-Plänen für ein zweites Unabhängigkeitsreferendum zu tun haben dürfte. 2014 hatten die Schotten sich zu 55 Prozent gegen die Abspaltung entschieden. Fast sensationell ist, dass die Tories 13 Wahlkreise gewannen – das beste Ergebnis für sie seit 1983. Sie hatten Erfolg mit einem ausdrücklichen Pro-Großbritannien-Wahlkampf – noch ein Zeichen dafür, dass die Schotten von Unabhängigkeit erst mal genug haben.

2. JUNGE WÄHLER: Der linke Querkopf Jeremy Corbyn, 68 Jahre alt, elektrisiert vor allem die Jugend. Viele Kommentatoren gehen davon aus, dass überdurchschnittlich viele junge Wähler ein Grund für das maue Tory-Ergebnis waren. Die Wahlkommission meldete schon im Mai, dass sich besonders viele junge Menschen registrieren ließen. Vorstellbar, dass sie nicht den gleichen Fehler machen wollten wie beim Brexit-Referendum im vergangenen Jahr. Da waren die Jungen ganz überwiegend für einen Verbleib in der EU - aber die Wahlbeteiligung in dieser Altersgruppe niedrig. Dass Corbyn die Studiengebühren abschaffen will, hat sicher auch nicht geschadet.

3. UKIP: Von fast 13 auf rund zwei Prozent, die Anti-EU-Partei Ukip ist in dieser Wahl so gut wie in der Bedeutungslosigkeit versunken. Parteichef Paul Nuttall trat noch am Freitagvormittag zurück. Kein Wunder: Der Brexit war das große Projekt der Partei, und der wird kommen. So gesehen hat sie sich zu Tode gesiegt. Vor der Wahl gingen viele davon aus, dass die EU-kritischen ehemaligen Ukip-Wähler automatisch die Tories wählen würden, aber Experten betonten am Freitag, dass viele von ihnen aus dem Labour-Lager gekommen und dahin auch zurückgekehrt seien.

<p>Herbe Niederlage für UKIP-Vorsitzenden Paul Nuttall.</p>

Herbe Niederlage für UKIP-Vorsitzenden Paul Nuttall.

Foto: dpa

4. BREXIT: Von Deutschland aus betrachtet sind die Folgen für die Brexit-Verhandlungen wohl das wichtigste an dieser Wahl. In Großbritannien: na ja. May wollte im Wahlkampf über Brexit reden, aber nach drei Anschlägen war innere Sicherheit das größere Thema. Außerdem hatte Herausforderer Corbyn nicht allzu viel Lust, über den EU-Austritt zu debattieren, und stellte lieber soziale Gerechtigkeit in den Mittelpunkt seiner Kampagne. Ein eindeutiges Mandat für eine kompromisslose Trennung von der EU ist die Wahl jedenfalls nicht. Die Gewerkschaften haben sich schon zu Wort gemeldet und fordern einen neuen Plan, der Jobs und Arbeitnehmer-Rechte schützt.

5. SYMPATHIE: Für Wahlen zählen nicht nur Inhalte, es zählen auch Personen. Und was Sympathie und Ausstrahlung angeht, hatte Corbyn im Wahlkampf die besseren Karten. Während Mays Beliebtheit Umfragen zufolge abnahm und sie sich mit roboterhaftem Auftreten den Spitznamen „Maybot“ einfing, trauten immer mehr Briten dem kauzigen Corbyn zu, ein anständiger Premierminister zu sein. Zwar hatte May ebenso wie ihre Partei in den Umfragen immer die Nase vorn, aber der Abstand schmolz – offenbar ausreichend, um den Tories ihre Mehrheit zu nehmen.

<p>Die britische Ministerpräsidentin Theresa May und den Labour-Chef Jeremy Corbyn</p>

Die britische Ministerpräsidentin Theresa May und den Labour-Chef Jeremy Corbyn

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erstellt am 09.Jun.2017 | 14:02 Uhr

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