zur Navigation springen

Razzien gegen islamistische Szene : Bremer Innensenator lässt Salafisten-Verein auflösen

vom
Aus der Onlineredaktion

Angst vor Terror: Wohnungen und Vereinsheim in Bremen sind Ziele einer Razzia gegen Salafisten. In Brüssel nehmen Fahnder auf einen Schlag zehn Verdächtige fest.

shz.de von
erstellt am 16.Feb.2016 | 15:29 Uhr

Bremen/Brüssel | Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) hat mit sofortiger Wirkung einen radikal-islamischen Verein verboten und aufgelöst. Bei einer Großrazzia durchsuchte die Polizei am Dienstag zwölf Privatwohnungen sowie Vereinsräume in Bremen und eine Autowerkstatt im niedersächsischen Delmenhorst. Die Beamten sicherten Computer, Festplatten, Handys, Unterlagen und geringe Bargeldmengen. Fast zeitgleich haben in der belgischen Hauptstadt Brüssel Anti-Terror-Fahnder zehn Verdächtige festgenommen.

In Europa grassiert die Angst vor Terroranschlägen. Immer wieder gibt es bei Razzien Zugriffe. Erst kürzlich wurden in einer Flüchtlingsunterkunft im sauerländischen Attendorn und in Berlin Terrorverdächtige festgenommen. Jetzt wieder im Großraum Brüssel auch in der Gemeinde Molenbeeck, wo sich auch Attentäter von Paris aufhielten. In Bremen rückt erneut die Salafistenszene in den Fokus.

An der Bremer Razzia waren rund 200 Polizeibeamte beteiligt, auch Spezialkräfte. Bei den Durchsuchungen wurden 44 Menschen angetroffen, darunter 33 Erwachsene. Bei der Aktion ging es nicht um die Suche nach Waffen, sondern um Informationen, die Aufschluss über Abläufe in der islamistischen Szene geben. Hinweise werden von der Auswertung der Festplatten erwartet. Mäurer sprach von „riesigen Datenmengen“.

Bei der Vereinigung handelt es sich um den Islamischen Förderverein Bremen, eine Nachfolgeorganisation des bereits im Dezember 2014 verbotenen salafistischen Kultur & Familien Vereins (KuF), sagte Mäurer. Sie steht im Verdacht, Terrorkämpfer für den Syrien-Einsatz zu rekrutieren.

Der jetzt verbotene Verein wurde schon 2009 gegründet und den Ermittlern zufolge gezielt unterwandert. Im Sommer 2015 hätten ihn ehemalige KuF-Mitglieder „kalt übernommen“. Allein diese Fortführung habe schon strafrechtliche Relevanz.

Ein Viertel der KuF-Mitglieder hatte sich nach Angaben von Mäurer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angeschlossen. Sie seien an Terroranschlägen und Kampfhandlungen in Syrien beteiligt. Sechs der ausgereisten Männer seien bei Kampfeinsätzen in Syrien gestorben.

Die Zahl der Salafisten in Bremen wird auf 360 geschätzt, bundesweit sind es nach Angaben des Bundesverfassungsschutzes etwa 7500 (Juni 2015).

In Brüssel haben Anti-Terror-Fahnder bei Razzien derweil zehn Verdächtige festgenonmmen. Grundlage des Polizeieinsatzes am Dienstagmorgen seien Ermittlungen zu einem Netzwerk gewesen, das möglicherweise Mitglieder für die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) wirbt, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Verbindungen zu den Terroranschlägen von Paris gebe es in diesem Fall bislang nicht.

Bei den Razzien wurden den Angaben zufolge insgesamt neun Wohnungen in mehreren Stadtbezirken durchsucht. Auch die als Islamistenhochburg bekannte Brüsseler Gemeinde Molenbeek war betroffen. Die Fahnder beschlagnahmten bei den Durchsuchungen Mobiltelefone und Computer-Hardware.

Auch die Bremer Islamisten-Szene war bereits im Februar 2015 mit einem gegen sie gerichteten massiven Anti-Terroreinsatz in den Schlagzeilen. Allerdings hatte sich damals der Terrorverdacht nicht bestätigt. Eine Durchsuchung des Islamischen Kulturzentrums (IKZ) wurde später vom Bremer Landgericht als rechtswidrig eingestuft.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen