zur Navigation springen

Kommentar : Brexit: Eine Katastrophe für Wohlstand und Frieden in Europa

vom
Aus der Onlineredaktion

Wir Deutschen dürfen uns nun in Europa auf keinen Fall so groß machen, wie wir sind, kommentiert Joachim Dreykluft.

von
erstellt am 24.Jun.2016 | 13:48 Uhr

Überheblichkeit, Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit. Das ist die eine Erklärung für das britische Leave. Undemokratische Strukturen in Brüssel, eine Ferne von der Lebenswirklichkeit der Menschen, die Angst vor einem bürokratischen Monster, oder einfach die Abscheu vor dem, was man als Machtelite empfindet. Es gab schlechte und es gab berechtigte Argumente für die Engländer und Waliser, gegen die EU zu stimmen. (Der „Guardian“ analysiert hier die Gründe.)

Die dumpfen Argumente haben am Ende wohl den Ausschlag gegeben. Aber darüber zu lamentieren ist müßig. Denn egal, warum sie es getan haben: Die Briten wissen gar nicht, was sie getan haben. Der Brexit ist eine Katastrophe.

Die englische Babyboomer-Generation, die nie einen Krieg erlebt hat, der es nie wirklich schlecht ging, meint, dass es zu viele Polen auf dem britischen Arbeitsmarkt gibt und zu viele Idioten in der EU-Kommission. Und deshalb werfen sie das größte friedens- und wohlstandsschaffende Projekt weg, das Europa je erlebt hat.

Das Quengelkind am Tisch

„Gut so, die haben in der EU eh nur genervt“, höre ich als Argument schon fast erleichtert. Stimmt. Die Briten waren immer das Quengelkind am Tisch. Aber warum haben die anderen Länder, allen voran die Deutschen, sie über Jahrzehnte oft gewähren lassen? Weil auch das Quengelkind dazu gehört, soll nicht die ganze Familie auseinanderbrechen.

Was passiert nun? Im besten Fall rücken die übrigen Europäer wegen des heilsamen Schocks enger zusammen, ertragen, dass das Gewicht Deutschlands ohne die Briten weiter zunimmt. Die Bundesregierung geht damit verantwortungsvoll um und hält das absehbare innenpolitische Gemaule wegen der nötigen Kompromisse aus. Dann kehren die Briten, nach einem Absturz ihrer Wirtschaft, in ein bis zwei Jahrzehnten reumütig zurück. Wir sind großzügig und nehmen sie wieder auf, ohne nachzutreten.

Im schlechtesten Fall trägt die Brexit-Euphorie die Forderungen von Rechtspopulisten wie Geert Wilders oder Marine Le Pen nach eigenen Referenden. Mit einem weiteren Austritt wäre die EU ohnehin am Ende.

Mehr Deutschenfeindlichkeit

Wir sollten mit mehr Deutschenfeindlichkeit aus Angst vor dem übermächtigen Nachbarn mit seinen 80 Millionen Menschen und seiner unbändigen Wirtschaftskraft  rechnen, die die hiesigen Rechtspopulisten geschickt ausnutzen könnten. Unser aller Wohlstand, unsere Freiheit in Europa wäre akut gefährdet, bekämen wir eine ernstzunehmende EU-feindliche Bewegung in Deutschland. Der Frieden auch? Man mag sich das gar nicht vorstellen.

Gegenmaßnahmen: Zunächst einmal die Stimmung so gut wie möglich aufrecht erhalten. Also keine unnötige Schärfe gegenüber den Briten in den Austrittverhandlungen. Wir Deutschen müssen innenpolitisch die Nerven behalten, wenn es um als schmerzhaft empfundene EU-Kompromisse geht. Wir dürfen uns auf keinen Fall so groß machen, wie wir sind. Die EU-Kommission muss radikal entmachtet werden zugunsten des Parlaments. Dass unfähige, national abgehalfterte Politiker Kommissare in Brüssel werden können, ist ja ein eindeutiges Zeichen, dass dort vieles nicht stimmt.

Nach dem Brexit: Europa und die Gartenzwerge - ein Kommentar von Stefan Hans Kläsener.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen